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Eine Punktlandung für Hinwiler Velobrücke

Zahlreiche Hinwiler schauten den Handwerkern mitten in der Nacht auf die Finger, als diese die Holzbrücke zum Industriegebiet einpassten.

Von Walter Sturzenegger Hinwil – Eigentlich ist er sich seiner Sache sicher. Und doch lässt er ein klein wenig Nervosität durchblicken. «Ich hoffe, das Messband stimmte», sagt Gemeindeingenieur Jürg Dubach. Er zeichnet für die Berechnung der neusten Hinwiler Brücke verantwortlich. Es ist kurz vor Mitternacht. Noch liegt die von der Zimmerei Schädler gebaute Holzkonstruktion auf einem Tieflader unten auf der für vier Stunden gesperrten Winterthurerstrasse. Firmenchef Marc Schädler persönlich hängt das Tragjoch an den mächtigen Haken eines 100-Tonnen-Pneukrans.Gegen 250 Zaungäste haben sich trotz fortgeschrittener Zeit eingefunden und schauen den Arbeitern genau auf die Finger. Die Hinwiler warten schon lange auf eine direkte Verbindung vom Unterdorf ins Industriegebiet. Montage zu Wurst und Brot Im Dezember 2009 bewilligte die Gemeindeversammlung 1,3 Millionen Franken für einen Fuss- und Radweg, der mühsame Umwege über und entlang von stark befahrenen Strassen erspart. Jetzt fehlen nur noch wenige Meter – und die parallel zur Bahnüberführung gelegte Querung der Winterthurerstrasse. Ende Juni sollen die ersten diesen Weg befahren. Die 25 Meter lange und 23 Tonnen schwere Brücke ist für Marc Schädler wie für Bauunternehmer Sandro Tezzele «eine einmalige Sache». Sie ist offensichtlich auch dem Gemeinderat wichtig. Die Behörde hat die Bevölkerung eingeladen, der Montage beizuwohnen, offeriert dazu Wurst, Brot und Getränke und ist mit einer stattlichen Delegation vertreten: Präsident Germano Tezzele (SVP), Ernst Elmer (FDP), Hans Benedetti (SVP) und Peter Sieber (CVP) verfolgen das mitternächtliche Spektakel. Ein Stahlbolzen klemmt Die letzte S 14 fährt an den Zuschauern vorbei Richtung Zürich. Die Motoren des Pneukrans heulen auf, die Tragketten spannen sich, langsam hebt die Brücke ab. Die Schaulustigen legen den Kopf in den Nacken. Hoch über ihnen schwebt der Koloss, dreht sich langsam um einen Beleuchtungskandelaber herum und an der Fahrleitung vorbei. Konzentriert bringt der Kranführer die imposante Last in die richtige Position. Aufmerksam dirigieren ihn die auf den beiden Widerlagern postierten Kollegen über Funk. Wenige Zentimeter noch. Schwebezustand. Ob das Ungetüm passt?«Jetzt passiert nicht mehr viel», sagt ein Beobachter überzeugt und schaut dabei auf die Uhr: 1.20 Uhr. Die ersten Schaulustigen verabschieden sich. Am Brückenkopf auf der Dorfseite greift Sandro Tezzele zu Vorschlaghammer und Eisenfuss. Wie ein Ikea-Möbel Ein Zimmermann setzt die Säge an. Ein kleines Stück der Holzverkleidung muss weg. «Jetzt machen sie sie schon kaputt» – «die geben wir zurück» – «so gings mir mit meinem Ikea-Möbel», spotten die Zuschauer. Einer von vier Stahlbolzen sei nicht millimetergenau im Lot, erklärt Ingenieur Jürg Dubach den Zwischenfall, während Tezzele erneut den Hammer schwingt. Kurz nach 2 Uhr atmet Dubach erleichtert auf. «Sie sitzt genau dort, wo sie muss», freut er sich. Gemeindepräsident Germano Tezzele wagt sich mit seinen Ratskollegen auf die Brücke. Holzbauunternehmer Marc Schädler nimmt eine Flasche entgegen, stellt sie auf die Brüstung – und eilt davon. Am anderen Brückenkopf hat er noch eine Kleinigkeit zu erledigen. Dann kehrt er zurück, wischt sich den Schweiss von der Stirn, packt die Flasche und lässt den Champagnerkorken knallen. Der Kranführer bringt die Brücke in Position. Wenige Zentimeter noch. Schwebezustand. Ob das hölzerne Ungetüm passt? Die 23-Tonnen-Brücke lockte 250 Schaulustige an. Foto: Imre Mesterhazy

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