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«Einige dieser Menschen haben Enormes geleistet»

Öffentliches LeidenKonsequente Freakshows,TA vom 9. Februar Notwendige Konfrontation. Ein Star oder jemand mit dem Status eines C-Prominenten ist erklärtermassen jemand, der zwischen dem öffentlichen Bedürfnis nach Information und dem Recht auf Privatsphäre einen steten Ritt auf der Rasierklinge vollbringt. Dies bleibt auch bei deren Leid bestehen, es gibt keinen Unterschied zwischen krank und gesund. Jede einzelne Person entscheidet, welchen Weg sie gehen möchte, auflösen lässt sich diese Spannung nicht. Der Autorin gebe ich so weit recht, dass es immer wieder zu bizarren Verzerrungen kommt. Es macht mich aber traurig und wütend zugleich, wenn jemand diese Personengruppe pauschal in die Freakecke stellt und nicht in der Lage ist, notwendige Differenzierungen zu machen. Einige dieser Menschen haben während ihrer Erkrankung Enormes geleistet. Ein aufmerksames Publikum unterscheidet zwischen konstruierten und echten Gefühlen. Gerade in der Welt des glamourösen Kinos, die Preisverleihung war geprägt von schönen und erfolgreichen Menschen, braucht es grosse Überwindung, seine Verletztheit zu zeigen. Es ist Zeit, der Welt die Verletzlichkeit von Menschen näherzubringen. Es ist Zeit, uns mit Bildern und Gefühlen zu konfrontieren, die wir nicht gern wahrhaben wollen. Ivan Sciarrone, Uster Auch Kranke sollen Helden sein. Die Journalistin fragt, ob Leiden jetzt eine Popstar-Disziplin ist? Und ob betroffene «Fans» etwas von diesem öffentlichen Vorführen haben? Vielleicht, aber möglicherweise auch etwas mehr Stress, weil sie selber die neue Königsdisziplin nicht so gut beherrschen und wirklich leiden, denn es werden uns ja nur Helden vorgeführt, die Krankheiten vorbildlich bewältigen oder wenigstens tapfer sterben. Wir leben in einer Leistungsgesellschaft, und wer krank wird, ist selber schuld. Wer nicht wieder gesund wird oder stirbt, sowieso. Doch wenn schon krank werden, dann wenigstens möglichst gut und medial genutzt. Warum soll denn bei Kranken etwas anderes gelten, als bei Gesunden? Ob gesund oder krank, ob Promi oder Normalo: Zurückhaltung wäre was Schönes. Charlotte Hurni, Zürich «In der Welt des glamourösen Kinos braucht es grosseÜberwindung,seine Verletztheit zu zeigen.» Die deutsche Moderatorin Monica Lierhaus stand zwei Jahren nach einer Hirnblutung bei der Verleihung der Goldenen Kamera wieder vor der Kamera.Foto: Getty Images

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