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fischen bei jeder witterung

Adrian Gerny ist der jüngste Berufsfischer auf dem Zürichsee. Der 21-Jährige hat ein eigenes Geschäft in Küsnacht.

Küsnacht. - Mit routinierten Bewegungen legt Adrian Gerny die Fischernetze aus, die hinter dem kleinen Motorboot im See versinken. Nach kurzer Zeit sind nur noch die Schwimmbojen zu sehen, die anzeigen, wo die Netze liegen.

Am nächsten Morgen, wenn der junge Berufsfischer die Netze wieder einholt, wird sich zeigen, ob er die Plätze gut gewählt hat. Viel hängt davon ab, denn ist der Fang einmal wirklich schlecht, so steht er mit leeren Händen vor seinen Kunden. Da diese ausschliesslich aus der Gastronomie kommen, können auch sie in die Klemme geraten, wenn etwa eine Gesellschaft 100 Eglifilets bestellt hat.

Ein Aussenseiter unter Fischern

Doch der junge Fischer scheint gut mit der grossen Verantwortung klarzukommen. «Wenn ich einen Fehler mache, so muss ich ihn auch selbst ausbaden. Das ist gut so», sagt Adrian Gerny, der mit 21 Jahren schon Besitzer eines Fischereibetriebs in Küsnacht ist. Seit letztem Frühling ist er Fischereipatentinhaber - der jüngste auf dem Zürichsee.

Fischen war schon während der Primarschule Gernys Leidenschaft. «Am freien Samstagmorgen radelte ich jeweils frühmorgens an den See, um den zurückkehrenden Berufsfischern im Hafen zuzuschauen», erzählt Gerny. «Irgendwann nahm mich einer mit, von da an wusste ich: Das mache ich.» Immer öfter begleitete er den Fischer auf den See und lernte so auch viele heutige Berufskollegen kennen. Ohne diese Bekanntschaften wäre er heute unmöglich an diesem Punkt angelangt, meint Gerny. Denn dass jemand, der nicht aus einer Fischerfamilie stammt, beruflich fischt, ist äusserst ungewöhnlich. Gerny betont deshalb auch immer wieder, dass es ein echter Glücksfall sei, dass er als eigentlicher Aussenseiter eines der 18 Patente erhalten habe. Denn noch immer werden Fischerpatent und Geschäft normalerweise vom Vater an den Sohn weitergegeben. «Hätte mein Vorgänger nicht zu diesem Zeitpunkt aufgehört, wäre ich nach meiner Lehre bald ohne Arbeit da gestanden», sagt Gerny. So war der Schritt in die Selbstständigkeit gleichzeitig auch die einzige Möglichkeit, weiterhin auf dem See zu arbeiten.

«Klar machte es mir am Anfang Sorgen, wenn ich an manchen Tagen nur mit einem Kessel voll Fischen zurückkehrte», gibt Gerny zu. «Wenn man dann sieht, wie Kormorane den Fisch aus den Netzen fressen, ist das schon bitter. Doch man muss das akzeptieren können, wenn man von der Natur lebt.» Gerny erwischte jedoch gleich zu Beginn ein gutes Jahr mit überdurchschnittlichen Felchenerträgen. Der bisherige Erfolg war keineswegs nur Glückssache: Gerny erzählt von Zeiten im Sommer, als er kaum noch zum Schlafen kam und Unmengen von Red Bull trank. Brennt die Sonne, so zählt jede Stunde, wenn man wirklich frischen Fisch liefern will.

Von Schulkollegen belächelt

«Man muss für diese Arbeit leben, anders geht es gar nicht», sagt Gerny. Denn wenn man im Winter bei Minustemperaturen lieber zu Hause bleibe, dann sei man bald bankrott. Der junge Fischer macht auch die Fischverarbeitung selbst und liefert am Nachmittag an seine Kunden aus. So sind seine Arbeitstage nicht nur besonders lang, sondern abgesehen von den kurzen Besuchen in den Restaurantküchen auch sehr einsam. Damit habe er jedoch kein Problem, im Gegenteil, es sei ihm wichtig, viel allein zu sein.

Man werde als Fischer sowieso nicht von allen wirklich akzeptiert. Er erzählt von früheren Klassenkameraden, die seinen Entscheid, Fischer zu werden, überhaupt nicht verstehen konnten und ihn deshalb belächelten. Doch für ihn ist die Hauptsache, dass man macht, was einem gefällt und dass man den Beruf so liebt wie ein Hobby. * Melanie Keim, 22, ist Studentin und lebt in Meilen.

Die einsamen Arbeitstage machen Adrian Gerny nichts aus.

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