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Freilichtspiel in der Kiesgrube

Ab Mitte August steht Illnau drei Wochen lang im Bann von Gottfried Kellers «Kleider machen Leute». Die Organisatoren rechnen mit mehreren Tausend Besuchern.

Von Till Hiemer Illnau-Effretikon – Die Kiesgrube Punt in Ober-Illnau ist längst stillgelegt – doch alle vier Jahre wird sie aus ihrem Dornröschenschlaf geweckt. Dann nämlich führen die Illnauer dort ihr jeweils viel beachtetes Freilichtspiel auf. Diesen August ist es wieder so weit – und erneut werden die Theaterfreunde zu Tausenden an die insgesamt 15 Vorstellungen pilgern. Geboten wird das Stück «Kleider machen Leute» von Gottfried Keller (siehe nebenstehenden Kasten). «Es ist grundsätzlich ein heiteres Werk, das aber durchaus auch tiefschürfende Elemente hat und zum Nachdenken anregt», sagt Urs Weiss, beim Freilichtspiel-Verein verantwortlich für Werbung und Kommunikation. Sogar Pferde auf der Bühne Momentan werden vor Ort die überaus aufwendig gestalteten Kulissen aufgebaut – und zweimal in der Woche wird abends geprobt. «Das ist wichtig, damit die Schauspieler das richtige Feeling für die riesige Bühne bekommen», sagt Weiss. Knapp 50 vorwiegend einheimische Laiendarsteller werden einen Auftritt haben – und zusätzlich drei Pferde. «Eine Freilichtbühne bietet eben viel mehr Möglichkeiten als ein herkömmlicher Theatersaal – dafür ist sie auch eine riesige Herausforderung punkto Beleuchtung und Ton», sagt Weiss. Rund 200 Personen sind insgesamt vor oder hinter den Kulissen involviert – einige bereits seit zwei Jahren. So mussten etwa zeitgenössisch korrekte Kostüme genäht werden, ist die Handlung des Stücks doch Mitte des 19. Jahrhunderts angesiedelt. «Viele unserer freiwilligen Helfer sind regelrecht vom Theatervirus infiziert und seit den Anfängen vor 16 Jahren mit von der Partie», sagt Weiss. Geübt wird unter der Leitung des freischaffenden Profi-Regisseurs Stefan Camenzind. «Unsere Darsteller sind zwar ausnahmslos Laien – aber das Ganze ist schon profimässig gemacht», so Weiss. Die rund hundert Vereinsmitglieder haben sich übrigens frühzeitig mit Gottfried Keller und dessen Leben auseinandergesetzt – und zu diesem Zweck auch das ihm gewidmete Museum in Glattfelden besucht. Budget beträgt halbe Million Dass das Illnauer Freilichtspiel weit mehr ist als ein gewöhnliches Theater, wie es landauf, landab in vielen Dorfsälen aufgeführt wird, erkennt man nur schon am Budget: Über eine halbe Million Franken lassen sich die Organisatoren rund um Alt-Stadtrat Silvio Lerchi das Open-Air-Spektakel kosten. Rund die Hälfte davon soll durch die Ticketeinnahmen gedeckt werden. Sämtliche der 583 Plätze kosten 42 Franken. «Der Vorverkauf ist gut angelaufen. Wir rechnen mit einer Auslastung von 90 Prozent», so Weiss. Was auf den ersten Blick reichlich optimistisch tönt, stützt sich auf Erfahrungswerte. «Normalerweise sind wir restlos ausverkauft. So sind zu den Aufführungen vor vier Jahren 7500 Besucher gekommen – notabene trotz des damals ausgesprochen schlechten Wetters», erinnert sich Weiss. Damals standen «Die Schildbürger» auf dem Spielplan. Und 2004 beim Weltkriegsstück «Summer 1942» sei sogar die 10 000er-Grenze geknackt worden. Begonnen hatte alles 1995, als zum 1250-Jahr-Jubiläum der Stadt das «Chrutmahl» präsentiert wurde. Die zweite Viertelmillion wird übrigens hauptsächlich durch Sponsorengelder des lokalen Gewerbes sowie einen Zustupf aus der Stadtkasse gedeckt. «Wir werden aber auch 80 000 Franken unserem Eigenkapital entnehmen müssen», betont Weiss. Auch die Festbeiz, die rund einen halben Kilometer entfernt in einem Zelt bei einem Bauernhaus untergebracht ist und wo 400 Gäste vor der abendlichen Vorstellung verköstigt werden können, soll Gewinn abwerfen. «Der Theaterbesuch soll fürs Publikum ein ganzheitliches Erlebnis werden», sagt Weiss. Wer sich das Stück nicht mit allzu vollem Magen zu Gemüte führen will, kann sich hinter den gedeckten Tribünen mit Snacks verpflegen. Das Stück feiert am Mittwoch, 10. August, Premiere. Tickets für alle 15 Aufführungen gibt es unter anderem an den Bahnhöfen Effretikon, Fehraltorf und Pfäffikon sowie im Internet unter www.ticketino.ch oder Telefon 0900 441 441.www-kleidermachenleute.ch Von einer Anhöhe aus wird das Publikum das Theaterstück «Kleider machen Leute» in der Ober-Illnauer Kiesgrube Punt verfolgen können. Foto: Till Hiemer

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