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Eklat im Strafprozess gegen den Winterthurer Ex-Milliardär Rolf Erb

Der Angeklagte im Prozess rund um die Erb-Pleite will die Pflichtverteidiger durch eigene Anwälte ersetzen und verlangt die Vertagung des Prozesses in Winterthur.

Von Andreas Flütsch Am nächsten Montag soll vor Bezirksgericht Winterthur die Aufarbeitung der Milliardenpleite der Erb-Gruppe beginnen. Doch ob der Strafprozess gegen den Angeklagten Rolf Erb, dem Betrug, Urkundenfälschung und Gläubigerschädigung vorgeworfen wird, startet, ist nicht mehr so klar. Gestern hat Erb bekannt gegeben, dass er seine Verteidiger auswechseln wolle. Er werde neu durch die Zürcher Anwälte Vera Delnon und Bernhard Rüdy vertreten. Die beiden vom Gericht bestimmten amtlichen Verteidiger hätten auf seinen Vorschlag hin das Gericht um Entlassung aus ihrem Mandat ersucht. Die Staatsanwaltschaft habe die Untersuchung «völlig einseitig und teilweise mit unakzeptablen Mitteln geführt», begründete Erb diesen Schritt. Zudem hätten das Bezirksgericht und das Obergericht sein Gesuch um einen «Expertenbeistand» abgelehnt. Seine Pflichtverteidiger hätten ihm und dem Gericht gegenüber immer wieder betont, sie könnten ihn «unter diesen Umständen nicht angemessen verteidigen», so Erb. Denn das Gericht habe seine Pflichtverteidiger nicht gehört, ihre Anträge seien wirkungslos geblieben. Gericht will am Montag starten Wird der Strafprozess, der bis zu zwei Wochen dauern kann, nun verschoben? «Bisher sind alle Verschiebungsgesuche im Fall Erb abgewiesen worden», sagte dazu Andreas Oehler, Vizepräsident am Bezirksgericht Winterthur, dem TA gestern Abend auf Anfrage: «Das Gericht geht davon aus, dass die Verhandlung am nächsten Montag startet.» Die neuen Anwälte sehen das anders. «Wir müssen die 400 Aktenordner lesen können, für deren Durcharbeitung das Gericht ein Jahr lang Zeit hatte», sagt Anwältin Delnon dem TA: «Wir müssen Gelegenheit haben, uns in die Anklage einzuarbeiten.» Darum hätten sie beantragt, «die Verhandlung abzunehmen». Was konkret bedeutet, dass die Verhandlung auf unbestimmte Zeit ausgesetzt werden soll. «Wenn das Gericht darauf nicht eingeht, werden wir Rechtsmittel ergreifen», so Delnon. Man werde sich auch zur Wehr setzen, wenn die bisherigen Pflichtverteidiger nicht von ihrem Mandat entbunden würden. Schliesslich habe der Angeklagte ein Anrecht auf Verteidiger seiner Wahl. In der Regel erlösche dann die Pflichtverteidigung. Wenn das Gericht sich dagegen ausspreche, werde man gegebenenfalls Rechtsmittel einsetzen. Bezahlt wird das neue Anwaltsduo laut Erb von der Familie seiner Lebenspartnerin: «Familienangehörige meiner Lebenspartnerin haben sich bereit erklärt, den unbedingt notwendigen Experten und die erbetene Verteidigung zu finanzieren.» Die Verteidigung werde ihr Vorgehen «mit einem Buchhaltungs- und Rechnungslegungsexperten koordinieren». Er hoffe, so doch noch «zu einem fairen Verfahren» zu kommen. Streit um Gegengutachten Spannungen um die Bestellung eines Gutachters gab es schon länger. Letzte Woche wollte das Gericht entsprechende Fragen des TA indes nicht beantworten. Es geht um ein 53 Ordner umfassendes Gutachten, auf das sich die Anklage entscheidend abstützt. Anträge der Verteidigung, dazu müsse ein Gegengutachten erstellt werden, wurden abgewiesen. Dagegen laufen offenbar immer noch Rechtsmittel. Die Fronten sind verhärtet. Ob die Verhandlung am Montag wie geplant startet, ob sie danach allenfalls vertagt werden muss, das ist inzwischen ziemlich offen.

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