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fischlein deck dich

Was Zürich nur alle drei Jahre schafft, hat Winterthur jedes Jahr: ein Wochenende der offenen Künstlerateliers. Der «züritipp» hat sich vorgängig schon umgesehen.

von daniel morgenthaler In Winterthur gibt es mehr Museen als Künstler. Oder wer kann auf Anhieb drei Künstler aufzählen, die in der Museumsstadt ihr Atelier haben und nicht etwa schon lange nach Zürich umgezogen sind? Eben. Mit solchen Klischees aber ist dieses Wochenende Schluss. Bereits zum vierten Mal öffnen nämlich heimische Künstler in einer konzertierten Aktion ihre Studios – rund 60 sind es in diesem Jahr. Angestossen wurde der Anlass von der amerikanischen Malerin Michelle Bird, die in San Francisco und Amsterdam gelebt hat, wo solche Events quasi an der Monatsordnung sind. Gerade erst hier angekommen und überrascht, dass es das im mittlerweile zur Grossstadt avancierten Winterthur nicht gibt, fasste Bird die Organisation eines solchen Wochenendes gleich als Möglichkeit zur aktiven Integration auf. Mittlerweile produziert sie auch ein Begleitmagazin – alles ohne städtische Hilfe, sondern von den Künstlern selbst finanziert. Juriert wird nicht. Für die Teilnahme genügt es, dass sich jemand als Künstlerin oder Künstler definiert – und natürlich ein Atelier hat. Man kann entsprechend nicht erwarten, dass das Niveau durchwegs hoch ist und man quasi Kurator spielen und nach dem Rundgang Wetten abschliessen kann, welcher Künstler nächstes Jahr seine erste Einzelausstellung in einer Winterthurer Institution haben wird. Dafür erhält man Zugang zu städtischen Nischen und kann nachvollziehen, woraus sich eine lokale Künstlerszene speist. Die Ölbilder und Kupferstiche von Jono Brown etwa nehmen 1:1 das Pflaster der Marktgasse auf, das er von seinem Studio aus sehen kann, mitten in der Altstadt. Dass er trotzdem nicht rein realistisch gestaltet, beweisen die Dinosaurierspuren auf dem brownschen Strassenbelag. Das Material des gebürtigen Mexikaners Ricardo Flores Saldaña hingegen kommt aus dem Wald, gelegentlich auch aus Carrara. In seiner Werkstatt an einer Ausfallstrasse kombiniert er Holz und Marmor zu geschwungenen Skulpturen. Christiane Ghilardi schliesslich ist zwar ursprünglich Hamburgerin, hat aber einen Fetisch für die Schweizer Armeewolldecke entwickelt: Für ihre stilisierte Unterwasser-Installation in ihrem Atelier in der Industriezone hat sie aus ihrem Lieblingsmaterial kleine, rotbäuchige Fischlein aus-geschnitten. Das alles lässt sich am letzten Septemberwochenende auskundschaften – zum selben Termin wie jedes Jahr. Von einer solchen Kontinuität können Stadtzürcher Künstler nur träumen. Hier muss der Atelierrundgang – der letzte fand 2009 statt – alle drei Jahre neu aufgezäumt werden. Friedliche Nutzung von Armeewolldecken? Christiane Ghilardi machts vor.

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