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ETH-Skandal: «Der Schuldige muss her»

Gefälschte Studien in der Wissenschaft sind ein Exzess unserer Gesellschaft, sagt Nobelpreisträger Richard Ernst.

Weshalb fälschen Forscher ihre Arbeiten?

Solche Exzesse machen die falschen Zielsetzungen unserer Gesellschaft deutlich. Unser Marktsystem übt einen grossen Druck aus, verlangt nach Spitzenforschern, die viele sensationelle Arbeiten publizieren. Auch in anderen Bereichen werden Spitzenleistungen gefordert, etwa bei den Bankern. Sie müssen enorme Gewinne erzielen und treiben so die Finanzwelt in die Krise. Wie gross ist der Imageschaden für die ETH nach den gestrigen Medienberichten?

Den Schaden, der die ETH direkt betrifft, erachte ich nicht als besonders gross. Doch für die Akademiker insgesamt sind solche Ereignisse sehr schlecht. Die ETH bildet nicht nur Wissenschaftler und Forscher aus, sondern ist Erzieher der künftigen Generationen. Wenn die Leader der Zukunft so geimpft werden, dass Fälschungen vorkommen, ist das katastrophal. Der Leiter der betroffenen Forschergruppe, Peter Chen, tritt als Vizepräsident der ETH zurück, bleibt aber als Forscher weiterhin tätig. Wäre es im Interesse der Hochschule nicht sinnvoll, wenn er ganz zurücktreten würde?

Das ist schwierig zu sagen. Ich kenne den Fall nur aus den Medien, deshalb sind mir die Hintergründe nicht bekannt. Für Peter Chen ist es so oder so eine persönliche Katastrophe. Wichtig ist, dass man alles daran setzt, den Schuldigen zu finden. Daten und Journale der wissenschaftlichen Arbeiten sind verschwunden, alle Beteiligten streiten eine Schuld ab. Laut ETH gibt es Indizien, jedoch keine Beweise. Es scheint, als werde der Fall niemals gelöst.

Diese Fälschung kann man nicht so stehen lassen. Der Fall muss bis ins Detail abgeklärt werden. Daran kommt die ETH nicht vorbei. Vermutungen über die Verantwortung reichen nicht. Ob sich die Sache klären lässt, ist jedoch schwierig zu sagen. Vielleicht ist es auch unmöglich. Kann die ETH das Problem allein lösen?

Wahrscheinlich nicht. Es ist jetzt eine Sache für die Juristen. Der Fall wird wohl vor Gericht entschieden werden - ausser jemand bekennt sich als der Schuldige. Mit den Fälschungen wurde ein Doktortitel erlangt. Wird dieser aberkannt?

Selbstverständlich. Aber nur, wenn der Fall klar ist. Haben Sie während Ihrer Forschungen einen ähnlichen Fall in Ihrem Umfeld erlebt?

Während meiner 50-jährigen Tätigkeit ist so etwas nicht passiert. Bei uns war die Art der Arbeit eine andere, wir haben methodische Forschung betrieben. Am Ende hat etwas funktioniert oder nicht. Wir waren nicht auf der Suche nach einer spektakulären Messung oder Zahl. (Tagesanzeiger.ch/Newsnetz) * Der Winterthurer Chemiker und Professor Richard Ernst forschte rund 50 Jahre an der ETH Zürich. 1991 erhielt er für seine Beiträge zur Kernresonanz-Spektroskopie den Nobelpreis für Chemie.

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