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Freiwilliges Engagement nach der Pensionierung

Ein neues Porträt-Buch zeigt Pensionäre, die ihr Wissen und ihre Erfahrung in gemeinnützigen Projekten weitergeben.

Von Ulrike Hark Die gute Absicht, das Erfahrungswissen der älteren Generation anzuzapfen und für die Zivilgesellschaft nutzbar zu machen, ist nicht neu. Und sie ist nicht immer erfolgreich, denn die Bedürfnisse der Senioren und der Nutzen für andere müssen unter einen Hut gebracht werden. Doch das vier Jahre alte Netzwerk Innovage, eine Initiative des Migros-Kulturprozents mit der Hochschule Luzern – Soziale Arbeit, scheint auf gutem Weg zu sein. 120 Beraterinnen und Berater engagieren sich derzeit unentgeltlich bei Einrichtungen im sozialen und kulturellen Bereich. Seit einem Monat ist Innovage auf nationaler Ebene als unabhängiger Verein organisiert. All dies hat TA-Redaktor Beat Bühlmann bewogen, im Auftrag des Migros-Kulturprozents ein Buch herauszugeben, das die Arbeit des Netzwerks aus verschiedenen Blickwinkeln mit Reportagen, Fachartikeln, Grafiken und Porträts ausleuchtet. Als Autoren sind zum Beispiel Maja Graf, François Höpflinger und Colette Peter dabei. Die Porträts im Buch erzählen davon, wie sich Menschen aus qualifizierten Berufen und Positionen nach der Pensionierung entschlossen haben, ihre Zeit und ihre Erfahrung für dieses «Experiment» einzusetzen. Emanuel Hafner aus der Zentralschweiz beispielsweise, der viele Jahre in der Konzernleitung des Telecomunternehmens Ascom tätig war, erarbeitete eine Machbarkeitsstudie zur Nachbegleitung im Straf- und Massnahmenvollzug. Er studierte Fachliteratur und Konzepte, besichtigte Gefängnisse, die er mit 69 Jahren zum ersten Mal von innen sah: «Das alles hat meinen Horizont enorm erweitert», sagt er. In einem zweiten Projekt engagiert sich Hafner jetzt für die Caritas, die in Zug ein Lebensmittelgeschäft für Menschen mit geringem Einkommen eröffnen will. Das Helfersyndrom ist Hafner fremd, für Sandkastenübungen sei er nicht zu haben, und so kritisiert er unverhohlen einzelne Trittbrettfahrer bei Innovage: «Die fürchten die Langeweile im Alter und engagieren sich nur nach Lust und Laune.» Auch Knackpunkte beleuchtet Das Spektrum der Einsatzbereiche ist breit, es reicht vom Fundraising für die Krebsforschung bis zur Berufsintegration von Jugendlichen, vom «Surprise»-Chor bis zur Beratung von fremdsprachigen Stellensuchenden. Es ist ein Pluspunkt des klar strukturierten und attraktiv bebilderten Buchs, dass es kritische Stimmen und problematische Aspekte der Freiwilligenarbeit nicht ausspart. Knackpunkte sind unter anderem die «Kooperationskultur», die Art der gegenseitigen Anerkennung sowie die Tatsache, dass sich noch immer nicht genügend Projekte generieren lassen. Auch dazu will das Buch seinen Beitrag leisten. Beat Bühlmann (Hrsg.) Die andere Karriere, gesellschaftliches Engagement in der zweiten Lebenshälfte.Interact Luzern, 2010. 213 S., ca. 39 Fr.

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