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Feine Saiten west-östlicher Harmonie

Im Ustermer Qbus trafen traditionelle Musik aus China und Jazz aufeinander. Das Festival Culturescapes brachte Erhuspielerin Ma Xiaohui aus Shanghai mit dem Perkussionisten Pierre Favre zusammen.

Von Melanie Kollbrunner Uster – Bilder wurden vor dem geistigen Auge wach, wenn man den Klängen des wunderlichen Instruments zuhörte, das Ma Xiaohui auf ihrem Schoss hielt. Bilder von Teezeremonien oder gepflegten Gartenanlagen, eigentlich von allerlei vorherrschenden Klischees über chinesische Kultur. Das lag wohl am zarten, eigentümlichen Ton, der von dem traditionellen Instrument ausgeht, er ist hier nicht oft zu hören. Man kennt den Klang vielleicht aus einem Film wie «Crouching Tiger – Hidden Dragon», dessen Soundtrack einen Oscar gewonnen hat und dessen Titelmelodie Ma Xiaohui mit dem bekannten Cellisten Yo-Yo Ma eingespielt hat. Beim Instrument, das die chinesische Musikerin im Qbus spielte, handelte es sich um ein Erhu, ein zweisaitiges Streichinstrument von spartanischer und doch eleganter Form. Gekleidet in ein traditionelles, buntes Seidenkleid, erzählte die zierliche junge Frau in englischer Sprache Wissenswertes über ihr Instrument und seine Geschichte. Davon, dass es aus Rotholz gefertigt sei und die Haut einer grossen Schlange über den kleinen Resonanzkörper gespannt werden müsse. Sie erklärte, wie heikel die Intonation beim Erhu sei, und dass das Instrument in China den Rang innehabe, den die Geige in der westlichen Musik einnehme. Lange konnte der Zuhörer am Mittwoch aber nicht bei seinen anfänglichen Bildern verweilen, weil da noch Pierre Favre auf der Bühne war. Bekannt für seine subtile Jazzimprovisation, tat der gebürtige Jurassier, der heute ein paar Häuser entfernt vom Qbus wohnt, seine Begeisterung für Ma Xiaohuis Können kund, als er das Publikum begrüsste. «Man denkt, dass das nicht gut gehen kann, wenn man sich das Instrument anschaut», sagte er. «Was diese Musikerin aus ihm herausholt, ist aber ganz wunderbar.» Variantenreiches Spiel Man hörte diese Begeisterung in der Musik. Respektvoll, aber ohne jede Berührungsangst begegnete der Perkussionist den fernöstlichen Klängen, die sich ihrerseits mehr und mehr zu einer Improvisation öffneten. Gewohnt experimentierfreudig erzeugte Favre mit Stricknadeln, Gerätschaften aus Plastik oder Bambus raschelnde, rieselnde, zischende Töne auf seinen Becken, Gongs und Trommeln – immer bedacht auf den Dialog mit dem leisen Instrument Ma Xiaohuis. Sie ihrerseits entlockte ihrem Erhu auf virtuose Weise eine breite Palette an Klängen. Mal melodiös mit viel Vibrato und geschmeidigen Lagewechseln, die klingen wie Seufzer, dann wieder mit verspielten Trillern oder einem vorwitzigen Pizzicato, mal mit der Linken, dann mit allen Fingern der Rechten gespielt, dann wieder keck geklopft auf die gespannte Schlangenhaut: Der Vielseitigkeit von Xiaohuis Spiel waren kaum Grenzen gesetzt. Es entstand eine starke musikalische Präsenz, eine intime Spannung, der man gerne länger standgehalten hätte, um sich verwirren und begeistern zu lassen. Ma Xiaohui und Pierre Favre harmonierten im Qbus bemerkenswert, obschon sie von ganz unterschiedlichen musikalischen Traditionen her kommen. Foto: Nathalie Guinand

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