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Ein Trödelmarkt zum Nulltarif

Am Bring-und-hol-Tag haben sich unerwartet viele Stäfner durch die Gebrauchtwaren gewühlt. Sie packten sogar Dinge ein, die gar nicht zum Mitnehmen gedacht waren.

Von Regine Imholz Stäfa – Die Autos stauen sich bis weit in die Laubisrütistrasse zurück, vollgestopft mit Golfschlägern, Gartengeräten und ausgedientem Spielzeug. Die Gemeinde Stäfa hat am Samstag zum Bring-und-hol-Tag aufgerufen, und Hunderte nutzten die Gelegenheit, sich von ihrem alten Krempel zu verabschieden. Unterstützt von seinen Kollegen hilft der Gemeindeangestellte Michel Willi, das Verkehrschaos in den Griff zu bekommen: Wer auf den Werkhof Töbeli fährt, hat nur wenige Minuten Zeit, seine Ware zu entladen, dann wird er speditiv auf der anderen Seite wieder hinausgeschleust. «Wo muss ich das abgeben?», fragt ein Mann mit einer blechernen Giesskanne etwas hilflos. «Geben Sie her», sagt Gemeinderätin Ursula Traber, die – ausgerüstet mit einer Strassenunterhaltsjacke – mitten im Trubel agiert. Kurzerhand packt sie die Kanne und bringt sie zusammen mit zwei Sonnenschirmen zum richtigen Stand. «Wir sind etwas überrascht über den Ansturm», sagt sie und lacht. «Das hängt sicher mit dem tollen Wetter zusammen.» Ein älterer Stäfner schleppt Sense, Laubrechen und Mistgabel an. «Das macht jetzt alles der Gärtner», erklärt er und übergibt die Geräte mit leichter Wehmut im Blick einem der zahlreichen Helfer. «He», ruft ein junger Mann aufgeregt und sprintet einer Dame hinterher, die sich mit einem Velo davonmachen will. Nur, dass es sich dabei nicht um Trödel, sondern um sein neues Bike handelt. «Ich hab mir noch gedacht, dass es gut erhalten ist», sagt die Dame lächelnd und spaziert ungerührt davon. «Nicht zu fassen», sagt der Helfer kopfschüttelnd und bringt eilends seinen fahrbaren Untersatz in Sicherheit. Zwei Gemeindepolizisten sind zufällig auf ihrer Tour vorbeigekommen und stöbern jetzt ein bisschen in den Waren. «Es hat ein paar coole Sachen darunter», meint der eine und bedauert, dass im Polizeiauto kein Platz mehr ist: «Das ist bereits voll mit dienstlicher Ausrüstung.» Ein Leiterwagen voll Spielzeug Der vierjährige Jan hat sein Leiterwägeli mit alten Spielsachen gefüllt. «Mami wollte, dass ich das Zimmer aufräume», erklärt er. «Ich befürchte nur», sagt seine Mutter, «dass das Wägeli beim Gehen wieder voll sein wird.» Ein Ueriker hat ein Auge auf kupferne Gugelhopfformen geworfen. «Mit etwas gutem Willen finde ich für die einen Platz an der Küchenwand», sagt er augenzwinkernd. Der stellvertretende Gemeindeschreiber Dieter Suter hat alle Hände voll zu tun: Er weist den Autofahrern den Weg, hilft, Waren zu den Tischen tragen – und freut sich über den Erfolg des Anlasses. «Etwas Ähnliches haben wir das letzte Mal vor 20 Jahren durchgeführt», erinnert er sich. Damals, kurz vor Einführung der Sackgebühr, hätten die Leute den Tag vor allem dazu benutzt, alten Plunder loszuwerden. Doch jetzt wird nicht nur gebracht, sondern auch mitgenommen. So hat Jan sein Leiterwägelchen bereits wieder gut gefüllt – zum Entsetzen seines Vaters. «Wo sollen wir das denn alles unterbringen?!», sagt er Haare raufend zu seiner Frau. Doch diese ist beschäftigt: Sie lädt versehentlich einen der Verkehrskegel auf den Wagen. «Schade», meint sie, als ihr der Irrtum bewusst wird, «den hätten wir zur Verkehrsberuhigung vor unserem Haus gebrauchen können.» Jan ist nicht der einzige junge Besucher, der sich über das riesige Angebot freut: Begeistert wühlen Kinder und Jugendliche in Spielzeug, Snowboards, alten Platten und Indianertrommeln. Dem Besitzer eines Modellflugzeugs scheint mitten in den Konstruktionsarbeiten die Geduld abhandengekommen zu sein. Ohne Flügel und noch gänzlich unbemalt fristet es in einer Kiste ein trauriges Dasein.»Die Vorsteherin der Abteilung Gesundheit und Mitinitiantin, Ursula Traber, steht mitten im Trödelmarkt und betrachtet das fröhliche Treiben. Viele Besucher haben Bekannte getroffen und halten einen ausgiebigen Schwatz. Nach drei Stunden ist der Tauschhandel noch in vollem Gange. «Es ist schön zu sehen», sagt sie, «wie ein solcher Anlass zu einem lebendigen Dorfleben beitragen kann.»

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