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Ein Stück Eisenbahngeschichte droht zu verstauben

Der Dampfbahn-Verein will am Bahnhof Bäretswil ein historisches Stellwerk aufbauen. Das Material dazu würde bereitliegen, aber es fehlt noch an Geld.

Von David Kilchör Bäretswil/Bauma – Eine Art Fernbedienung für Weichen und Signale, aber ganz ohne Elektronik – so könnte man vereinfacht umschreiben, was der Dampfbahn-Verein Zürcher Oberland (DVZO) beim Bäretswiler Bahnhof erstellen will. Es handelt sich um ein historisches Hebelstellwerk, das in einem zwei auf vier Meter grossen Stellwerkhäuschen auf dem Bahnhofplatz zu stehen kommen soll. Um das Vorhaben zu vollenden, fehlt allerdings noch Geld. Drahtzieher hinter dem Projekt ist der 24-jährige Fabian Sollberger aus Brugg, der bereits als Kind eisenbahnbegeistert war. Mittlerweile als Lokführer tätig, gehört Sollberger seit dem 15. Lebensjahr dem Dampfbahn-Verein an. Technikbegeistert, wie er war, spezialisierte er sich auf Stellwerke und begann, diese sogar zu sammeln. Für den Bahnhof Bäretswil hat er ein vollkommen mechanisches Stellwerk funktionstüchtig gemacht. Es stammt aus Uttwil im Kanton Thurgau und war dort bis Anfang der Neunzigerjahre in Betrieb. «Glücklicherweise hatte Uttwil eine ähnliche Gleisanlage wie Bäretswil», sagt Sollberger. Er zerlegte das rund drei Meter lange Stellwerk bis auf die letzte Schraube und setzte es neu zusammen. Das nötige Fachwissen hat er sich selbst erarbeitet. In die Arbeiten investierte er mehrere Hundert Stunden, verteilt auf zwei Jahre. 2010 war er fertig, danach stand das Stellwerk rund ein Jahr lang in Bauma, wo er es montiert hatte. Letzten Herbst schliesslich transportierte eine DVZO-Crew das rund eineinhalb Tonnen schwere Gerät in den Bäretswiler Bahnhofschuppen. Aufwendige Bauarbeiten nötig Dieses Jahr wird das Stellwerk mit Baujahr 1912 seinen 100. Geburtstag feiern. Allerdings scheint eine Wiederinbetriebnahme noch in weiter Ferne zu liegen. «Wir müssen zunächst das Häuschen bauen», sagt Sollberger. Das ist allerdings einfacher gesagt als getan: Das kleine Dienstgebäude, ein historischer Weichenwärterposten vom Bahnhof Rorschach, liegt zwar in seine Elemente zerteilt bereit, es muss aber teilweise renoviert werden. Die Rückwand und das Dach etwa sind laut Sollberger ziemlich verrostet. Zudem muss die Stellwerkkabine für die Drahtzüge und die Umlenkrollen unterkellert werden, danach muss ein Betonfundament erstellt werden. Steht das Kabäuschen einmal, fällt der Einbau des Stellwerks an. Und schliesslich steht die ganze Verdrahtung auf dem Programm: Jeder Hebel wird per Drahtzug mit einer Weiche oder einem Signal verbunden. «Es gibt also noch diverse Baustellen, bevor das Projekt beendet ist», sagt Sollberger. Sollberger weiss, dass das Stellwerk für den Dampfbahn-Verein nicht erste Priorität hat. Er könne das durchaus nachvollziehen. Dennoch ist er überzeugt, dass seine Realisierung zur Vision des Vereins beitragen würde, eine Art «Eisenbahn-Ballenberg» einzurichten.Vereinssprecher Dieter Enz sagt, das Stellwerk habe derzeit nur dritte Priorität. Es stünden zu viele andere Projekte an. Vor dem Stellwerk rangieren beispielsweise die Bahnhofhalle Bauma oder die Baumer Drehscheibe. Allerdings könne Sollberger auf eigene Faust Sponsoren suchen. Denkbar sei auch, dass Firmen ihre Leistungen gratis anböten. Ansonsten wären 30 000 bis 40 000 Franken nötig. Einzigartig in der Schweiz «Sobald wir dieses Geld haben, können wir sofort loslegen», sagt Projektleiter Sollberger. Dies, weil die Baubewilligung bereits vorliegt, beglaubigt vom Bundesamt für Verkehr. Dort sei man von der Idee sogar begeistert gewesen, sagt Sollberger. Kein Wunder: In absehbarer Zeit wird sein Stellwerk das einzige mechanische sein, das landesweit noch in Betrieb ist. Vorderhand müssen die DVZO-Bähnler aber die Weichen und Signale weiter von Hand umstellen. Fabian Sollberger hat das rund drei Meter lange Hebelstellwerk für den Bäretswiler Bahnhof eigenhändig zerlegt und wieder zusammengeschraubt. Foto: David Kündig

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