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Happige Tarife für «Trockenbader»

Das Hallenbad Kilchberg verlangt von Begleitpersonen Eintritt, wenn sie Kinder in den Schwimmkurs bringen. Andere Hallenbäder in der Region sind diesbezüglich kulanter.

Begleitpersonen bezahlen keinen Eintritt, dürfen die Schwimmhalle aber nicht betreten. Kinder, die den Schwimmkurs besuchen, werden vor der Schwimmhalle gesammelt und dann durch eine Glastür in die Halle geschleust. Kinder, die den Schwimmkurs besuchen, bezahlen ab 6 Jahren den halben Eintrittspreis (2.50 Franken). Begleitpersonen bezahlen keinen Eintritt, wenn sie die Infrastruktur nicht beanspruchen. Sie dürfen jedoch in angemessener Kleidung die Schwimmhalle betreten und dem Schwimmkurs zuschauen. Das Kind,das den Schwimmkurs besucht, bezahlt unabhängig vom Alter den ermässigten Eintritt von 3 Franken. Begleitpersonen bezahlen keinen Eintritt, sofern sie ihre Kinder bis zur Übergabe an die Schwimmlehrerin begleiten und die Schwimmhalle wieder verlassen. Kinder zwischen 6 und 17 Jahren, die den Schwimmkurs besuchen, bezahlen den Kindertarif (2.50 Franken). (ema) Von Ev Manz Kilchberg – Regula Keller* hat sich nach dem neuen Kilchberger Hallenbad gesehnt: Endlich kann ihr Sohn wieder vor der Haustür einen Schwimmkurs besuchen. Doch schon nach dem ersten Kurstag war ihre Freude getrübt. Damit sie ihren Sohn der Schwimmlehrerin in der Halle übergeben konnte, musste sie selber den vollen Eintrittspreis bezahlen. Der ist mit 8 Franken im Vergleich mit anderen Hallenbädern hoch. Und da sie ihre kleine Tochter währenddessen nicht unbeaufsichtigt lassen wollte, musste sie zusätzlich einen halben Eintritt lösen. «Für zweimal zehn Minuten Begleitung 12 Franken zu verlangen, ist doch absurd», sagt Keller. Dazu kommen weitere 4 Franken für den Eintritt des Sohnes. In Kilchberg bezahlen Kinder ab dem vierten Altersjahr den halben Eintrittspreis. Keller zahlte damit an jedem Kurstag 16 Franken Eintritt. WC-Besuch inbegriffen Kinder unter zehn Jahren dürfen das Bad in Kilchberg nur in Begleitung Erwachsener betreten. Das besagt die Baderegel. Keller hat dafür vollstes Verständnis. Nicht jedoch für den Preis, den sie dafür zahlen muss. Sie fragte deshalb gleich nach dem ersten Kurstag an der Kasse nach, worauf diese Richtlinien basierten. Es hiess, das sei in Kilchberg seit Jahren Usus, man könne für den Preis auch das WC benützen, die Hände waschen oder baden gehen. «Doch diese Argumentation stellt die Regel völlig in den Schatten. Es geht um die Grundhaltung. Da fühle ich mich in Kilchberg als Familie nicht willkommen», sagt Keller. Sie gelangte daraufhin an die Gemeinde, im Wissen, dass es anderswo grosszügiger gehandhabt wird (siehe Kasten). Auf das Begehren von Keller hin revidierte Kilchberg das Eintrittssystem. Künftig müssen die Begleitpersonen nur noch den halben Eintrittspreis bezahlen. Die Gemeinde argumentiert, sie sei ans Budget gebunden und müsse die Kosten des für gut 16 Millionen Franken sanierten Bades decken. Keller gibt sich mit dieser Antwort nicht zufrieden. Als Steuerzahlerin leiste sie bereits einen Beitrag zum Hallenbad. «Da verstehe ich nicht, weshalb die Gemeinde fürs Begleiten überhaupt einen Beitrag verlangt. Ich nehme ja absolut keine Leistungen in Anspruch», sagt sie. Stattdessen konsumiere sie während der 30-minütigen Wartezeit einen Kaffee oder gar mehr im Bistro. Ihr ist es auch ein Anliegen, auf andere Kilchberger Familien Rücksicht zu nehmen, für die schon der Preis des Schwimmkurses kaum erschwinglich ist, geschweige denn das zusätzliche Ticket für die «Trockenbader». Eine andere Haltung zeigen die Verantwortlichen des Hallenbades Langnau. «Wer nur in der Halle ist, ohne zu schwimmen, der braucht ja unsere Infrastruktur nicht», sagt Bademeister Thomas Hurni. Man sei im Gegenteil froh, dass mit den Eltern weitere Aufsichtspersonen anwesend seien. Aus ähnlichen Überlegungen gebe es auch keine Altersgrenze, ab welcher Kinder sich alleine im Bad aufhalten dürfen. Grundsätzlich sei für die Kinder die Begleitung einer erwachsenen Person Pflicht. Mögliche Abwanderung Die Eltern in die Verantwortung zu ziehen, das begrüsst auch Schwimmlehrerin Monika Rossi. Deshalb steht sie hinter den Baderegeln in Kilchberg. Doch sie kennt auch die Handhabung von Langnau, wo sie ebenfalls unterrichtet, und schätzt die Flexibilität. «Deshalb könnte ich mir schon vorstellen, dass sich in absehbarer Zeit Eltern von Kilchberg abwenden und ihre Kinder in einem anderen Hallenbad in den Kurs schicken», sagt sie. Keller will Kilchberg vorderhand treu bleiben: «Das Hallenbad Kilchberg erreichen wir zu Fuss. Es wäre ja widersinnig, dafür Kilometer mit dem Auto zu fahren.» Und sie gibt die Hoffnung nicht auf, dass Kilchberg nach dem ersten Rummel ums neue Hallenbad das Eintrittsregime aus Distanz betrachten und familienfreundlicher gestalten wird. * Name der Redaktion bekannt

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