Zum Hauptinhalt springen

Ein Haus mit Geschichte(n)

Das «Waldhaus» sieht man von weitem. Erhaben steht es in der Ruhe des Waldes ob Sils Maria und trägt seine 101 Jahre mit Stolz. Gehegt und gepflegt wird das Haus seit seiner Eröffnung von der

«Waldhaus» – ein Haus im Wald also. Im Wald, das stimmt. Aber Haus? Ein Koloss ruht da inmitten von Föhren und Lärchen auf einem Felsen ob Sils Maria im Oberengadin. Ein Monument mit einer langen Geschichte, mit fünf Sternen, 140 Zimmern, 220 Betten und 140 Mitarbeitern. Die exquisite Lage auf dem Hügel hat den Vorteil, dass das «Waldhaus» keine Hinterseite hat. Nach Osten geht der Blick zum Silvaplanersee und Piz Corvatsch, nach Süden ins Fextal, nach Westen zum Silsersee und nach Norden über die Silser Ebene. Gigers «Traumhotel» «Eigentlich hätten sie es nie tun sollen. Aber das wussten sie nicht.» So beginnt das Vorwort zum 2008 erschienenen Buch «Waldhaus Sils – a Family Affair since 1908». Die, die es nicht hätten tun sollen, waren Josef und Amalie Giger, die während Jahrzehnten als Direktoren grosse und berühmte Häuser in Bad Ragaz, in Russland, Italien und St. Moritz geleitet hatten. Sie wollten endlich ein Hotel ganz nach ihren eigenen Vorstellungen bauen. Ihr Urgrosssohn Urs Kienberger erzählt: «Ein Traum von einem Hotel sollte es werden, betrieblich raffiniert, perfekt platziert, souverän in seiner Wohnlichkeit und seinem unaufdringlichen Luxus, konzipiert für die Ewigkeit.» Von der Ewigkeit hat es bis anhin 101 Jahre mit Bravour geschafft. 1905 wurde mit dem Bau von Gigers «Traumhotel» auf dem waldigen Hügel ob Sils Maria begonnen. Am 15.Juni 1908 öffnete das «Waldhaus» seine Türen. Es hatte, inklusive Land, 2,3 Millionen Franken gekostet. Sechs Jahre und sechs Wochen nach der festlichen Eröffnung war Weltkrieg, nach ihm eine grosse Krise, ein kurzer Aufschwung und wieder eine tiefe Krise und der nächste Krieg. Heute sind die Urenkel von Gigers – Felix und Maria Dietrich-Kienberger und Urs Kienberger – am Werk. Die fünfte Generation steht bereit. Aus der ursprünglichen Kollektivgesellschaft ist 1918 eine Aktiengesellschaft geworden. Aber das «Waldhaus» ist ein reines Familienunternehmen geblieben. «Wir haben keinerlei reiche Göttis und aussen stehende Aktionäre, wir haben auch kein Familiensilber verscherbelt, weder den Hotelpark verkauft noch feudale Eigentumswohnungen gebaut», ist zu vernehmen. Konzept treu geblieben Das «Waldhaus» wurde nicht nur klug und konsequent konzipiert, sondern diesem Konzept auch bei allen späteren Investitionen die Treue gehalten. Natürlich wurde das Haus kontinuierlich – wenn das nötige Geld vorhanden war – den Erfordernissen der Zeit angepasst. So wurde das 1970 erstellte Hallenbad 24 Jahre später mit Saunas ergänzt, wurden eine Tennishalle, Autoeinstellhallen und Mitarbeiterwohnungen gebaut. Millionenschwere Umbauten von Halle, Bar und Eingangsbereich hatten aber nicht eine Modernisierung zum Ziel, sondern die Wiederaufwertung der schönen alten Räume. Die Gästezimmer wurden sorgfältig restauriert, über zwanzig von ihnen erhielten mit hohen Kosten ihre ursprüngliche Ausstattung von 1908 zurück. Pro Jahr 3,5 Millionen Dem ursprünglichen Waldhaus-Konzept treu zu bleiben, geht ins Geld. «Wir haben während der letzten drei Jahrzehnte im Schnitt pro Jahr 3,5 Millionen Franken investiert», verrät Felix Dietrich. Das letzte Grossprojekt (2004 bis 2008) betraf die Infrastruktur (Küchen, Wirtschafts- und Lagerräume, Mitarbeiterbereich). Kosten: 10 Millionen Franken. Unpraktisch – aber schön Im «Waldhaus» sind kaum zwei Zimmer gleich. «Die Gäste ja auch nicht», schmunzelt Felix Dietrich. «Wir haben zehn Zimmerkategorien, und selbst in jeder Kategorie gibt es noch Unterschiede», erklärt er. Das sei zwar unpraktisch, aber schön. Die Gäste können sich auf eines verlassen: Die Zimmerverteilung ist Chefsache. 2008 feierte das «Waldhaus» seinen 100. Geburtstag. Unter anderem mit einem Theater: «Das Theater mit dem Waldhaus» von Christoph Marthaler. Das Stück wurde an die Berliner Festspiele eingeladen. Eine echte Rarität Das «Waldhaus» stellt selbst im Vergleich mit andern historischen Hotels eine echte Rarität dar. Aber es hat nicht nur eine stolze Geschichte, sondern eine ebenso stolze Gegenwart. Ueli Flück >

Dieser Artikel wurde automatisch aus unserem alten Redaktionssystem auf unsere neue Website importiert. Falls Sie auf Darstellungsfehler stossen, bitten wir um Verständnis und einen Hinweis: community-feedback@tamedia.ch