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Ein Ergebnis wie im Juniorenfussball

Zwischen dem FC Thun und Stade Nyonnais sind am Samstagabend 78 Minuten gespielt, als Murat Yakin seinen dritten Spielerwechsel vornimmt.

Erfolgreiches Sturmduo: Jocelyn Roux (l.) und Pape Omar Faye waren gegen Nyon je viermal erfolgreich.
Erfolgreiches Sturmduo: Jocelyn Roux (l.) und Pape Omar Faye waren gegen Nyon je viermal erfolgreich.
Patric Spahni

Der Thun-Trainer ersetzt Torhüter Sascha Stulz durch Roman Bürki. Der 18-Jährige – Goalie der Schweizer U19-Auswahl – kommt so zum ersten Einsatz in der Challenge League. Yakin will auch den Ersatzkeeper teilhaben lassen an diesem denkwürdigen Tag im Lachenstadion. 8:0 liegt Thun bei Bürkis Einwechslung in Führung. Bevor das Spiel endet, wird Pape Omar Faye mit seinem vierten Treffer für den Schlussstand von 9:0 sorgen. Ein Ergebnis, wie es allenfalls im Junioren- oder Unterligafussball vorkommt.

Der Goalietausch sei nicht als zusätzliche Demütigung für den Gegner zu verstehen gewesen, sagt Sportchef Andres Gerber später, sondern als Geste gegenüber Bürki. Die YB-Leihgabe muss sich diese Saison bislang hinter Stulz anstellen. «Den Gegner gedemütigt hätten wir, wenn wir Bürki als Feldspieler auf den Platz geschickt hätten», ergänzt Gerber und lacht. Die Laune ist prächtig auf Thuner Seite. Dreimal in Folge war man zuvor ohne Sieg geblieben, hatte in Lausanne die erste Niederlage bezogen. Bevor die Meisterschaft eine zweiwöchige Pause macht, ist man wieder auf Kurs.

Die Szenen im Lachenstadion erinnern nach Spielende ein wenig an das Stade de Suisse nach einem Heimsieg der Young Boys. Die Mannschaft wird von den Anhängern auf den Stehplätzen aufgefordert, sich hinzusetzen. Auf Kommando der Fans erheben sich die Spieler, mit einem wilden Tanz wird der Erfolg gemeinsam gefeiert.

Yakin zieht sich nach der Jubelszene zufrieden ins Sponsorenzelt zurück. Mit Freunden stösst er auf den schier unfassbar hohen Sieg an. Der Trainer hatte auf die letzten Resultate reagiert und das System im Hinblick aufs Nyon-Spiel verändert. Eine Formation im 3-5-2 statt im 4-4-2 und verbessertes Spiel über die Flügel hatte er dem Team als Vorgabe gemacht.

Weniger als vier Minuten dauert es nach dem Anpfiff, bevor Jocelyn Roux der erste Treffer gelingt. Noch vor Ablauf der ersten zehn Spielminuten erhöht Pape Omar Faye auf 2:0. Nach einem weiteren Treffer Roux’ steht es zur Pause 3:0. Als Faye in der 46.Minute zum 4:0 trifft, hat Nyons Coach Frantz Barriquand seinen Platz auf der Trainerbank noch nicht wieder eingenommen. Nyon agiert fortan völlig inferior. Locker und leicht kombinieren sich die Thuner vor das gegnerische Tor. Fast jeder Schuss ist ein Treffer. Roux und Faye teilen sich bis zum Abpfiff die weiteren Tore zu gleichen Teilen auf. Ausnahme ist der Treffer zum 5:0. Den überlassen die Stürmer in der 54.Minute Mittelfeldspieler Benjamin Lüthi.

Man muss einige Jahre zurückblicken, um einen ähnlich deutlichen Thuner Sieg zu finden. Am 9.April 2005 gewannen die Oberländer, damals noch in der Super League, in Aarau 7:1. Urs Schönenberger hiess der Thun-Trainer damals. In der Startformation standen unter anderem Fabio Coltorti, Silvan Aegerter und Mauro Lustrinelli. Es war die Traumsaison der Thuner, die sie schliesslich auf dem 2.Platz der Super League beendeten, bevor sie dann auch in die Champions League einzogen.

Von der Wiederholung dieser traumhaften Geschichte träumt in Thun schon lange niemand mehr. Und doch weckt dieses 9:0 leise Hoffnungen. Als weitere Übergangssaison wurde die aktuelle Spielzeit von der Klubleitung des FC Thun definiert. Mehr oder weniger heimlich sprechen Trainer und Spieler hingegen davon, sie wollten sich an der Spitze der Challenge League orientieren. Auf Rang 3 stehen die Thuner mittlerweile. Bestätigen wollen sie ihre Ambitionen übernächstes Wochenende beim Auswärtsspiel gegen den FC Locarno.

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