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Hausbesetzer fühlen sich wie in einem Krimi

In der von Aktivisten bewohnten Villa Schulthess in Stäfa herrscht eine gespenstische Atmosphäre.

Von Regine Imholz Stäfa – Für Silvester hatte eine anonyme Gruppierung zum Umtrunk an die Goethestrasse 8 in Stäfa eingeladen. Die Aktivisten wollten damit auf die Problematik der leerstehenden Gebäude im Dorf aufmerksam machen. Besucher tauchten zwar kaum auf – doch die wenigen, die kamen, blieben gleich dort. Unterdessen haben sich rund zehn junge Besetzer in den Zimmern der alten Villa eingenistet. Ihre Ziele sind noch etwas vage, in einem sind sie sich jedoch einig: Sie wollen Leben in die Bude bringen. In den Räumen der Villa Schulthess, wie sie im Dorf genannt wird, ist es eiskalt. Seit drei Tagen sind die Besetzer, die sich Familie Müller nennen, am Entrümpeln. Ein Vorhaben, das noch längere Zeit beanspruchen dürfte, denn die vielen Zimmer sind nicht nur mit Möbeln und alten Koffern vollgestopft, sondern auch mit Müll. So fanden die Aktivisten im Kühlschrank Butter und Joghurts aus dem Jahr 2004. «Es sah einfach Messie-mässig aus», sagt eine junge Besetzerin. Manche Räume in der muffigen Villa muten schon fast gespenstisch an. Es sieht aus, als ob die ehemaligen Bewohner mitten aus ihrer Tätigkeit heraus urplötzlich verschwunden wären. Papiere liegen auf dem Sekretär, ein Buch scheint nur schnell beiseitegelegt worden zu sein, und überall liegen Unmengen von Kleidern herum. Ganz unheimlich wird es im 1. Stock. Hier gibt es einen Computer, abgeschraubte Überwachungskameras, Mikrofone, Sensoren – und ein Buch über Spionage. «Das ganze Haus war verkabelt», sagt ein Aktivist. Auch um das Haus habe per Kameras alles überwacht werden können. Selbst am Computer sei eine Kamera installiert gewesen. Die Leute vermuten, dass sich der Sohn der Besitzerin als «Spion» betätigte. Es ist ein bisschen wie in einem Krimi», sagt eine junge Frau. Vieles erscheine rätselhaft. Ein Fall für die Polizei Die Besetzer sind zwischen 20 und 35 Jahre alt. Sie arbeiten als Gartenbauer, Techniker oder sind am Studieren. Sie nächtigen in Schlafsäcken auf Matratzen und wärmen sich an uralten Heizgeräten, die sie im Haus gefunden haben. Wie sehen ihre Pläne mit der alten Villa aus? «Im Moment diskutieren wir nur darüber, was wir als Nächstes entrümpeln», sagt ein Besetzer, da bleibe keine Zeit für grosse Visionen. «Wir möchten dieses Haus aktiv beleben», sagt einer der Männer etwas vage. Man wolle einerseits darin wohnen und anderseits einen Kulturkeller betreiben. Die Besetzer sind bereit, sehr viel Arbeit in das Gebäude zu stecken – und auch Geld. Bedingung sei jedoch, dass sie für 10 bis 15 Jahre dort bleiben könnten, fügt ein anderer an. Solche langfristige Pläne dürften allerdings ins Reich der Träume gehören. Daran lässt die Stellungnahme der Gemeinde keine Zweifel: «Das Haus ist für die Besetzer fremdes Eigentum», sagt Gemeindeschreiber Daniel Scheidegger. «Die haben dort nichts verloren.» Es handle sich klar um Hausfriedensbruch und damit um eine illegale Handlung. «Mit diesem Fall», sagt Scheidegger, «wird sich in erster Linie die Polizei beschäftigen müssen.» Seit Silvester halten junge Leute eine alte Villa in Stäfa besetzt. Sie wollen dort auf Dauer bleiben. Foto: Regine Imholz

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