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Ein Star als Lückenbüsser

«Tages-Anzeiger»-Meeting Als Architekt zaubert Shigeru Ban mit Holz und Karton, im Zürcher Schiffbau verzauberte er gestern 300 Gäste mit Worten. Von Ruedi Baumann (Text) und Doris Fanconi (Bilder) Zürich – Am Anfang war die Enttäuschung: Nationalbank-Chef Philipp Hildebrand sagte nach seinem Rücktritt als Referent am 32. «Tages-Anzeiger»-Meeting im Schiffbau ab. Dann kam das Erstaunen. Wer ist Ersatzredner Shigeru Ban, den Tamedia-Verleger Pietro Supino aus dem Hut zauberte? Das fragten sich zumindest die Architekturbanausen unter den 300 Gästen aus Wirtschaft, Politik, Kultur und der Medienwelt. Gestern Morgen dann folgte das grosse Aha-Erlebnis: Shigeru Ban ist ein Star ohne Allüren und mit einem berührenden sozialen Engagement, der für Tamedia den Neubau an der Werdstrasse realisiert. Pietro Supino sprach vom «Glück im Unglück», dass Shigeru Ban, der zwischen Tokio, New York, Paris und Zürich pendelt, seine Agenda umkrempelte und kurzfristig zusagte. Werber Frank Bodin gab zu: «Ich habe ihn nicht gekannt – bin aber begeistert, dass endlich mal ein Kreativer zum Zuge kommt.» Supino deutete an, was viele der Gäste wohl dachten: «Architektur ist vielleicht sogar inspirierender als Geldpolitik.» Tenor und Entertainer Christian Jott Jenny sagte es so: «Das war ein genialer Programmwechsel – von Bankenheinis haben wir in letzter Zeit genug gehört.» * Unternehmerin und Bildungsexpertin Carolina Müller-Möhl war begeistert: «Ich fand es spannend, mit welch sanfter und weicher Stimme er gesprochen hat – doch dahinter steckt ein Hochleistungsträger, der Tag und Nacht arbeitet, um all das zu realisieren.» Psychiatrieprofessor Daniel Hell stellte fest, dass Shigeru Ban «für einen Japaner ein sehr schönes Englisch spricht» und er sich sehr tief in seine Themen hineindenke. Statthalter Hartmuth Attenhofer gefällt die aufgezeigte Tendenz «weg von kalten Stahl-Beton-Konstruktionen hin zu wärmeren Materialien». Publizist und Medienexperte Karl Lüönd stellte die These auf, dass Tamedia als mächtiges Medienhaus mit Shigeru Ban als Architekt des Neubaus aus Holz und Glas ein psychologisches Zeichen aussende: «Wir sind bodenständig, leicht, freundlich und offen.»Fast noch mehr als seine Architektur faszinierte die Gäste, wie Shigeru Ban in Erdbeben- und Katastrophengebieten hilft (Artikel rechts). Weihbischof Marian Eleganti sagte: «Dass ein Stararchitekt eine solche Seite hat, ist bewundernswert.» Am besten kann Architektin Gret Loewensberg Shigeru Bans Engagement beurteilen. Sie hat einmal ein Jahr lang in indischen Slums gearbeitet. Heute sei der Leistungsdruck zu gross, als dass sich Architekten nebenbei noch sozial engagieren könnten. «Dass ein Architekt gut ist und diese Kraft hat, ist sehr selten.» Auch Kabarettistin Margrit Läubli war beeindruckt, «dass er nicht nur für die Mächtigen Paläste baut, sondern sich auch Obdachlosen annimmt».In perfektem Englisch unterhielt sich Stadtpräsidentin Corine Mauch angeregt mit Shigeru Ban. In der Schweiz zu bauen, sei ein Vergnügen, sagte dieser, weil es sehr gute Partner, vor allem auch im Holzbau, gebe. Mauch zeigte sich beeindruckt, wie es Ban gelingt, mit einfachen und billigen Mitteln – Kartonröhren, Tüchern oder alten Schiffscontainern – Flüchtlingen und Vertriebenen Würde und ein Dach über dem Kopf zu verschaffen. CVP-Nationalrätin Barbara Schmid-Federer imponierte die Coolness und Überzeugungskraft des Japaners und wie dieser nach Katastrophen mit Regierungen verhandle, um seine Notbauten und Kartonkirchen aufstellen zu dürfen. * Am Meeting anwesend waren fast alle, die in der Medienszene Rang und Namen haben. Da traf zum Beispiel AZ-Verleger Peter Wanner auf seine Neuakquisition Radio 24 in der Person von Programmleiterin Karin Müller. «Wie wär es mit einem Radiostudio aus Papier?», fragte sie ihren neuen Chef, «ich würde Shigeru Ban alle meine alten Manuskripte zur Verfügung stellen.» Hanspeter Lebrument (Südostschweiz) und Finanzdirektorin Ursula Gut. Architekt Shigeru Ban mit der Zürcher Stadtpräsidentin Corine Mauch. Peter Wanner (AZ) (l.), Karin Müller (Radio 24), Klaus Kappeler (Goldbach). Tamedia-Chef Martin Kall (r.) begrüsst Kunstmäzen Thomas W. Bechtler. Kabarettistin Margrit Läubli (l.) mit Architektin Gret Loewensberg. Dada-Haus-Direktor Philipp Meier in Turnschuhen und weissen Socken. Res Strehle («Tages-Anzeiger») (l.), Carolina Müller-Möhl und Publizist Karl Lüönd. Preisüberwacher Stefan Meierhans und Nationalrätin Barbara Schmid-Federer. So wird der Tamedia-Neubau an der Werdstrasse aussehen: Architekt Shigeru Ban bei seinem Vortrag am «Tages-Anzeiger»-Meeting.

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