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Garantieverweigerung: Discounter zeigt Mitsubishi Schweiz bei Weko an Autodiscounter verzeigt Mitsubishi

Wettbewerbskommission untersucht ersten grösseren Fall von Behinderung bei Auto-Parallelimporten.Die Weko bearbeitet den ersten grösseren Fall Unterzeile (max. 2-zeilig) Dies ist der Artikeltext. Er wiederholt sich jetzt mehrfach. Ein Weiterlesen ist nicht erforderlich.

Von Andreas Flütsch Das Angebot von Auto Discount Uster war verlockend. Nur 28 800 Franken sollte der Mitsubishi Grandis Van mit 2,4-Liter-Motor, drei Sitzreihen, Tiptronic und getönten Scheiben im Februar kosten, ein Viertel weniger als beim Schweizer Mitsubishi-Händler. «Direktimport» aus dem Ausland mache den «konkurrenzlosen Preis» möglich, sagte der Verkäufer, dennoch biete der Wagen alle Vorteile einer «Werksgarantie». Peter Casanova*, der einen Van für seine Reisen in den Süden brauchte, schlug zu, obwohl der Verkäufer bei Extras wie einem Hundegitter abwinkte. Der Wagen werde so verkauft, wie er dastehe. Der Ärger kam erst, als Casanova realisierte, dass Servicehandbuch, Betriebsanleitung und Garantie in kyrillischer Schrift abgefasst waren. Der Verkäufer sagte bloss, er solle doch bei Mitsubishi eine deutsche Version beschaffen. Umgehend protestierte Casanova in einem eingeschriebenen Brief, er sei getäuscht worden: «Direktimport eines japanischen Autos heisst für mich, dass das Auto direkt aus Japan und nicht aus Russland stammt», schrieb Casanova. Er kaufe grundsätzlich keine Ware aus Russland. «Hätte ich dies vor dem Abschluss gewusst und ich meine, der Verkäufer hätte mich darauf aufmerksam machen müssen –, wäre kein Kauf zustande gekommen.» Auto Discount Uster reagierte weder auf Anrufe noch Mails von Casanova, auch nicht auf seine Mängelrüge. Kein Wunder, denn das angeblich «grösste Autohaus der Schweiz» ist eine reine Verkaufsfirma, sie unterhält weder teure Garagen noch Ersatzteillager, macht weder Service- noch Garantiearbeiten. Der verunsicherte Schnäppchenjäger schickte die Papiere einem Anwalt, der das Wichtigste übersetzte. Die Garantie sei nicht in Russisch, sondern in ukrainischer Sprache abgefasst. Der Mitsubishi stamme aus Kiew, er habe eine dreijährige Werksgarantie, beschränkt auf 100 000 Kilometer, ausgestellt von Mitsubishi Motors Europa in Holland. Verweigerung kein Einzelfall Im August, also erst ein halbes Jahr nach dem Autokauf, wurde Auto Discount Uster aktiv und zeigte Mitsubishi bei der Wettbewerbskommission (Weko) an. «Wir haben die Weko darüber informiert, dass Mitsubishi Schweiz bei Direktimporten in mehreren Fällen die Garantie verweigert und zudem technische Unterlagen für die Homologierung nicht herausgibt», sagt Mario Flückiger, Geschäftsführer von Auto Discount Uster. «Es handelt sich um den ersten grösseren Fall in den letzten zwei Jahren, in dem vorgebracht wird, der Parallelimport von Autos werde mit einer gewissen Systematik behindert», bestätigt Patrik Ducrey, Stellvertretender Direktor der Weko, dem TA den Eingang der Anzeige aus Uster: «Wir fordern nun in einem nächsten Schritt Mitsubishi Schweiz auf, zu den Vorwürfen Stellung zu nehmen.» Mit den Generalimporteuren anderer Automarken gebe es wenig Probleme bei Parallelimporten, sagt Ducrey, dort hat die Weko bloss «Einzelanfragen von Konsumenten erhalten». Casanovas Leidensweg ist trotz Weko-Untersuchung nicht zu Ende. Ein «zuvorkommender» Mitsubishi-Garagist, an den er sich wandte, konnte ihm nicht weiterhelfen. Die Garage könne ihm leider kein Schweizer Serviceheft verschaffen, weil laut Mitsubishi Schweiz «der Ablieferservice nicht gemäss den vom Hersteller erlassenen Richtlinien durchgeführt wurde». Inzwischen habe er immerhin Bedienungsanleitung und Serviceheft auf Deutsch, sagt Casanova, dafür musste er aber 198 Franken zahlen. Im Juli schrieb der Chef von Mitsubishi Schweiz Casanovas Anwalt, selbst bei Mitsubishi-Fahrzeugen, die in der EU, in EWR-Ländern oder in der Schweiz zugelassen würden, brauche es eine «Einzelfallprüfung», ob die Voraussetzungen der Garantie erfüllt seien. Zudem gehöre «die Ukraine nicht zum Europäischen Wirtschaftsraum». Und die im Kaufvertrag von Auto Discount Uster angegebene Chassisnummer habe man im System nicht gefunden. Ein Ablenkmanöver, sagt Casanova: «Ich gab dem Mitsubishi-Garagisten ein Foto der Chassis-plakette, er fand das Auto sofort im System.» Aus dem Verhalten von Mitsubishi Schweiz schloss Casanova schliesslich, dass diese ihm keine Bestätigung geben will, dass die Garantie gilt. Dabei ist im von Mitsubishi Europa stammenden ukrainischen Serviceheft von «europäischer Garantie» die Rede. Und in der Garantie steht laut Casanovas Anwalt explizit, dass die Länder Schweiz, Frankreich und Spanien, wo Casanova den Van benutzt, zum Geltungsbereich gehören. Nicht grundsätzlich bestritten Der Chef von Mitsubishi Schweiz sagt inzwischen, die Garantie werde nicht grundsätzlich bestritten. Garantien von Autos aus der EU, aus Norwegen und Liechtenstein würden selbstredend honoriert. Auch im vorliegenden Fall werde «seriös» geprüft, ob die Voraussetzungen für eine Garantie erfüllt seien. «Ich habe von Mitsubishi Schweiz bis heute keine klare Aussage, ob sie die Garantie anerkennt», sagt Casanova. Die Weko muss nun klarstellen, wie umfassend der Garantieschutz von direkt aus Europa importierten Autos ist. Und Casanova wird erfahren, wie viel die von Mitsubishi Europa versprochene «Europa-Garantie» wirklich wert ist. *Name von der Redaktion geändert «Jetzt sparen», verspricht Auto Discount Uster, das «grösste Autohaus der Schweiz». Foto: Natalie Guinand

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