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Ein Spaziergang zu lauten und leisen Zeugen der Industriegeschichte

Betreten verboten &endash das gilt normalerweise für das Trümplerareal bei Uster. Auf einer Wanderung lüftete ein Spross der Industriellenfamilie Geheimnisse um den Privatpark und die neuen Mieter auf dem Areal.

Von Jan Lüthi Uster &endash Die zahlreichen Fabrikhallen im Aatal aus dem 19. Jahrhundert sind Denkmale einer zwar vergangenen, aber einer prägenden Epoche. Das Erbe der Industrialisierung ist hier überall sichtbar. Am Samstag aber wurde erstmals Einsicht gewährt: Die Stadt Uster organisierte eine geführte Wanderung durch das Trümplerareal an der östlichen Stadtgrenze. Zwischen Aathalstrasse und Bahnlinie befindet sich eine Ansammlung von Fabrikgebäuden, die ehemalige Spinnerei und Weberei. Jenseits der Bahnlinie liegt der private Park der Familie Trümpler, der nun in Begleitung des Familienmitglieds Marco Brunner erstmals für die Öffentlichkeit zugänglich war. Alte Hallen wiederbelebt Brunner hat sich nach dem Niedergang des Textilunternehmens für die Wiederbelebung des Industrieareals starkgemacht. So floriert das Gewerbe in den alten Hallen wieder, von einer Farbenmanufaktur bis zum Verkehrsradarhersteller haben sich zahlreiche Unternehmen eingemietet. Bei der Führung zeigte sich, dass der ursprüngliche Charakter der Gebäude wo immer möglich beibehalten wurde. Die originalen Böden, die alten Holzsäulen, -fenster und -decken geben den Innenräumen einen eigentümlichen Charme. Auch der Park hat das Flair beibehalten, das ihn auszeichnete: Brunner beschreibt ihn als naturnahen Landschaftspark, der sich eher unscheinbar ins Aatal integriert. Doch die künstlichen Weiher, mit Inseln, Wasserfall, Tretboot und zahlreichen Pfaden bilden ein feudales Rückzugsgebiet der Industriellenfamilie. Der Anblick der Sonne, die durch das herbstlich gefärbte Laub strahlte und sich im Wasser spiegelte, liess die rund 25 Teilnehmenden staunen. Brunner erzählte aus seiner Kindheit: «Am Wochenende war ich mit meinen Grosseltern hier, mit dem Trottinett jagte ich um die Insel und fiel dabei nicht selten in den Weiher.» Brunner ist Mitglied der Kulturkommission Uster und hat mit der Stadtverwaltung einen Handel abgeschlossen. Mit Lärmschutzwänden, Pergola, Dusche und dem geplanten Wiederaufbau des Badehäuschens machte er den Park für die Familie «wieder nutzbar». Der Park wird seither wieder rege besucht &endash wie in alten Zeiten, als die Trümpler im Haus auf der anderen Strassenseite wohnten. Dieses war 1815 als erste Spinnerei und Weberei auf dem Gelände errichtet worden. Im Zuge des Arbeiteraufstands brannten die Hallen des aufblühenden Industriebetriebs 1832 nieder. Dieser überlebte jedoch und vergrösserte sich über die Jahrzehnte. In der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts tätigten die Trümplers massive Investitionen, doch die Textilfabrikation in der Schweiz war im Niedergang begriffen. 1993 stand das Unternehmen schliesslich vor dem Aus. Bis 2006 war die Transformation zur heutigen Nutzung als Geschäfts- und Dienstleistungsareal vollzogen. «Mikrokosmos des Gewerbes» Durch den Park führte Marco Brunner vorbei am dazugehörigen Tennisplatz zu einem Kanal, der Wasser vom Aabach abzweigt. Dieser versorgt durch ein altes Tunnelsystem das grösste Elektrizitätskraftwerk im Aathal, das die Energie Uster AG auf dem Trümplerareal betreibt. Diese stellte während der Führung die Anlage vor, die von der Wasserreinigung bis zur Netzeinspeisung vollautomatisch funktioniert. Der Generator versorgt circa 300 bis 400 Haushalte und deckt somit ein knappes Prozent des Energiebedarfs der Stadt Uster ab. Die Besucher der Wanderung hörten interessiert zu, einige von ihnen hatten schon auf dem Areal gearbeitet, andere kennen es vom Vorbeifahren. Besonders gelobt wurde die Kombination des Parkbesuchs mit den Führungen durch die ansässige Industrie. Im historischen Gebäude der Farbenmanufaktur erklärte ein Fachmann die einzigartigen, traditionellen Farbherstellungsmethoden. «Das Trümplerareal ist ein Mikrokosmos des Gewerbes», sagt ein Besucher. In der ehemaligen Kantine, dem Restaurant Trümpler, sitzt er wie früher die Arbeiter am Tisch und verpflegt sich. Der wiederbelebte Landschaftspark auf dem Trümplerareal ist der Industriellenfamilie vorbehalten. Foto: Conny Suter

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