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Ein Ueriker Rentner kämpft weiter gegen den Lärm

Erich Böss wollte die Laubbläser auf Stäfner Gemeindegebiet verbieten. Seine Initiative ist für ungültig erklärt worden. Jetzt hofft er auf die Unterstützung der Grünen.

Von Linus Schöpfer Uerikon – Überaus idyllisch lebt Erich Böss im Ueriker Gsteig. Das weisse Einfamilienhaus des Pensionierten ist umwachsen von Fruchtbäumen, exotischen Sträuchern, Beeten mit saftigen Salaten und einem adrett gestutzten Rasen. In der Ferne bimmeln Kuhglocken, am Himmel kreist schwerfällig ein Reiher. Dieses Haus sei die Erfüllung eines Traums gewesen, sagt Böss, der das Schmuckstück 1977 für seine dreiköpfige Familie hat erbauen lassen. Es sei als Rückzugsort gedacht gewesen. Doch jetzt treibt den 72-Jährigen ein krawalliges neumodisches Gerät um: der Laubbläser. «Das Ding ist komplett sinnlos», ereifert sich Böss, «die Zeitersparnis ist minim, der Lärm hingegen gewaltig.» Und ausgerechnet dann, wenn man sich im Garten ausruhen möchte, käme jeweils der Laubbläser zum Einsatz. Vorbild Kalifornien Im Herbst 2009 fielen Böss die lauten Bläser besonders auf. Am Bahnhof Uerikon habe man sie sich fast ständig anhören müssen, sagt er. Diesen Sommer entschied sich der frühere Verwaltungsangestellte, eine Initiative einzureichen, die ein Einsatzverbot aller Laubbläser auf dem Stäfner Gemeindegebiet forderte. «Es darf nicht sein, dass die Bürger solche Zumutungen einfach hinnehmen», meint Böss. Vorbilder für seine Initiative hat er durchaus gehabt: Im US-Bundesstaat Kalifornien kennen die Gemeinden Beverly Hills und Carmel seit den Siebzigerjahren ein Verbot von Laubbläsern.In Stäfa hingegen hat der Gemeinderat Erich Böss’ Initiative diesen Monat für ungültig erklärt. Der Vorschlag sei willkürlich und verstosse gegen kantonales sowie nationales Gesetz, argumentierte die Lokalbehörde. Böss akzeptiert den Entscheid der Gemeinde zwar. Er hofft nun aber auf politische Unterstützung, um sein Anliegen doch noch, diesmal auf kantonaler oder gar nationaler Ebene, realisieren zu können. «Insbesondere von den grünen Parteien erhoffe ich mir gewisse Anstrengungen», erklärt derUeriker. Totalverbot wohl gescheitert «Böss’ radikale Forderung hat keine Chance», meint hingegen Röbi Brunner, Experte für Lärmemissionen der Grünen Partei der Stadt Zürich. Im kantonalen Parlament habe es 2007 einen erfolglosen Vorstoss gegeben, der ein Laubbläserverbot für ganz Zürich gefordert habe. «Seitdem ist die Sache gestorben», sagt Brunner. Er hat durchaus Verständnis für Böss. Auch er störe sich am lärmigen Einsatz der Laubbläser. Ein Totalverbot sei jedoch übertrieben. Brunner schlägt eine überraschende Alternativlösung vor. Um Sozialhilfebezüger ins Arbeitsleben integrieren zu können, brauche es ein Angebot an simplen Jobs, erklärt er. «So könnte man nun Arbeitslose mit Rechen ausrüsten und einsetzen, und dafür den Laubbläser der Gemeinde im Schrank lassen.» Es sei sehr gut denkbar, dass seine Partei einen solchen Ansatz unterstützen würde, sagt Röbi Brunner. Vision Lärmhalbierung Das sei eine gute Idee, erklärt Böss erfreut. Manchmal brauche es halt mehrere Vorstösse, um an ein Ziel zu gelangen. Würden die Laubbläser tatsächlich zurückgebunden, so wäre das für den engagierten Rentner allerdings bloss ein Teilsieg: «Meine Vision ist es, dass bis 2015 die Lärmemissionen aller lauten Gartengeräte halbiert werden», sagt er. Noch ist es ein weiter Weg zurück in die Idylle für Erich Böss. Eine gestörte Idylle: Erich Böss in seinem Garten. Foto: Daniel Kellenberger

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