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Elternkurse als letztes Zwangsmittel

Im Bezirk Horgen begrüsst die Behörde die neue Möglichkeit, unkooperative Eltern zu Bildungskursen zu verdonnern.

Von Elio Stamm Seit dem Jahreswechsel haben die Schulpflegen im Bezirk Horgen eine neue Möglichkeit, Eltern zu sanktionieren. Laut modifiziertem Volksschulgesetz können die Behörden Eltern, die ihren Erziehungspflichten partout nicht nachkommen wollen, zum Besuch eines Elternbildungskurses zwingen. Bezahlen müssen die Erziehungsberechtigten den Kurs selber, was rasch Hunderte von Franken kostet (siehe Box). Wer sich dieser Anordnung widersetzt, wird mit einer Busse von bis zu 5000 Franken bestraft. Das ist erneut eine klare Verschärfung der Bestrafungspraxis gegenüber den Eltern. Bereits seit 2008 und der Einführung des neuen Volksschulgesetztes ist es den Schulpflegen möglich, Erziehungsberechtigte mit Bussen bestrafen zu lassen, die einen Elternabend verpassen oder mit ihren Kindern ausserhalb der Ferien wegfahren. Diese Bussen bewegen sich bisher meist in der Höhe von 300 bis 1200 Franken, wie Armin Steinmann (SVP) sagt. Der Statthalter des Bezirks Horgen ist für das Aussprechen zuständig. Die Schulpflegen zeigen die renitenten Eltern lediglich an. Höchstens fünf Fälle pro Jahr Laut Steinmann kam es beim bisherigen Regime nur sehr selten so weit, dass Bussen ausgesprochen wurden. «Das passiert im gesamten Bezirk maximal fünfmal pro Jahr.» Ein Bild, das die Schulpflegen bestätigen. Selbst in den grösseren Gemeinden gibt es nicht jedes Jahr einen Fall zu vermelden. Dennoch begrüssen die meisten angefragten Schulpräsidenten das neue Regime. «Sanktionsmöglichkeiten sind wichtig, um überhaupt Autorität zu haben», sagt der Richterswiler Schulpräsident Markus Oertle (SP). «Sie haben eine präventive Wirkung.» In Richterswil habe man 2011 zum Beispiel eine Veranstaltung zu Neuen Medien für gewisse Eltern zur Pflicht erklärt. Wenn sich die Eltern weigerten, bestand so die Möglichkeit, die Konsequenzen aufzuzeigen, sagt Oertle.Der für die Primarschule zuständige Wädenswiler Stadtrat Johannes Zollinger (EVP) findet: «Ohne Bestrafungsinstrumente sind wir hilflos, sie sind aber das allerletzte Mittel.» Schule funktioniere nur, wenn Behörden, Lehrpersonen und Eltern zusammenarbeiteten, sagt Zollinger. Man suche immer zuerst das Gespräch. Zumal eine Busse oder ein Kurszwang die Beziehung zu den Eltern massiv belasten und die zukünftige Zusammenarbeit damit erschweren könne. Kooperation gefragt Die Adliswiler Schulpräsidentin Rita Rapold (CVP) will die neue Möglichkeit in Härtefällen zwar in Betracht ziehen. Sie hinterfragt aber die Wirkung eines zwangsverordneten Kurses: «Leuten etwas beizubringen, die gar nicht dazu bereit sind, ist schwierig.» Eine einvernehmliche Lösung mit den Eltern sei deshalb klar vorzuziehen. Auch in Horgen setzt man auf Kooperation und kommt den Eltern entgegen. Elternabende sind in der Regel nicht obligatorisch, und die Jokertage ermöglichen es den Erziehungsberechtigten, mit ihren Kindern auch mal ausserhalb der Ferienzeit einen Ausflug zu machen, wie Roger Herrmann, Leiter des Schulsekretariats, sagt. Seit Anfang Jahr können Schulpflegen Eltern zum Besuch eines Elternbildungskurses verpflichten. Für ein ausreichendes Angebot an solchen Kursen hat der Kanton zu sorgen. So steht es in Artikel 57a des Volksschulgesetzes. Elternbildungskurse auf freiwilliger Basis gibt es bereits in beachtlicher Anzahl. Sie werden vom kantonalen Amt für Jugend und Berufsbildung koordiniert. Im Bezirk Horgen haben letztes Jahr etwa 2000 Eltern an einem dieser Kurse teilgenommen. Beworben werden die Kurse über kantonale Amtsstellen, Schulsekretariate oder Arztpraxen, wie André Woodtli, Chef des Amts für Jugend und Berufsbildung, sagt. Oft würden die Kurse den Eltern von Kinderärzten empfohlen, seltener von Lehrpersonen. Das Angebot ist vielfältig. Neben standardisierten Erziehungskursen an vier bis acht Daten (Kosten bis zu 600 Franken pro Paar) sind im 52-seitigen Programmheft der Elternbildung Region Süd spezifische Angebote für sämtliche Kinder-Alterskategorien zu finden. Sie tragen Titel wie «Das Bilderbuch – das erste Fenster hinaus in die Welt» oder «Berufswahl kompetent begleiten». (els)

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