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Ein runder Tisch für die politische Psychohygiene

Zumikon sucht einen Ausweg aus der blockierten Situation um die Zukunft der Schule. Von Peter Meier

Zumikon – Es war ein Paukenschlag: Vor einem halben Jahr setzte die Zumiker Schulpflege kurzfristig zwei hochumstrittene Geschäfte von der Traktandenliste der Gemeindeversammlung ab. Sowohl ein 24,6-Millionen-Franken-Kredit für die Erweiterung der Schulanlage Farlifang als auch ein Baurechtsvertrag mit der privaten Lakeside School, die in der zweiten Zumiker Schulanlage Juch einziehen wollte, fielen buchstäblich ausser Abschied und Traktanden. Allenthalben herrschte Konsternation. Auf die Pauke gehauen hatte nicht etwa die Schulpflege, sondern der Gemeinderat. Kurz vor der Gemeindeversammlung hatte nämlich das «Milchhüttli», das im Planungsperimeter des Farlifang liegt, höhere Weihen erhalten. Die heute als Galerie genutzte ehemalige Verladestation der Forchbahn wurde vom Gemeinderat auf Empfehlung der kantonalen Denkmalpflegekommission unter Schutz gestellt. Mit der Unterschutzstellung wurde die Erweiterung der Schulanlage Farlifang hinfällig. Und weitere Diskussionen über den Baurechtsvertrag erübrigten sich. Schulpflege als Zuhörerin Seither herrscht Funkstille – was allerdings nicht bedeutet, dass die federführende Schulbehörde untätig geblieben wäre, wie Schulpräsident Andreas Hugi betont. Er präsidiert einen nach den Sommerferien ins Leben gerufenen runden Tisch, der die verfuhrwerkte Situation aufarbeiten soll. Platz genommen am runden Tisch haben laut Hugi Vertreter «dorfrelevanter Kreise». Zu diesen zählen Vertreter des Gemeinderates, der Ortsparteien, der Vereine, des Elternrates sowie des Komitees «Zumikon mit Zukunft», eines Sammelbeckens Unzufriedener, die die Konzentration der Schule an einem Standort in der Vergangenheit aus je unterschiedlichen Motiven stets bekämpft hatten. «Die Schulpflege redet am runden Tisch nicht mit, sondern hört nur aufmerksam zu», sagt Andreas Hugi. An der Schulpflegesitzung vom 4. Oktober sollen dann erste Entscheide bezüglich des weiteren Vorgehens gefällt werden. Die Existenz eines runden Tisches ändert nichts daran, dass die Zukunft um die Zumiker Schule eine vertrackte Angelegenheit bleibt. Die seit Jahren laufenden Diskussionen werden von verschiedensten Interessengruppen zum Anlass zur Durchsetzung eigener Interessen und Anliegen genommen. Im Verteilkampf um knapper werdende Mittel wird mit harten Bandagen gekämpft. Viele Interessengruppen Da sind zum Beispiel Eltern, die ihren Sprösslingen nicht einen weiteren Schulweg zumuten wollen und deshalb gegen die Ein-Standort-Schule sind. Andern erscheint die Abgabe der Schulanlage Juch an eine Privatschule – neben der Inter-Community School Zurich, der zweiten im Dorf – als Ausverkauf kommunalen Tafelsilbers. Auch Vertreter der älteren Generation wittern Morgenluft, nachdem sich Pläne für Investitionen in den Alterswohnbereich zerschlagen haben. Und da gibt es natürlich auch die Sparapostel, denen ein tiefer Steuerfuss mehr am Herzen liegt als die Interessen von Schülern und Senioren. Nicht zuletzt gibt es in Zumikon Leute, die behördliche Betriebsamkeit grundsätzlich mit Misstrauen verfolgen. Fünf Varianten Der runde Tisch hat – unter Ausschluss der Öffentlichkeit – erst einmal getagt. Einig war er sich laut Hugi, dass mit jahrelangen Schuldebatten viel Energie verpufft worden sei und dass es für die Schule nun endlich eine Lösung brauche. «Wir haben eine Auslegeordnung erstellt und fünf mögliche Lösungen diskutiert», sagt Hugi. Am zweiten runden Tisch, der am 29. September stattfinden wird, soll – im Sinne einer Negativselektion – die Zahl realistischer Lösungsmöglichkeiten reduziert werden. Zur Wahl stehen folgende Varianten: «Status quo»: In Zumikon wird weiterhin an zwei Standorten Schule gehalten. Die Schulbauten bleiben, wie sie sind, es gibt weder Sanierungen noch Ausbauten. Der Baurechtsvertrag mit der Lakeside School würde hinfällig. «Status quo optimiert»: Beide Schulanlagen bleiben erhalten. Es werden aber Investitionen getätigt, zum Beispiel für den Gruppenunterricht. Ebenso erhält die Bibliothek den nötigen Platz. Der Baurechtsvertrag mit der Lakeside School würde hinfällig. «Ein-Standort-Lösung»: Die Schule wird an einem Standort konzentriert. Sollte dies in der Schulanlage Juch geschehen – was die Gemeindeversammlung 2006 abgelehnt hat –, entstünde im Farlifang Platz für schulfremde Nutzungen, zum Beispiel für ein Alterszentrum. Auch in diesem Fall würde der Baurechtsvertrag mit der Lakeside School hinfällig. «Schulzentrum Farlifang»: Wie von der Schulpflege bisher favorisiert, würde die Schulanlage Farlifang zu einem neuen Schulzentrum erweitert. Das kürzlich unter Denkmalschutz gestellte «Milchhüttli» bleibt erhalten, was eine geringfügige Anpassung des vorliegenden Ausbauprojektes bedingen würde. Die Lakeside School könnte ins Schulhaus Juch einziehen. Variante «Neubau»: Auf der grünen Wiese wird eine zentrale Schulanlage komplett neu gebaut. Die Lakeside School könnte einziehen, im Farlifang entstünde Raum für schulfremde Nutzungen, etwa ein Alterszentrum. Ob geeignete gemeindeeigene Ländereien für ein neues Schulzentrum zur Verfügung steht, ist eher zweifelhaft. Keine Kabinettspolitik Ob der runde Tisch dazu beiträgt, den gordischen Knoten zu durchschlagen, ist offen. Gewiss aber dient er der politischen Psychohygiene in einer chronisch uneinigen Gemeinde. Die Interessen einzelner Protagonisten, die sich engagiert in den politischen Entscheidungsprozess um die Zukunft der Schule eingeklinkt haben, liegen zum Teil meilenweit auseinander. «Vom frühzeitigen Einbinden aller relevanten Kräfte in den Entscheidungsprozess erhoffen wir uns, dass die Behörden später vom Vorwurf der Kabinettspolitik und der Geheimniskrämerei verschont bleiben. Wenn uns dies gelingt, wäre schon viel erreicht», sagt Schulpräsident Andreas Hugi.

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