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Ein Steinpilz musste für 35 Personen reichen

Der Naturschutzverein von Dübendorf lud zu einer Pilz-Exkursion ein. Dabei lernten die Teilnehmer, wie nah Vergiftung und Genuss beieinanderliegen.

Von Andrea Baumann Dübendorf – Sonntagmittag, 13 Uhr. Auf einer Feuerstelle im Geerenwald köchelt ein Risotto und verbreitet einen Duft wie in einem Tessiner Grotto. Es liegt jedoch nicht nur am grossen Topf Reis, dass sich der Appetit einstellt. Sondern zu einem grossen Teil am Geruch, der aus der Pfanne daneben entströmt: Verschiedene Pilze dünsten da vor sich hin und warten darauf, in den Risotto verrührt zu werden. Am Tisch neben der Feuerstelle sind eifrige Hände damit beschäftigt, weitere Pilze zu säubern und zu zerkleinern. Dies, nachdem ihnen Katharina Kunz grünes Licht gegeben hat. Die Dübendorfer Pilzkontrolleurin beugt sich einen Tisch weiter über eine Auswahl verschiedenster Pilze. Konzentriert sondert sie aus: «Der ist nichts», meint sie etwa zu einem feingliedrigen Pilz, dessen Hut bei sachtem Ziehen sogleich zerreisst, «denn die sogenannten Risspilze sind alle giftig.» Andere Exemplare, so etwa die tiefschwarzen Totentrompeten, gibt sie nach einem kurzen Augenschein gleich der Rüstgruppe weiter. Wieder andere können nur eingeschränkt genossen werden: «Diesen muss man abkochen», sagt die Kontrolleurin etwa zu einem Gebilde, das mehr an eine Koralle denn an einen Pilz erinnert. Bei einem weisslich-gallertartigen Pilz hingegen gilt genau das Gegenteil: Er ist nur roh, in einem Salat beispielsweise, geniessbar. Pilzvergiftungen nehmen zu In den 36 Jahren, in denen Kunz das Amt der Pilzkontrolleurin ausübt, hat sie ihr Wissen um die Nuancen, die geniessbare von giftigen Pilzen unterscheiden, perfektioniert. Dabei mag die ehemalige Gärtnerin selber gar keine Pilze essen. Sie verträgt sie nicht. Das Draussensein, der Kontakt zur Natur und der Umgang mit den Menschen in der Kontrolle faszinierten sie jedoch an ihrer Tätigkeit. Während ihrer Kontrollen unterrichte sie die Leute gerne, indem sie ihnen etwa bei gefährlichen Doppelgängerpilzen die entscheidenden Merkmale an Ansichtsexemplaren darlege. «Am meisten lernen die Pilzsammler, wenn sie sich in der Kontrollstelle untereinander über den Inhalt ihrer Körbe unterhalten. Solche Erfahrungsaustausche bringen oft mehr als die Bestimmungskurse, die die Teilnehmer mitunter mehr verwirren als aufklären», erklärt Kunz. Den Gang zur Pilzkontrolle rät sie allen Sammlern. Tatsächlich haben Pilzvergiftungen laut dem Toxikologischen Institut dieses Jahr wieder zugenommen. Das liegt nicht zuletzt an den idealen Bedingungen. Phasen von warmem und feuchtem Wetter brachten die Pilze zum Spriessen. «Gestern, als die Schonzeit vorbei war, die während der ersten zehn Tage des Monats gilt, habe ich das stark zu spüren bekommen», erzählt Kunz weiter. Die Sammler seien scharenweise in den Wald gegangen, sodass sie bereits befürchtet habe, an der Exkursion nichts mehr zu zeigen zu haben. Dies aber ist nicht der Fall. Mit Edelreizkern, Totentrompeten, Bovisten, Ziegenlippen oder Maronenröhrlingen finden die Exkursionsteilnehmer einige Exemplare mit prominentem Namen. Und plötzlich taucht unter dem Haufen bekannter und weniger bekannter Pilze ein Steinpilz auf. Klein und unauffällig, aber gross in der Wirkung. Ein Ah und Oh geht durch die Runde – wenngleich jedem der Sammler nur gerade der fünfunddreissigste Teil dieses wohl beliebtesten Speisepilzes in seiner Risottoportion zuteil kommt.

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