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Ein Aussichtspunkt am falschen Ort

Seit bald 30 Jahren gibt es in Sulzbach einen offiziell geschützten Aussichtspunkt, der aber ungenutzt blieb. Jetzt soll er einem privaten Bauprojekt Platz machen.

Von Manuel Reimann Uster – Von der Südseite des Grundholzhügels zwischen Neufuhr und Sulzbach hat man einen wunderbaren Ausblick über den Greifensee bis hin zu den Bergen. Im Siedlungs- und Landschaftsplan der Gemeinde Uster ist der Ort denn auch als «kommunaler Aussichtspunkt Grundholz» eingezeichnet. Seit fast 30 Jahren ist das so, doch es gibt hier weder eine Ruhebank noch eine Feuerstelle. Nur eine Viehweide. Nun soll der Aussichtspunkt Grundholz ganz aufgegeben werden. Der Ustermer Stadtrat hat dem Gemeinderat einen Antrag gestellt, ihn ersatzlos zu streichen. Dies, weil die Eigentümerin des Grundstücks, das unterhalb davor liegt, dort bauen will. Mitten in der Bauzone Damals, als der Aussichtspunkt im Plan eingetragen wurde, bestand die Absicht, den südöstlich davon liegenden Hang der Landwirtschaftszone zuzuweisen. Nur wenige Monate später machte ihn der Gemeinderat aber entgegen der richtplanerischen Vorgabe zu einer zweigeschossigen Landhauszone. «Aus Sicht des Landschaftsschutzes bestimmt kein sorgsamer Entscheid», sagt heute der Ustermer Stadtrat. Den Aussichtspunkt allerdings schützte der Gemeinderat damals, indem er restriktive Beschränkungen für eine allfällige Überbauung des davorliegenden Grundstücks festschrieb. Das Ergebnis dieser Politik ist heute deutlich sichtbar: Ein Grossteil des nach Süden abfallenden Hangs ist mit Einfamilienhäusern überbaut, nicht aber das Grundstück, auf welchem sich theoretisch der Aussichtspunkt befände. Als im Frühjahr 2010 die Eigentümerin des Landes ein Neubauprojekt entwickelte, zeigte sich laut dem Ustermer Stadtrat, dass dies kaum auf eine sinnvolle und finanziell vertretbare Weise möglich sein würde. Die Beschränkungen, die dort zum Schutz der Aussicht gelten, wogen zu schwer. Aus diesem Grund beantragte die Eigentümerin, den Aussichtspunkt zu streichen, zumal dieser sinnwidrig sei. Private Interessen überwiegen Die geltenden Bestimmungen seien in Anbetracht der speziellen Situation zweckwidrig und unverhältnismässig, argumentierte sie. Zudem liege der Ort an einer Privatstrasse, die mit einem Fahrverbot belegt sei. Der Stadtrat machte sich vor Ort ein Bild von der Lage und kam zum Schluss, dass in diesem Fall die Interessen der Gesuchstellerin gegenüber jenen der Öffentlichkeit überwiegen. Nicht nur, weil der Hang längst überbaut sei und es am Aussichtspunkt keine öffentlichen Einrichtungen habe, sondern auch, weil dort zu wenige Passanten vorbeikämen. Es gibt eine Alternative Ganz auf die schöne Aussicht vom Grundholzhügel muss aber niemand verzichten – auch wenn der Gemeinderat dem Stadtrat folgt und den Eintrag aus dem Landschaftsplan streicht. Denn an der Fortsetzung der privaten Strasse Im Grundholz gibt es ein Ruhebänkli und eine Feuerstelle. Und da dieser Weg wenig begangen wird, ist die Sitzgelegenheit sogar meistens frei.

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