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Hallydays Rock ’n’ Roll mit dem Fiskus

Frankreichs Nationalrocker mit Schweizer Wohnsitz, Johnny Hallyday, hat erneut Probleme mit den Pariser Steuerbehörden.

Von Oliver Meiler, Marseille Man kann nicht behaupten, dass Johnny Hallyday im Herbst seiner Karriere für schöne Schlagzeilen sorgen würde. Obschon den Franzosen nichts lieber wäre. Nach den Wirren um eine schiefgelaufene Rückenoperation, nach den nie verstummten Sorgen wegen seiner Alkoholsucht und nach dem Zerwürfnis mit seinem langjährigen Manager berichtet das Wochenblatt «Le canard enchaîné» in seiner jüngsten Ausgabe nun von neuerlichen Problemen mit dem Fiskus. Die Zeitung schreibt von einem «dicken und gut gestützten Dossier», das die Pariser Steuerfahnder in den Händen hätten gegen den 67-jährigen «Johnny national», Frankreichs Antwort auf Elvis Presley. Bei zwei Überraschungsbesuchen bei Hallydays Steuerberatern und Buchhaltern kam offenbar viel Material zusammen. Der Rockstar wird verdächtigt, den Fiskus zu betrügen. Eine «gewagte Firmenmontage» Diesmal geht es nicht um die Versteuerung seines privaten Vermögens, das seit seinem viel diskutierten Umzug in die Schweiz der Gemeinde Gstaad obliegt, sondern um die geschäftlichen Belange. Die Fahnder vermuten, Hallyday verberge sein Business hinter einer «gewagten Montage» von Firmen in Luxemburg und in französischen Überseedepartementen. Dabei handelt es sich unter anderem um die Rechte an seinen Liedern und um seinen Immobilienpark. Er entziehe sich so dem Zugriff der französischen Behörden. Noch ist Hallyday nicht angeklagt. Noch laufen die Untersuchungen. Doch sein Ruf als Steuerzahler ist nach früheren Verfahren bereits nachhaltig angeschlagen. Ein Freund von Nicolas Sarkozy Für viel Aufregung sorgte Hallyday, der bürgerlich Jean-Philippe Smet heisst, 2006, als er öffentlich machte, dass er fortan in Gstaad, wo er ein Chalet besitzt, Steuern bezahle. 900 000 Franken waren es angeblich 2009. In Frankreich, so rechtfertigte er sich einmal, betrage sein Steuersatz 72 Prozent. Hallyday behauptete damals in einem Interview mit «Le Matin», sein Freund Nicolas Sarkozy habe ihm zum Wohnsitzwechsel gratuliert: «Er sagte zu mir:‹Coco, du wolltest das tun, du hast es getan – und du hast gut gehandelt.›» Das war ein Jahr bevor Sarkozy französischer Staatspräsident wurde und sich seine offizielle Rhetorik zur Steuerflucht dramatisch veränderte. Der «Canard enchaîné» erinnert nun auch daran, wie Hallyday damals versprach, nach einer allfälligen Wahl Sarkozys sofort in die Heimat zurückzukehren. Auch als Steuerzahler. Er sei schliesslich Franzose und Patriot. Und Sarkozy sollte ja einen sogenannten «Steuerschild» für Grossverdiener einrichten, dank dem kein Franzose mehr als 50 Prozent seiner Einkünfte abliefern muss. Die Wahl ist nun bald vier Jahre her; der umstrittene Steuerschild gibt es auch. Doch der Alt-Rocker ist noch immer in Gstaad: nicht sehr oft zwar, aber sehr steuerrelevant. Hallyday versprach, nach einer Wahl Sarkozys zum Staatspräsidenten in die Heimat zurückzukehren. Johnny Hallyday mit seiner Frau Laeticia am Filmfestival von Cannes.Foto: Keystone

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