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Grüne Oasen im Industrieviertel

Sogar Industriequartiere haben mitunter Schönes und Lauschiges zu bieten: einen schattigen Sitzplatz im Freien, Apfelbäume, Blumenrabatten und kleine Naturoasen am Bach – ein Streifzug durch die Burgdorfer Buchmatt.

Das Industriequartier Buchmatt ist, im Gegensatz zur Altstadt, nicht gerade ein Schmuckstück von Burgdorf. Zwischen dem Kreisel bei McDonald’s und dem Tiergartenkreisel erheben sich links und rechts der stark befahrenen Strasse Silos, Lagerräume und Fabrikgebäude in Beton, Stahl und Glas – man könnte sich Schöneres vorstellen. Und doch: Wer durch das Industrieviertel bummelt und die Augen offen hält, entdeckt zu seiner Verwunderung viel Schönes, das als kleine Farbinseln und grüne Oasen zwischen der nüchternen Zweckarchitektur ein zumeist unbeachtetes Dasein fristet.Die Zeughaus-IdylleVon der Stadtseite her markiert das stillgelegte Zeughaus den Eingang zum Industrieviertel. Erstaunlich, aber wahr: Ausgerechnet dieser kriegerische Gebäudekomplex verströmt eine friedliche Behäbigkeit, wie sie sich im ganzen Quartier nicht so schnell ein zweites Mal findet. Die wuchtigen, tief herunterreichenden und zum Teil vom dichten Laub zahlreicher Kastanien verdeckten Dächer des Gebäudekomplexes erinnern weit mehr an ein stattliches landwirtschaftliches Anwesen denn an eine martialische Einrichtung – ein Eindruck, der von den Apfelbäumen entlang des Trottoirs und den friedlich weidenden Schafen auf den Grasflächen massgeblich verstärkt wird.Auch bei der Firma Gloor auf der gegenüberliegenden Strassenseite sucht das Auge nicht vergebens nach einem lauschigen Element: Unter einer schattigen Baum- und Strauchgruppe laden zwei Bänke zum Warten und Verweilen ein, und beim Eingangsbereich schmiegt sich ein Tulpenbaum fast verliebt an die Hausfassade. Ein Rosenbeet vervollständigt das grüne Ensemble. Wer die in der Automobilbranche tätige ESA aufsucht, bekommt noch vor Betreten des Gebäudes quasi ein Empfangsbukett: Die Parkfelder sind von einer Rabatte gesäumt, auf der malerisch gruppiert Salbei, Gladiolen und Sonnenhüte wachsen, und nahe bei der Eingangstür – dort, wo drei Fahnen hoch auf ihren Masten wehen – breitet sich eine liebevoll bepflanzte Blumeninsel mit Hortensien, Sonnenhüten, Ehrenpreis und Prachtscharten aus.Kunst mit der GartenschereEin Hauch fernöstlicher Exotik ist bei der Gerber Auto AG auszumachen. Hier sind die einzelnen Äste einiger Thuyasträucher mit der Schere sorgfältig in eine Schirmform gebracht worden, wie es in der japanischen Gartenkultur Tradition hat. Auch bei der Obipektin weiss man den Formschnitt offensichtlich zu schätzen: Zwischen dem Verwaltungsbau und der Lagerhalle, wo sich Hunderte von blauen Fässern stapeln, ragen auf einem schmalen Rasenstück mehrere kegelförmig gestutzte Eiben auf, und auch der Eingang zum Firmenareal ist von Formsträuchern flankiert.Fast wie im RegenwaldEin idyllischer Anblick bietet sich zwischen der Mühle Dür und dem sogenannten Dienstleistungsgebäude Burgdorf: Der sanft dahinplätschernde Mühlebach wird von einem kurzen, aber schönen Streifen Wildvegetation gesäumt, der sich aus Birke, Esche, Wildkirsche, Schlehdorn und Hasel auenwaldartig zusammensetzt. Diese kleine Wildnis findet an der Westflanke von Fust am Ende des Industriequartiers ihr Gegenstück: Hier wuchert zwischen den Ulmen und Eschen ein dichtes Geschlinge von Waldreben in die Höhe und bildet einen derart dichten Blättervorhang, dass man sich mit etwas Fantasie im amazonischen Regenwald wähnen könnte, wenn da nicht die Lastwagen wären, die in reger Frequenz vorbeidonnern.Ein Stückchen Wildnis wuchert auch entlang des Lyssachteilbachs zwischen der Roth Holzleimbau und Stahlbau AG und der Yposmed. Vor allem Weiden und Hartriegelsträucher prägen das Bild. Jenseits des Baches grasen auf einer Wiese sogar ein paar Lamas. Eines von ihnen hebt misstrauisch den Kopf, widmet sich dann aber wieder dem Gras. Der Bach rauscht und gurgelt. Hier würde man sich gerne ein wenig hinsetzen und den Bienen zuschauen, die sich an den Wildblumen des schmalen Wiesenstreifens gütlich tun. Wenn es nicht gerade mitten im Industriequartier wäre – denn ein solches ist und bleibt die Buchmatt, trotz der Bäume, Sträucher und Blumen, die hier kleine Oasen bilden.Hans Herrmann«Versteckt – entdeckt»: Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der «Emmental»-Redaktion haben im Rahmen dieser Serie, die mit dem aktuellen Beitrag endet, spezielle Orte aufgesucht. Solche, von denen sie schon gehört, die sie aber noch nie selber besucht haben. Oder solche, die vielen bekannt sind, auf die sie aber einen ganz eigenen Blick werfen. Die Serienteile im Überblick: «Kleines Moos, grosser Nutzen» (9.Juli), «Ein verstecktes Idyll – wie früher» (14.Juli), «Man hört nur Zwitschern und Plätschern» (25.Juli), «Auf zur wohl ältesten Bernerin» (30.Juli), «Die Seele im Seil baumeln lassen» (5.August).>

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