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Er liebt es, wenn im Studio die Funken sprühen

Seit einem knappen Jahr leitet der Zolliker Kantonsrat Claudio Zanetti eine Gesprächsrunde auf Star TV. Konfrontation heisst sein Zauberwort.

Von Linus Schöpfer Zollikon – Matteo, der Tontechniker, kalibriert die Mikrofone der Gesprächsteilnehmer. Zuerst dringt der lässige Ton des jungen WOZ-Redaktors in den abgeschotteten Regieraum, dann der bedächtige Duktus des NZZ-Experten, hernach die zurückhaltende Stimme von Moderator Christoph Romer. Plötzlich schnellt die Anzeige des Geräuschpegels auf Matteos Bildschirm nach oben, es lärmt im kleinen Kämmerchen. «Hm, schwierig», murmelt Matteo und dreht an einem Regler – er nimmt gerade Claudio Zanetti auf. Vehement in eigener Sache Zanetti ist ein Mann der kräftigen Töne, im eigentlichen wie im übertragenen Sinn. Einer, der die Konfrontation liebt, sucht, ja braucht. «Politische Korrektheit ist ein Verbrechen», sagt er. Seit einem knappen Jahr ist der Zol-liker, der seit 33 Jahren an der Goldküste lebt, mit «CC Talk» auf Sendung. Die halbstündige Gesprächsrunde soll «die Schweizer Medienszene aus ihrem intellektuellen Tiefschlaf wecken», so Zanettis erklärte Absicht. Jeden Donnerstagabend diskutiert der SVP-Kantonsrat mit dem Journalisten Christoph Romer (vormals Geschäftsführer von Radio Zürisee) und zwei Gästen auf dem Spartensender Star TV über ein aktuelles Politthema. Diesmal geht es um die Turbulenzen rund um die «Basler Zeitung». Zanetti vertritt vehement seine Meinung («Was soll der Aufstand?») und zofft sich mit dem WOZ-Redaktor. Die Moderation, das Bemühen um eine ausgeglichene Diskussion überlässt er Romer. «Es ist ja auch meine eigene Sendung. Da darf ich wohl noch sagen, was ich will», meint Zanetti trotzig. Es wäre allerdings falsch, ihn als blossen Lautsprecher abzustempeln. Scholastik und Karl Popper Denn dass der studierte Jurist durchaus auch die feine Klinge zu führen vermag, zeigt sich im vertieften Gespräch, etwa wenn er seinen Enthusiasmus für die politische Konfrontation philosophisch begründet. Er sei «fasziniert von der scholastischen Tradition der Dialektik», sagt Zanetti, der in Engelberg die Klosterschule besucht hat. Ein anderer Orientierungspunkt sei Karl Popper und dessen kritischer Rationalismus. «Was wir für richtig halten, muss stets der kritischen Prüfung ausgesetzt werden», paraphrasiert Zanetti. So erklärt sich auch seine Vorliebe für Gäste, die eine diametral andere Meinung vertreten als er selber: «Eine fruchtbare Diskussion ist nur mit klaren Standpunkten möglich.» Und selbstverständlich sei er auch bereit, seine eigene Position gegebenenfalls zu revidieren. So habe ihn Kantonsratskollege Raphael Golta (SP) während einer Sendung auf Ungerechtigkeiten im Steuerwettbewerb aufmerksam gemacht, die ihm bis dato noch nicht aufgefallen seien, sagt Zanetti. Beachtliche Quoten Die Vorbilder für den «CC Talk» stammen aus den USA, hauptsächlich aus dem Umfeld der Republikaner. «Townhall» oder «Crossfire» heissen die Formate, welche politische Debatten zuspitzen und spektakulär aufbereiten, sodass politisch schwach versierte Leser oder Zuschauer ebenfalls Gefallen daran finden können. «Erstes Ziel unserer Sendung ist es, nicht zu langweilen», erklärt auch Zanetti. Nach einem Jahr können er und Christoph Romer bereits beachtliche Quoten präsentieren; bis zu 210 000 Zuschauer konsumieren heute den «CC Talk» und seine Wiederholungen. Die Erstausstrahlungen der vergleichbaren «Arena» des Schweizer Fernsehens hatten im November einen Schnitt von rund 250 000 Zuschauern. «Objektivität gibt es nicht» Auch die «CC»-Sendung zur «Basler Zeitung» dreht sich grossteils um die heikle Frage, ob in den Medien vorschreibt, wer zahlt. «Die ganzen lin-ken Verschwörungstheorien sind ohne Grundlage», sagt Zanetti. Er und Romer hätten vielmehr grosse Mühe gehabt, für die Produktion «CC Talk» ausreichend Sponsorengelder aufzutreiben. Heute werde die Talkshow durch eine Gruppe von Industriellen und Händlern finanziert, die im Gegenzug Werbung auf Star TV schalten dürfe; konkrete Namen will Zanetti nicht nennen. «Christoph Blocher jedenfalls gehört nicht dazu», verrät er. Nach einem Jahr ist der «CC Talk» zum Premiumprodukt der wuchernden rechtskonservativen Medienszene avanciert, in der neben Zanetti und Blocher («Tele Blocher») auch Nationalrat Ulrich Schlüer («Schweizerzeit-Magazin») und der Berner Jungspund Erich Hess («Tele Hess») mitmischen. Zanetti hält die klare politische Ausrichtung dieser Formate für eine lobenswerte Eigenschaft. Die seitens etablierter Medienhäuser viel gehörte Behauptung, unparteiischen Journalismus zu betreiben, sei schlicht lächerlich, ereifert er sich. «Denn jede Form von Kommunikation ist subjektiv. Wahrhaftige Objektivität gibt es gar nicht.» Die moderaten Töne überlässt Claudio Zanetti (links) anderen. Zum Beispiel Christoph Romer (rechts).Foto: Patrick Gutenberg

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