Zum Hauptinhalt springen

Gesellschaft Daniel Hell: Gestutzte Seele, beflügeltes Gehirn, TA vom 14. 4.«Nicht die Neurowissenschafter sind schuld»

Gesellschaft Daniel Hell: Gestutzte Seele, beflügeltes Gehirn, TA vom 14. 4.«Nicht die Neurowissenschafter sind schuld» Die Kindesseele beflügeln. Es ist eine Kunst, mit Feinfühligkeit und Klarheit das Thema «Seele-Gehirn» anzugehen, und es ist übrigens nicht das erste Mal, dass ich mich freue, einen Text von Daniel Hell, dem bekannten Zürcher Psychiater und Buchautor, im «Tages-Anzeiger» zu lesen. Ja, es birgt eine nicht zu unterschätzende Gefahr, das Seelische als Hirnprozess zu erklären. Als Pädagogin versuche ich stets, die Erkenntnisse der Neurowissenschaft und der Hirnforschung so zu deuten, dass diese mir zur Inspirationsquelle im Unterricht werden können, damit die Kindesseele beflügelt und zur Tat freudig motiviert wird. Dem subjektiven Fühlen und Denken einen Raum in Form von selbstbestimmtem Lernen und Eigenständigkeit in der Wahl der Aufgaben zu ermöglichen, ist zentral. Was geschieht, wenn dieser Kategorienfehler überhandnimmt und die Seele als Gegenstand betrachtet wird? Da kommen mir die grauen Männer im Buch von Michael Ende, «Momo», in dem Sinn . . . ! Marion Wagner, Zürich Aus der Seele sprechen. Daniel Hell ist sehr zu danken für dieses Bekenntnis zur Seele. Ich sage ja auch nicht: «Sie sprechen mir aus dem Hirn», sondern «. . . aus der Seele». Die Gleichsetzung des Gehirnes mit dem immateriell Seelischen im Menschen ist eine beängstigende Entwicklung bei den betreffenden Wissenschaften. Vor allem, weil auch die Methoden der seelischen Heilung von der körperlichen Seite her angegangen werden. Die Psychiatrie müsste sich an die Seele richten und nicht mit Pillen die Heilung auf die körperliche Schiene stellen. Peter Thalmann, Urdorf Eine Seele haben oder beseelt sein. Im Artikel wird meines Erachtens zu Recht die Gleichsetzung der Seele mit dem Gehirn als falsch moniert. Ich mag aber nicht erkennen, dass die Neurowissenschafter für diese Gleichsetzung die Schuld tragen. Die meisten Neurowissenschafter scheinen unter der Seele, besser der Beseeltheit, ein Emergenzphänomen zu verstehen. Dass wir überhaupt von einer Seele sprechen, hat wohl damit zu tun, dass der Mensch im Laufe seiner Evolution ein immer höheres Abstraktionsvermögen entwickelt hat, indem er zuerst seine materielle Umwelt gedanklich konzeptualisiert und kategorisiert hat und sprachlich mit Substantiven und Adjektiven benannt und bezeichnet hat: Die Blume ist schön, der Mensch ist beseelt, das Wasser ist warm. In nächsten Abstraktionsschritten haben sich Substantivierungen entwickelt, welche diesen Eigenschaftsworten entsprachen. Gedanklich hat sich damit wohl die Vorstellung verbunden, dass diesen heute als abstrakt verstandenen Konzepten etwas Stoffliches oder gar Entitätshaftes mit einer Identität (wie etwa der Seele eines einzelnen Menschen) zugrunde liegt. Natürlich versuchen Neurowissenschafter erfolgreich, zu menschlichen Verhaltensweisen, welche im Zusammenhang mit besagter Beseeltheit, die sich etwa in Empathie, Freude, Angst etc. äussert, sogenannte neuronale Korrelate zu finden. So erstaunt es nicht, dass bei Menschen mit psychischen Störungen (früher etwa in gewissen Kulturen als «vom bösen Geist beseelt» bezeichnet) vermehrt auch anatomische oder funktionelle Veränderungen des Hirns feststellbar sind. Die Gleichsetzung dieser Korrelate mit der psychischen Befindlichkeit, (oder mit der Wahrnehmung der Befindlichkeit durch Dritte), der Beseeltheit mit dem Gehirn, wie im Artikel zu Recht bemängelt, wäre aber ebenso falsch wie die Gleichsetzung der Schönheit der Blume mit der Blume selbst, der Tragfähigkeit mit dem Baumstamm oder der Wärme mit dem Wasser. Dafür sind aber nicht die Neurowissenschafter zu rügen. Die Wegbereitung des «Kurzschlusses der Seele mit dem Gehirn» scheint mir eher ein journalistisches oder vermarktungstechnisches als ein neurowissenschaftliches Problem zu sein. Es entspringt wohl dem Umstand, dass einerseits viele Menschen nicht bereit sind, sich vertieft in ein Wissensgebiet einzuarbeiten, und andererseits viele Medien wissenschaftliche Erkenntnisse lediglich in verzerrter Kurzform zur Lektüre anbieten. Hansruedi Baetschmann, ErnetschwilDoktorand der Neurowissenschaften Universität Zürich Dies ist der Artikeltext. Er wiederholt sich jetzt mehrfach. Ein

Dieser Artikel wurde automatisch aus unserem alten Redaktionssystem auf unsere neue Website importiert. Falls Sie auf Darstellungsfehler stossen, bitten wir um Verständnis und einen Hinweis: community-feedback@tamedia.ch