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Flughafen stand für Solarflieger still

Das Flugzeug von Bertrand Piccard und André Borschberg landete gestern zum ersten Mal in Kloten – und liess Linienmaschinen Warteschleifen drehen.

Von Pia Wertheimer Kloten – Unzählige Flugzeugspotter säumten gestern Nachmittag den Zaun nahe der Piste 34 und brachten ihre Kameras in Position. Dasselbe taten rund fünfzig Medienschaffende im Pistenkreuz. Kurz vor 14.30 Uhr ging gar nichts mehr: Weil der Solarflieger Solar Impulse der Westschweizer Bertrand Piccard und André Borschberg im Anflug war, blieben alle übrigen Maschinen während zehn Minuten am Boden – oder kreisten in einer Warteschleife über dem Flughafen Zürich. Die Arbeitsteilung der Pioniere war klar: André Borschberg, früher Pilot bei der Luftwaffe, sass im Cockpit, während Betrand Piccard vor den Kameras die Landung seines Partners kommentierte. Erst im Juli sorgten die beiden mit ihrem Projekt für Schlagzeilen: Ihnen gelang der erste Nachtflug eines bemannten Solarflugzeugs. 2014 wollen sie mit ihrem Solarflieger die Welt umrunden. Borschberg gelang gestern eine Punktlandung. Er setzte den nahezu lautlosen Flieger exakt vor den Schaulustigen auf der Piste 34 auf. Kurz davor hatten die Verantwortlichen noch vorgesehen, Borschberg auf der Piste 10 landen zu lassen. «Der Wind kam erst von Osten, drehte und blies dann von Norden», begründete Marc Rauch, Sprecher des Flughafens Zürich, die kurzfristige Änderung. Nicht nur die Flugzeugspotter und der Medientross schenkten dem Flieger besondere Aufmerksamkeit. Dies taten auch die Fluglotsen der Flugsicherung Skyguide. «Der Flieger ist für uns speziell, weil er sehr gross, sehr leicht aber vor allem sehr langsam ist», sagte Skyguide-Sprecher Roger Gaberell. Ein kontrollierter Tiefflug Das Flugzeug bewegte sich auf dem Flug von Payerne nach Kloten in geringer Höhe – im normalerweise unkontrollierten Luftraum. Die Fluglotsen standen trotzdem seit dem Start kurz nach 8?Uhr mit Borschberg in Kontakt. «Als er sich Zürich näherte, haben wir die Abstände zu den an- und abfliegenden Maschinen vergrössert, damit ihre Wirbelschleppen den Flug von Solar Impulse nicht beeinträchtigten», sagte Gaberell. Borschberg erreichte die Region Zürich gestern früher als erwartet und drehte darum während einer Viertelstunde Warteschleifen tief über dem Zürichsee. Der Anflug auf Zürich sollte zeigen, wie sich Solar Impulse in den Betrieb von internationalen Flughäfen eingliedern lässt. Gaberell ist mit der Koordination zufrieden: «Es hat alles bestens funktioniert. Das Vorhaben war für uns sehr lehrreich, da wir es sonst nicht mit Fliegern dieser Art zu tun haben.» Für die Flugsicherung habe der gestrige Flug einen Mehraufwand bedeutet. «Ich möchte aber eher von einer Bereicherung sprechen», sagt der SkyguideSprecher. Wer die Dienste der Fluglotsen in Anspruch nimmt, muss üblicherweise dafür bezahlen. Solar Impulse ist auch diesbezüglich ein Sonderfall. «Wir haben mit der Mannschaft von Solar Impulse ein partnerschaftliches Verhältnis.» So werde auch das Finanzielle zwischen Skyguide und Piccard in einer «partnerschaftlichen Art und Weise gehandhabt», sagt Gaberell. Zürich erlässt die Landetaxen Aus der Sicht des Flughafensprechers Marc Rauch lässt sich Solar Impulse in den Betrieb eines internationalen Flughafens integrieren – nicht aber ohne Aufwand. «Der Besuch von Solar Impulse hat den Flughafen Zürich insgesamt einige Tausend Franken gekostet», sagte Rauch. Der Einsatz habe aber insbesondere aus viel Schweiss bestanden. Und die üblichen Landetaxen stellt der Flughafen Zürich den Pionieren nicht in Rechnung, «was die Lärmgebühren betrifft: Sie sind wohl hinfällig», fügte Rauch schmunzelnd an. Nach dreissig Minuten am Boden startete die Solar Impulse wieder Richtung Heimatflughafen Payerne. Weil der Zürcher Flughafen während zweimal zehn Minuten für den Luftverkehr gesperrt blieb, mussten einige Flüge Verspätungen von wenigen Minuten in Kauf nehmen. Die Zukunft landet in Kloten: Die Solar Impulse fliegt zum ersten Mal einen grossen internationalen Flughafen an. Foto: Moritz Hager (EQ Images)

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