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Ein Baum mit Krücke und Sonnenschutz

Glattfelden muss nicht mehr länger um die Gottfried- Keller-Linde beim Friedhof trauern. Ein neuer Baum wurde gepflanzt.

Von Kathrin Morf Glattfelden &endash «Diese Linde wurde 1919 zur Erinnerung an den 100. Geburtstag von Gottfried Keller gepflanzt», ist auf einer eisernen Tafel an der Friedhofsmauer von Glattfelden zu lesen. Doch die erwähnte Linde wurde im Juni von einem Sturm zerstört. Am vergangenen Mittwoch karrten Edward Bader und Stefan Strub vom Winkler Forstpflanzgarten nun eine neue Linde herbei. Sie hievten den 300 Kilogramm schweren und 4,5 Meter hohen Baum mit einem kleinen Kran vom Lastwagen und wälzten ihn in das vorbereitete Loch. Damit ragt über drei Monate nach dem verheerenden Sturm über dem Friedhof wieder eine Linde in den Himmel. Die Bevölkerung freuts. Die alte Linde sei ein riesiger und schöner Baum gewesen, sagt Käthy Meier. Sie und viele andere Glattfelder seien traurig gewesen über das jähe Ende des mächtigen Baums. Nun freut sie sich über den neuen. Auch Werkmeister François Chabloz ist zufrieden. Er kann sich noch gut an den Sturm erinnern, der am 22. Juni gewütet hat. «In Glattfelden waren die Böen extrem stark», sagt er. So stark, dass sie der sogenannten Gottfried-Keller-Linde den Garaus machten. Sie musste früh zu Brennholz vermacht werden: Linden können 1000 Jahre alt werden. Linde oft festgehalten Nach dem verhängnisvollen Sturm habe sich der Gemeinderat einstimmig und diskussionslos für eine neue Linde ausgesprochen, berichtet Chabloz. Die Linde passe zum «Gottfried-Keller-Dorf», fand sie doch in so manchem Werk des Schriftstellers Erwähnung. Zudem hat die Linde eine lange Tradition in der Region: Vor geraumer Zeit galt der Baum als heilig, und nach Kriegen wurde vielerorts eine Friedenslinde gepflanzt. Auch war früher in manchem Unterländer Dorf eine Linde das Zentrum des gesellschaftlichen Lebens. In ihrem Schatten fanden ebenso Gerichtsprozesse wie Tanzfeste statt. Dorfbewohner trafen sich dort, um zarte Bande zu knüpfen oder den neuesten Klatsch über ihre Nachbarn auszutauschen. Etwa 800 Franken lässt sich die Gemeinde die neue Linde kosten. Sie muss aber noch um einiges grösser werden, bis sie der alten ebenbürtig ist. Doch dies sollte nicht ewig dauern: «Eine Sommerlinde wie diese kann bis zu 50 Zentimeter im Jahr wachsen und etwa 35 Meter hoch werden», sagt Strub. Wichtig sei, dass die Baumexperten rund um den Wurzelstock nur kompakten Humus zurücklassen. Durch lockeres Erdreich und Hohlräume würden gefrässige Mäuse zu den Wurzeln vordringen und diese genüsslich verspeisen. Eincremen wäre mühsam Bader und Strub haben den Baum an drei Pflöcken festgebunden. Diese Stützen sind nötig, weil die Linde allein auf weiter Flur steht und dem Wind folglich schutzlos ausgeliefert ist. Erst wenn ihre Wurzeln in zwei bis drei Jahren stark genug sind, werden die «Krücken» entfernt. Die Gärtner wissen auch, dass der Linde ein Sonnenbrand droht. Durch diesen könnte sie ihre Rinde verlieren. Den Baum jedoch jeden Tag mit Sonnencreme einzureiben, wäre zu aufwendig. Deshalb umwickeln die Männer den Stamm mit einer Bambusmatte. Diese schützt die Linde auch vor Frost. Was mit der Tafel an der Friedhofsmauer geschieht, ist noch nicht klar. Um der Wahrheit Rechnung zu tragen, müsste die Inschrift aber insofern ergänzt werden, als dass hier seit 2011 die «Gottfried-Keller-Linde 2» steht. Edward Bader (l.) und Stefan Strub pflanzen die neue Linde. Foto: Madeleine Schoder

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