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Ein miserables Pilzjahr

Das aktuelle Pilzjahr wird als eines der schlechtesten überhaupt in die Geschichte eingehen. Wegen der anhaltenden Trockenheit und des abrupten Temperatursturzes finden Sammler nicht einmal mehr die

In den Räumen der Pilzkontrolle an der Thuner Allmendstrasse herrscht an diesem Freitagmorgen gähnende Leere. Nicht ein Sammler hat bei Kontrolleur Peter Rohrer in eineinhalb Stunden auch nur einen Pilz vorzuweisen. «Gestern waren gerade mal drei Leute in unserer Kontrollstelle. Und sie haben, wie seit längerem, die täglich erlaubte Sammelmenge von zwei Kilo nicht gefunden», erzählt Peter Rohrer, der ehemalige Pilzkontrolleur von Thun. «Bis heute haben wir im September 85 Kontrollen durchgeführt. Das gab es noch nie. Üblicherweise ist es ein Mehrfaches, beispielsweise letztes Jahr 230», sagt Kontrolleur Marcel Heger. Bisher ein Vergiftungsfall Peter Rohrer vertrat den offiziellen Kontrolleur Marcel Heger, der sich im Bündnerland zum sogenannten Spitaldiagnostiker ausbilden liess. Solche werden im Fall von Pilzvergiftungen von den Spitalärzten beigezogen. Die Spezialisten wissen die Symptome richtig zu deuten, sie kennen die Behandlungsmethoden und Gegenmittel. Diese Ausbildung hat kürzlich auch einer der Interlakner Pilzkontrolleure, Hans Wysser, durchlaufen. «Leider hat sich in diesem Jahr bereits wieder ein Unfall ereignet. Eine Sammlerin musste nach dem Verzehr von unkontrollierten netzstieligen Hexenröhrlingen und Schönfussröhrlingen ins Spital eingeliefert werden», bedauert Marcel Heger. Kein Problem gab es bis jetzt mit dem gefährlichen orangefuchsigen Rauhkopf. Weil er denselben Boden bevorzugt wie die Kratarelle und der Trompetenpfifferling (und diese wegen der Trockenheit nicht spriessen), wächst auch der Rauhkopf nicht. In Unterseen mussten indes ein grüner Knollenblätterpilz und einige Gallenröhrlinge vernichtet werden. Keine Kontrollpflicht mehr «Früher mussten alle Pilze, die für den Verkauf bestimmt waren, von einer amtlichen Kontrolle geprüft werden. Die Kontrolleure mussten nicht nur eine Prüfung ablegen wie heute, sondern jährlich einen Test bestehen», erklärt Peter Rohrer. Verwende heute ein Wirt in seinem Betrieb Pilze, so müsse er im Rahmen der Selbstkontrolle belegen, dass diese der Eidgenössischen Speisepilzverordnung entsprächen. «Ob dies so geschehen ist, wird vom Lebensmittelkontrolleur beim periodischen Kontrollgang im Nachhinein überprüft. Bis heute haben sich damit noch keine Probleme ergeben», sagt Rohrer. «Ob das auch für den Raum Interlaken zutrifft, da bin ich mir nicht so sicher», meint Hans Wysser, der Kontrolleur auf dem Bödeli. «Die Sammler werden von uns gut orientiert, sodass sie heute gezielt sammeln», glaubt Wysser. «Schwümmler» sind immer häufiger Senioren. «Das merken wir auch im Pilzverein», erzählt der Thuner Peter Rohrer. Zu trocken und zu kalt «War das letzte Jahr vor allem im Herbst recht ergiebig, ist 2009 ein extrem schlechtes Pilzjahr, das dürftigste überhaupt, an das ich mich erinnern kann», so der erfahrene Pilzler Rohrer. Waren der Juni und Juli mit etwas Sommer-Steinpilzen noch recht gut, haben die anschliessende Trockenheit und der frühe Kälteeinbruch von letzter Woche das Wachstum radikal gestoppt. «Die magere Ausbeute führt dazu, dass wir viel Sammelgut beschlagnahmen müssen, etwa alte und ungeniessbare Pilze. Wegen der Trockenheit sind vor allem die typischen Spätherbstpilze wie Pfifferlinge und Kratarellen Mangelware», sagt Marcel Heger. Pilzausstellung trotz allem Während beispielsweise der Pilzverein Grauholz eine Pilzausstellung in einem Einkaufscenter in Schönbühl vorerst abgesagt hat, führt der Thuner Verein seine Ausstellung bis am Samstag im Oberland-Zentrum durch. «Möglicherweise werden die Besucher nicht alle bekannten Speisepilze zu sehen bekommen. Spannend aber soll es allemal werden. Wir zeigen die Welt der Zuchtpilze und all die Pilze, die auf Holz wachsen – alles, was zurzeit zu finden ist», wirbt Marcel Heger für die Schau. Ulrich Krummenacher Pilzausstellung noch bis Samstag im Thuner Oberland-Zentrum. Informationen zur Pilzkontrolle: www.vapko.ch.>

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