Zum Hauptinhalt springen

Diskriminierung, sagt sie, kenne kein Geschlecht

Monika Ebeling?Die entlassene Goslarer Gleichstellungsbeauftragte tritt heute am Antifeminismus-Treffen auf. Von Simone Rau Mädchen und Frauen, Jungen und Männer – sie will sich um alle kümmern. Das ist ihr zum Verhängnis geworden. Monika Ebeling, Gleichstellungsbeauftragte in der niedersächsischen Stadt Goslar, wurde Mitte Mai abberufen, weil sie sich zu sehr für die Probleme und Anliegen beider Geschlechter einsetzte. Denn aus ihrer Sicht sind auch die Männer benachteiligt. Beispiel Sorgerecht. «Nur die Inklusion der Männerpolitik kann die Gleichstellungspolitik retten», sagte sie, als sie noch im Amt war. Das passte den Feministinnen – oder «den verbitterten Altfeministinnen», wie Ebeling am Telefon sagt – in der Kleinstadt nicht. Sie inszenierten eine Kampagne gegen die 51-Jährige. Mit Erfolg. Heute tritt Ebeling, die hauptberuflich einen Kindergarten leitet, an einem Treffen der Interessengemeinschaft Antifeminismus (Igaf) in Winterthur auf. Sie will über die «Gleichberechtigung der Geschlechter» reden, über das «Miteinander», das ihres Erachtens so wichtig ist. Die These des Referats: «Der Geschlechterkampf ist vorbei!» Sie freut sich auf den Dialog mit den Männern, der ihr bei ihren Geschlechtsgenossinnen fehlt. «Die Frauen führen immer nur Monologe. Sie sind die Opfer, die Männer die Täter. Das ist mir zu einseitig.» Ebeling sagt es ruhig, aber bestimmt. Dass die Antifeministen bislang vor allem mit verbalen Entgleisungen ihres Sprachrohrs René Kuhn («zerlumpte Vogelscheuchen», «verfilzte Weiber») von sich reden machten, bereitet der Deutschen kein Kopfzerbrechen. Sie ist es als Sozialarbeiterin und Familientherapeutin gewohnt, offen auf Menschen zuzugehen. «Wenn man sich auf Augenhöhe begegnet, ist jedes Gespräch möglich», sagt sie. «Auch mit Leuten, die schwierig sind oder eine andere Meinung haben.» Die Mutter dreier erwachsener Töchter und eines fünfzehnjährigen Adoptivsohns hat mit Drogensüchtigen gearbeitet und im Spital, sie hat in der Altenpflege unterrichtet und unzählige Beratungsgespräche mit Frauen und immer häufiger auch mit Männern geführt. «Manchen Anliegen der Antifeministen kann ich zustimmen, anderen nicht», sagt sie. «Aber dass diese Männer es wagen, dem Feminismus ein ‹Anti› voranzustellen, beeindruckt mich schon.» Jetzt lacht sie, laut, wie so oft im Gespräch. Ihre Abwahl als Gleichstellungsbeauftragte scheint Ebeling gut zu verkraften. Von Wut und Verbitterung keine Spur. Sie sei erleichtert, dass der Druck des Amtes endlich weg sei, sagt sie. Und sie freue sich über die Medienanfragen, «die nicht abreissen wollen». Diesen Schwung der letzten Wochen will sie nutzen und ein Buch über die Thematik schreiben. Sie ist bereits mit verschiedenen Verlagen im Gespräch. Auch ihren Blog Geschlechterdemokratie.wordpress.com wird sie weiterführen. Zeit verschwenden? Definitiv nichts für die umtriebige Deutsche. Zumal an den Vorwürfen, die zu ihrer Abwahl geführt haben, «nichts dran» sei, wie sie sagt. Ihre Gegnerinnen hätten ihr beispielsweise vorgeworfen, keine Empathie für weibliche Opfer zu empfinden. «All das nur, weil ich betont habe, dass es auch männliche Opfer gibt.»Für die 51-Jährige gibt es viel zu tun – auf Männerseite und auf Frauenseite. Um das «und» geht es ihr: «Diskriminierung kennt kein Geschlecht. Man muss von diesem Wetteifern wegkommen. Das ist ja, wie wenn sich zwei Kranke darüber streiten würden, wer die schlimmere Krankheit hat.» Da ist es wieder, dieses Miteinander, das Ebeling mehrfach erwähnt. «Alles andere ist von gestern!», sagt sie. Und lacht.

Dieser Artikel wurde automatisch aus unserem alten Redaktionssystem auf unsere neue Website importiert. Falls Sie auf Darstellungsfehler stossen, bitten wir um Verständnis und einen Hinweis: community-feedback@tamedia.ch