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Ein amerikanischer Bademeister, der jodelt

Vom Computerchip-Ingenieur im kalifornischen Grosskonzern zum Bademeister in der Dorfbadi Grüningen: Der quirlige Amerikaner Stephen Munoz bringt frischen Wind ins Dorf.

Grüningen. - Der gebürtige Amerikaner Stephen Munoz ist ein Oberländer Original. Für die Liebe hat er vor 18 Jahren seinen Job als mechanischer Ingenieur im Silicon Valley, Kalifornien, aufgegeben und sich für ein Leben in der Schweiz entschieden. Doch die Beziehung ging in die Brüche - die Faszination für das Land ist geblieben; Munoz ging nicht in die Heimat zurück. Auch wollte der 47-Jährige nicht mehr im technischen Bereich arbeiten und wünschte sich «einen lustigen Job mit vielen Menschen». Ein Bekannter empfahl ihm die Arbeit als Bademeister. Und so rettet der aufgestellte Amerikaner seit 17 Jahren Schwimmer in Schweizer Badis, seit zwei Jahren in Grüningen. Er bereue seine eigensinnige Berufswahl nicht, lacht der braun gebrannte Sunnyboy. Mit amerikanischem Akzent schwärmt er von seiner Arbeit in der Dorfbadi. Er arbeite nicht einfach nur als Bademeister, sondern gleichzeitig auch als Gärtner, Animator, Schwimmlehrer und Haustechniker. Als inoffizieller Beautyberater verteilt der Allrounder sogar Schönheitstipps; besonders gerne an die männlichen Badegäste: «Auch für Herren ist Maniküre ein absolutes Muss.» Flirten gehört zum Beruf Die Badi im Tränkibach ist für Munoz etwas Spezielles. Sie sei für ihn ein «Paradiesli». Nie würde er dieses gegen einen Bademeisterjob an einem kalifornischen Strand tauschen wollen. Das Kleinräumige und Persönliche gefalle ihm besonders an der Schweiz. Amerika verändere sich stetig und sei für ihn zu wenig übersichtlich. Übersichtlicher ist es in Grüningen allemal. Das ganze Dorf kennt den Exoten mit dem simplen Spitznamen «Bademeister». Die Kinder mögen den sympathischen Oberländer besonders. Sein Markenzeichen: Er jodelt den Kindern zu, und sie jodeln zurück. Alle kennen ihn, und er kennt auch alle Gäste. Ist jemand neu in der Badi, spricht Munoz ihn an und zeigt ihm die Anlage. Gerne erzählt er viele witzige Anekdoten über seinen Bademeisteralltag. Einmal begonnen, ist er kaum mehr zu bremsen. Schmunzelnd berichtet er, wie er am vergangenen Wochenende einen Gast auf die Toilettenpapierschlange, die an seiner Badehose hängte, hinweisen musste. Menschen seien seine Leidenschaft, sagtMunoz und lacht. Der kleine, muskulöse Bademeister ist den Umgang mit Frauen gewohnt. Denn als Nebenjob unterrichtet er Acquafit im Alpamare in Pfäffikon SZ. Im Acquafittraining seien die meisten Gäste weiblich. «Ich geniesse das. Flirten gehört eben zu meinem Beruf.» Trotzdem wünscht sich der Wetziker manchmal etwas mehr männliche Badegäste. Die Frauen kämen vom Velofahren verschwitzt und ungeschminkt in die Badi. Munoz witzelt deshalb: «Im Gegensatz zu anderen Männern ist eine geschminkte Frau im Kleid das Schönste für mich und nicht eine im Bikini.» Neben den Sonnenseiten sei seine Aufgabe aber auch mit viel Verantwortung verbunden, erklärt Munoz. Jährlich ereignen sich in Badis tödliche Badeunfälle. In seiner 17-jährigen Bademeisterkarriere habe er aber bisher Glück gehabt, es sei noch nie jemand ertrunken. Allerdings musste er sechs Personen wiederbeleben. Vor allem unbeaufsichtigte Kinder. Bei seiner Arbeit geholfen hätten ihm bisher seine drei Grundregeln: «Sicherheit, Sauberkeit, Spass.» Diese empfehle er auch gerne den jugendlichen Gästen weiter, und dies nicht nur bezogen auf den Badi-Aufenthalt. Vergnügungspark in Grüningen Man spürt, dass das ganze Team der Badi Grüningen mit Herzblut dabei ist. Die Kioskleiterin Marianne Günthard und Munoz’ Stellvertreter Hugo Bachmann verwöhnen die Gäste mit einem ganz eigenen Badi-Konzept. Der Kiosk des kleinen Schwimmbads lockt mit täglich hausgemachten Süssigkeiten, und es gibt Themenabende wie Orientalische Nacht, Schweizer Abende oder Mondscheinschwimmen. Munoz will die nächsten fünf Jahre Bademeister in Grüningen bleiben. Für diese Zeit hat der 47-Jährige sich viel vorgenommen. Zum bestehenden Basketballplatz, Trampolin und Volleyballfeld sollen noch ein Minigolfplatz und weitere Attraktionen dazukommen. Munoz beschreibt seinen eigenwilligen Traum: «Ein Paradies wäre ein kleiner Vergnügungspark in der Grüninger Badi.»

Stephen Munoz arbeitet seit zwei Jahren als Bademeister in Grüningen. Er flirtet gerne mit weiblichen Gästen, das gehört für ihn zum Job dazu.

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