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Freche Schüler müssen das Schulhaus wechseln

Aufmüpfige, Mobber und Arbeitsverweigerer in der Sek Regensdorf sollen zukünftig nicht gleich in der Privatschule landen – sondern im Nachbarschulhaus. Die «interne Auszeit» solls möglich machen.

Von Ines Rütten Regensdorf – Die einen verweigern partout die Arbeit in der Schule – andere mobben ihre Kollegen bis zur Verzweiflung, und wieder andere stören die Klasse mit auffälligem Verhalten: Einzelne Schüler können den Alltag für alle zum Spiessrutenlauf machen – bis sie die Schule verlassen müssen. Doch die Kinder in Privatschulen zu schicken, kostet bis zu 43 000 Franken pro Jahr und Schüler (siehe Box). In Regensdorf will die Sekundarschulpflege diese Kosten senken und führt dafür eine neue Massnahme ein. Ab diesem Sommer kommen Mobber, Aufmüpfige und Arbeitsverweigerer ins Partnerschulhaus. Wer sich also im Schulhaus Ruggenacher 2 danebenbenimmt, muss eine gewisse Zeit das Petermoos besuchen und umgekehrt. Dort werden die Querulanten in Gruppen von maximal fünf Schülern unterrichtet. «Mit dem sogenannten internen Auszeitangebot können wir früher eingreifen, wenn ein Jugendlicher auffällig wird», erklärt Schulpflegerin Priska Hänni. Bisher habe die Situation erst eskalieren müssen, bis man entscheiden konnte, den Schüler in einer anderen Einrichtung unterzubringen. Insgesamt sind derzeit rund 50 Jugendliche in externen Schulen platziert. Vom Umfeld isolieren Bei der internen Auszeit werden die Schüler den halben Vormittag von Sozialpädagogen betreut. «Sie sollen ihr Verhalten überdenken und Lösungen finden», erklärt Hänni. Den Rest des Vormittags arbeiten die Kinder an ihren schulischen Zielen und erhalten Unterricht von einer Lehrperson. Am Nachmittag gibt es für jeden ein individuelles Programm, unter anderem in Regelklassen oder bei einer Arbeitsstelle. «Wir entscheiden von Fall zu Fall, was die beste Lösung ist.» Bisher hatte die Schulpflege die Möglichkeit, auffällige Schüler in ein Time-out zu schicken. Dabei arbeiten sie bis zu vier Wochen in einer Firma und gehen nicht zur Schule. Für schwerere Fälle blieb lediglich eine Platzierung in einer Tagesschule übrig. Die interne Auszeit soll diese verhindern. «Wir wollen die Jugendlichen aus ihrem Umfeld herausnehmen, bevor die Situation eskaliert», sagt Priska Hänni. Dies soll Lehrer und Klassen entlasten. Ein Vorteil sei, dass die Auszeit bis zu zwölf Wochen dauern kann. «Die Schüler haben somit mehr Zeit, an sich zu arbeiten, als beispielsweise im Time-out.» Zurück in die Regelklasse Ein Allheilmittel gegen schwierige Schüler ist das neue Projekt aber nicht. «Alle Platzierungen in Tagesschulen oder Heimen können wir damit nicht verhindern», sagt Priska Hänni. Bei problematischen Familienverhältnissen zum Beispiel sei die interne Auszeit keine Lösung. Die Schulpflege verspricht sich von dem Projekt aber finanzielle Einsparungen. 58 000 Franken nimmt sie jetzt in die Hand, um die interne Auszeit zu ermöglichen. «Wenn wir mit dieser Massnahme drei Fremdplatzierungen verhindern können, hat sich der Mehraufwand schon gelohnt», sagt Hänni. Oberstes Ziel der Massnahme ist, dass die Kinder danach wieder in die Regelklasse zurückkönnen. Dies sei bisher kaum möglich gewesen. «Wenn ein Kind erst einmal in eine private Schule geht, kommt es nicht mehr zurück.» Denn die Privat- und Tagesschulen seien daran interessiert, ihre Schüler zu behalten. Zwei Jahre will die Oberstufenschulpflege die interne Auszeit testen und dann Bilanz ziehen. «Genau diese Massnahme gibt es im Kanton Zürich bisher noch nirgends, weshalb uns die Erfahrungswerte fehlen.» Führt das Projekt zum Erfolg, wird es fest eingeführt. Wenn die Schulpflege entscheidet, dass ein Jugendlicher, der Schwierigkeiten macht, in einer anderen Schule platziert wird, muss die Schulgemeinde die Kosten für die Privatschule übernehmen. Dies können zwischen 20 000 und 43 000 Franken pro Jahr und Schüler sein. Die Eltern stehen nicht in der finanziellen Pflicht. «Diese tragen in einigen Fällen zwar auch eine Mitschuld am auffälligen Verhalten ihrer Kinder», sagt Schulpflegerin Priska Hänni. «Aber zahlen muss die Schulgemeinde und somit der Steuerzahler.» In einigen Fällen beteiligt sich das Sozialamt an den Kosten – zum Beispiel dann, wenn die familiären Verhältnisse eine Heimplatzierung nötig machen.(rut) Das Oberstufenschulhaus Regensdorf ist ein Pionier in Sachen Fremdplatzierung.Foto: Johanna Bossart

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