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Ein Wädenswiler Fotograf prägt die Architekturbiennale in Venedig

Martin Linsi ging mit dem Bauingenieur Jürg Conzett auf Streifzüge durch die Schweiz. Er brachte beeindruckende Fotografien von Stegen und Brücken, Stützmauern und Tunnels zurück.

Die Architekturbiennale in Venedig dauert bis 21. November. Öffnungszeiten Dienstag bis Sonntag, 10 bis 18 Uhr. www.labiennale.org. Es ist geplant, später die Ausstellung in der Schweiz zu zeigen. Die Publikation zum Schweizer Beitrag: «Landschaft und Kunstbauten – ein persönliches Inventar von Jürg Conzett, fotografiert von Martin Linsi», Verlag Scheidegger & Spiess, Zürich. Martin Linsis Ansichtskarten sind in der Buchhandlung Ramensperger sowie im Claro-Weltladen in Wädenswil zu haben. Erhältlich sind sie auch im Fotoatelier Martin Linsi, Amaliengasse, Einsiedeln. (dh) Von Daniela Haag Wädenswil – Martin Linsi ist aus Venedig zurück. Die Tage und Wochen zuvor hat der Fotograf intensiv auf die Eröffnung der Architekturausstellung in der Lagunenstadt hin gearbeitet. Jetzt sitzt er in seinem Atelier in Einsiedeln an einem grossen Holztisch und trinkt Tee. Vor ihm liegt der Ausstellungsband «Landschaft und Kunstbauten» mit seinen Fotografien. Auf dem Buchdeckel ist die filigrane Pùnt da Suransuns in der Viamalaschlucht abgebildet. Martin Linsi hebt den Buchdeckel: «Womit soll ich beginnen?», fragt er. Beginnen wir von vorn: Das Bundesamt für Kultur hat dem Bündner Jürg Conzett den Auftrag erteilt, den offiziellen Beitrag der Schweiz für die 12. Architekturbiennale in Venedig zu gestalten. Der Bauingenieur wollte Bauwerke vorstellen, die ihm persönlich wichtig sind; also ein subjektives Inventar mit Brücken, Stegen, Strassen, Stützmauern erstellen. Ihn interessierten aber nicht nur die einzelnen Objekte, sondern auch ihr Bezug zur Landschaft. Und er wollte Bilder in Schwarzweiss. 150 Linsi-Bilder zu sehen Hier kommt Martin Linsi ins Spiel. Martin Linsi ist kein spezifischer Architektur-Fotograf. Der Wädenswiler bezeichnet sich als Allrounder und macht gern Schwarzweissfotos. Vor Jahren hatte er Bilder vom Sihlsee veröffentlicht. Jürg Conzett sah sie und war beeindruckt. So kam es, dass die beiden 54-jährigen Männer zwischen Februar und Juni dieses Jahres in der Schweiz umherreisten, Pässe hochfuhren, durch Wälder kraxelten und die besten Standorte suchten, um die Bauwerke zu fotografieren. Vor allem Brücken und Stege. An 45 Tagen machte Martin Linsi die 150 Fotos, die jetzt im Schweizer Pavillon in Venedig ausgestellt sind. «Jürg Conzetts Wunsch war, die Bauwerke so zu zeigen, dass man sie als Ganzes versteht», sagt Martin Linsi. Man sollte sehen, wo eine Brücke beginnt und wo sie aufhört, wie sie auf Pfeilern steht oder an Seilen aufgehängt ist. Martin Linsi war zudem die Komposition der Fotografien wichtig. «Sie sind nicht nur für Fachleute gedacht», sagt er. «Sie sollen informieren, aber auch als Bilder wirken.» Die Fotografien erfüllen diese Ansprüche auf unaufgeregte, inspirierte Weise. Der Betrachter taucht ein in eine Landschaft, in die der Mensch beeindruckende Spuren gesetzt hat. Hier die Kraft und Zeitlosigkeit der Berge, Wälder und Flüsse – da die Baukunst in ihrer grossen Vielfalt. Martin Linsi hat diese Spannung in seine Fotografien transportiert. Gelungen ist ihm dies, weil es ihm stets um das Objekt und die Information ging und nicht darum, einen möglichst originellen Winkel zu finden. Nichts soll von der Landschaft und dem Bauwerk ablenken, deshalb sind kaum Menschen, Autos und Züge abgebildet. Die Schwarzweissfotografie verstärkt die Konzentration aufs Wesentliche und verleiht den Bildern eine Zeitlosigkeit. Dem Fotografen war noch ein anderer Aspekt wichtig: «Ich wollte Bilder machen, auf denen alles scharf ist.» So ist beispielsweise auf einem hochformatigen Bild vom Zweiten Traversiner Steg im Vordergrund jede Unreinheit im Holz der Brücke zu erkennen. Und weit, weit in der Ferne zeichnen sich ganz klein, aber absolut klar umrissen die Bäume auf einem Grat ab. Freunde finden sich wieder Martin Linsi schliesst den Begleitband, schenkt Tee nach und erzählt eine persönliche Anekdote: Er und der Bauingenieur Jürg Conzett kennen sich seit ihrer gemeinsamen Zeit an der Kantonsschule Enge. Damals reisten sie für ein gemeinsames Projekt in den Schwarzwald. Sie fotografierten dort eine legendäre Dampflokomotive vor ihrer Ausmusterung und experimentierten später zusammen im Fotolabor. Nach der Schule verloren sich die beiden aber aus den Augen. Ein Zufall brachte sie nach Jahrzehnten wieder zusammen. Martin Linsi verkaufte am Frühlingsmarkt in Wädenswil Ansichtskarten, unter anderem von eben dieser Dampflok. Dort entdeckte sie eine Wädenswilerin, die sowohl Linsi wie Conzett kennt. Linsi und die Frau schickten Conzett diese Ansichtskarte. Der Kontakt war wieder hergestellt. Martin Linsi bietet auch von seiner Fotoserie mit Bauwerken Ansichtskarten an. Acht Sujets in Schwarzweiss hat Jürg Conzett aus dem Fundus ausgewählt. Drucken lassen hat sie Martin Linsi im Arbeitszentrum am See in Wädenswil. Die Pùnt da Suransuns in der Viamalaschlucht. Foto: Martin Linsi Martin Linsi fotografierte mit einer Fachkamera Brücken und Stege für die Architekturbiennale in Venedig. Foto: Patrick Gutenberg

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