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Firma übernimmt Kosten für historische Broschüre

Weil die Gemeinde spart, wäre die Geschichte der Steinwarenfabrik Embrach fast nicht veröffentlicht worden. Der Autor konnte aber einen Sponsor finden.

Von Fahrettin Calislar Embrach – Das traditionelle Neujahrsblatt von Embrach über die ehemalige Steinzeugfabrik erscheint nun doch. Wenn auch nur «inoffiziell» als Broschüre. Die 2011er-Ausgabe stand auf der Kippe, weil der Gemeinderat den Beitrag von 2500 Franken an die Druckkosten aus dem Budget der Kulturkommission gestrichen hat. Der Autor des Büchleins, der Lokalhistoriker und ehemalige Primarlehrer Hans Baer, ist froh, dass das nötige Geld für die Drucklegung doch noch zusammengekommen ist: «Ich habe lange am Büchlein gearbeitet. Alles war schon bereit, als das Geld gestrichen wurde.» Der rettende Sponsor ist die Imbrex Holding AG. Für den Imbrex-Verwaltungsratspräsidenten Stephan Keller war die Unterstützung Ehrensache, «weil die Broschüre einen Teil der Geschichte unserer Unternehmung beinhaltet». Die Fabrik ist die Vorgängerfirma der heutigen Imbrex Holding. Baer fühlt sich in seiner Arbeit bestätigt. «Kultur ist in Embrach ein hartes Geschäft. Wir hatten schon früher Mühe, die Leute dafür zu begeistern», fasst er die Situation zusammen. 100 Seiten Lokalgeschichte Auf rund 100 Seiten legt Baer aufgrund von historischen Quellen die Geschichte der Firma dar (siehe Kasten). Die «Thonwaarenfabrik Embrach» ist wie die Seidenzwirnerei Zinggeler – die Baer im letzten Neujahrsblatt thematisierte – ein weiterer Zeitzeuge der reichen Industrie des Embrachertals. Baers Geschichte umfasst die ersten 40 Jahre der Firma bis zum Zweiten Weltkrieg. Es war eine Zeit ohne soziale Sicherheit für die Arbeiter. Die Patrons organisierten eine erste Rentenversicherung. Und die Brennöfen wurden aufwendig mit Kohle befeuert, was die Produktion erschwerte. Baer hat zudem die Entwicklung der Arbeitszeit und des Ferienanspruchs für die Mitarbeiter aufgearbeitet. Seine Hauptquelle sind die Aufzeichnungen eines unbekannten Autors, die anlässlich der 40-Jahr-Feier der Firma gedruckt wurden. Und auch die Unterlagen des letzten Direktors der «Steizügi» sind noch vorhanden. Die wichtigsten Dokumente des Fabrikarchivs wurden nach der Schliessung vor der Vernichtung gerettet. Baer ist überzeugt, dass sich viele für sein Büchlein interessieren. «Es gibt noch immer zahlreiche ehemalige Mitarbeiter, die sich darüber freuen werden.» Anfang November wird das Büchlein gedruckt. Vorerst sind 100 Exemplare geplant, wovon der Sponsor Imbrex einen Teil für interne Zwecke verwendet. Baer übernimmt den Verkauf der restlichen Exemplare. Sollten bei ihm mehr Bestellungen eingehen als vorgesehen, kann er die Auflage erhöhen, bevor die Druckmaschinen anlaufen. Ende November liegt die Broschüre vor. Bestellungen bis Ende Oktober an: embribaer@gmx.ch. Die Geschichte der Steinzeugfabrik begann 1899. Sie wurde von Heinrich Ganz aus der Ofenbauerfamilie Ganz gegründet. Die Firma produzierte auf dem Areal des heutigen Embraport Kanalisationsröhren, Pflastersteine, Dachziegel, Futtertröge und Isolatoren. 1974 wurde der Betrieb verlagert und anschliessend geschlossen. 2006 wurde der prägnante Hochkamin hinter dem Bahnhof gesprengt. Die Industrie im Embrachertal erlebte Ende des 19. und zu Beginn des 20. Jahrhunderts eine Hochblüte. Im Tal wurde Lehm gefördert, und es entstand eine verarbeitende Industrie, beispielsweise die Ziegelhütte. In den 1960er-Jahren boten die vier Tonfirmen rund die Hälfte der Arbeitsplätze in Embrach an. Aus dieser Tradition ist nur noch die Ganz Baukeramik in Embrach geblieben. Sie ist der älteste Zweig der Ofenbauerfamilie und zählt heute 205 Jahre. Die Firma ist nicht zu verwechseln mit der Keramikfabrik Landert, die auch in Embrach ansässig war, Fonduecaquelons herstellte und diesen Sommer die Türen schloss. (fca) Die Steinwarenfabrik Embrach ist Thema des kommenden Neujahrsblatts. Foto: pd

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