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Er spielt wild, emotional – und begeistert

Der Horgner Mateo Steck leidet unter ADHS und ist ein Ausnahmetalent am Saxofon. Nun interessiert sich Pepe Lienhard für ihn; heute treffen sich die zwei.

Von Nicole Trossmann Horgen – Heute besucht der 15-jährige Horgner Mateo Steck – Pepe Lienhard. Stecks Vater Walter hatte Lienhard bei einem Konzert angesprochen und ihm ein Couvert mit Informationsmaterial über seinen Sohn in die Hand gedrückt. Und das ausserordentliche musikalische Talent des jungen Saxofonspielers hat Lienhards Interesse geweckt. Kurz vor dem Treffen ist Vater Steck nervös. «Egal, was dabei herauskommt: Nur schon, dass Pepe Lienhard meinen Sohn sehen will, macht mich enorm stolz.» Schon mit fünf Jahren begann Mateo Schlagzeug zu spielen: In einer Konzertpause fragte er den Schlagzeuger der Horgner Guggenmusik, ob er sein Instrument ausprobieren dürfe. Der lachte den Knirps an, nickte und war schon auf dem Weg nach draussen, als Mateo zu spielen begann. Erstaunt drehte sich der Schlagzeuger um, lauschte und flüsterte dem Vater zu, er müsse das Talent des Sohnes unbedingt fördern. Mit zehn Jahren begann Mateo zusätzlich Saxofon zu lernen. Weil sich diesem Instrument unendlich viele Töne entlocken liessen, wie er heute sagt. Und weil es schlicht und einfach «cool» sei. Schon heute, mit 15, ist Steck durchaus bühnenerfahren: Er spielte in verschiedenen Lokalen im Bezirk und in Zürich; in Horgen etwa an der Eröffnung des Hotels Meierhof. «Du wirkst wie ein Pfahl» Sein Talent zeigt sich nicht nur im musikalischen Können, sondern auch im Ausdruck. «Der Ausdruck entscheidet manchmal über Erfolg oder Misserfolg eines Auftritts», sagt er fachmännisch. Sein Vater brachte ihm früh Mimik und Gestik bei, zeigte neue Bewegungen, Haltungen oder neue Arten, das Saxofon zu spielen: bei klassischen Stücken etwa gerade vor dem Körper, bei jazzigen auf der Seite und bei rockigen mit vollem Körpereinsatz. Einmal musste Mateo den Auftritt eines älteren Freundes beurteilen. Emotionslos sei es gewesen. «Du spielst grossartig, aber du wirkst wie ein Pfahl», sagte Steck, schnappte das Saxofon und spielte dasselbe Lied nochmals. Er habe sich im Kreis gedreht, wild in alle Richtungen bewegt, sei gerannt und gesprungen. «Ich spielte gar unter meinen Beinen hindurch!» Der Horgner lacht, und seine Wangen färben sich rot, als er erzählt, der Freund sei sprachlos gewesen. Er habe gemurmelt, er habe noch nie jemanden so spielen sehen. Lebensgeschichte verarbeiten Diese Dinge seien aber nicht einfach nur Show, sondern er fühle sich in jedes einzelne Stück, in jede Geste intensiv hinein. Er versuche, emotionale Momente aus der Beziehung zu seinem Vater musikalisch umzusetzen. Es tönt ungewöhnlich aus dem Mund eines 15-Jährigen, wenn er sagt: «Als Musiker sollte man mit der Musik seine ganz persönliche Lebensgeschichte erzählen.» Abgesehen davon wirkt Mateo Steck wie ein ganz normaler Jugendlicher. «Ich sehe gern fern, ich game gern», sagt er. Und die Wände seines Zimmers sind vollgepflastert mit Postern: Popstar Pink ziert die Wand, die Schweizer Fussballnationalmannschaft, ein Mädchen im Bikini, Motorräder. Das Gestell ist übersät mit Klebern: «I love Hip-Hop» steht auf einem, andere ziert das Logo des FCZ. Und doch unterscheidet ihn noch etwas von anderen Teenagern. Mateo leidet an ADHS, einer Aufmerksamkeits- und Hyperaktivitätsstörung. Darauf angesprochen, zuckt er nur die Schultern. «Ich raufe halt gern mit Kollegen, blödele herum und werde dementsprechend vom Lehrer manchmal vor die Tür gestellt. Aber ist das nicht normal in meinem Alter?» Hin und wieder schränke ihn die Krankheit ein, zuweilen motiviere sie ihn, mehr zu erreichen. «Und dann wieder denke ich: ADHS ist doch nur ein Wort.» Instrument beruhigt Dass er sein Temperament noch nicht so im Griff habe wie das Saxofon, sehe er schon, sagt Steck. Im Streit mit dem Vater wirft er auch schon mal einen Tisch um; doch nach fünf Minuten liegt der Sohn stets wieder versöhnt in des Vaters Armen. «Wenn ich mich an einem schlechten Tag verspiele, würde ich das Saxofon manchmal am liebsten in eine Ecke donnern und nie mehr anfassen.» Doch das Instrument beruhige ihn auch. Kürzlich hätten ihn Kollegen im Internat zur Weissglut gebracht, sodass er wutentbrannt davongestürmt sei. «Ich nahm mein Saxofon und spielte mit aller Kraft, mit voller Inbrunst, bis ich schweissgebadet war, total entkräftet», sagt er, «doch wieder im Einklang mit der Welt.» Auch Heavy Metal – «Krach, wie mein Vater findet» – beruhige ihn enorm. Überhaupt will Steck nun eine eigene Metalband gründen. Mitglieder für dieselbe hat er zwar noch keine gefunden, einen Namen indes schon: Böser Vater. Steck beeilt sich zu versichern, dass das keine Anspielung auf seinen eigenen Vater sei, den er sehr bewundere. Und irgendwann einmal will Mateo Steck mit dieser Metalband auf der Bühne eines grossen Open Airs stehen – und der Clou daran: «Angezogen wie an der Fasnacht.» Für Mateo Steck ist das Saxofon mehr als ein Instrument. Foto: Patrick Gutenberg

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