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Homer Simpson als Werbeträger missbraucht

Kreativ sein wollte die Leiterin der Spar-Filiale in Männedorf. Doch ihr Reklameplakat für Duff-Bier rief die Alkoholprävention auf den Plan.

Von Patrick Gut Männedorf – Famos schaut er aus, der Kerl mit der gelben Fratze, den charakteristischen zwei Haaren auf dem Kopf und dem breiten Grinsen. In der Hand hält er eine Büchse Duff-Bier. Homer Simpson, die Hauptfigur der amerikanischen Zeichentrickserie «Die Simp-sons», prangt auf einem handgemalten Plakat in der Grösse von 100 auf 70 Zentimeter. Geschaffen hat es Esther Widmer, Spar-Filialleiterin in Männedorf. In der Freizeit, wie sie sagt. Das Plakat diente, in einem verglasten Holzrahmen aufgehängt, zu Werbezwecken im Männedörfler Spar. Seit neustem verkauft der Detaillist Duff-Bier. In der Zeichentrickserie trinkt Homer ausschliesslich Duff-Bier. Auf Deutsch bedeutet das wertlos, dumm, inkompetent. Es ist nicht lizenziert und wird in der deutschen Eschweger Klosterbrauerei gebraut. Die Twentieth Century Fox Film Corporation versuchte, den Vertrieb zu unterbinden, unterlag jedoch. In der Schweiz vertreibt Spar das Bier exklusiv. «Von unserer Firmenzentrale aus wird erwartet, dass wir kreativ sind», sagt Esther Widmer. Und nichts anderes wollte sie sein. Problematische Aktion Doch Widmer hatte die Rechnung ohne das Blaue Kreuz Zürich gemacht. Von Radio Zürisee befragt, äusserte sich Geschäftsführer Stephan Kunz kritisch zur Werbeaktion. Das tut Kunz auch weiterhin. «Ich halte es für höchst problematisch, wenn mit einer‹Simpsons›-Figur Werbung für das Bier gemacht wird», sagt Kunz. Jugendliche würden sich die Zeichentrickserie gerne anschauen und nun durch das Plakat mit Homer Simp-son direkt angesprochen. Und dies vor dem Hintergrund, dass das Alter, ab dem Jugendliche Alkohol konsumieren würden, ständig sinke. «Marketingtechnisch ist das‹Simp-sons›-Plakat vielleicht eine gute Idee, gesellschaftspolitisch ist es aber bedenklich», sagt Kunz. Dann relativiert er: «Ich bin froh, zu hören, dass es sich offenbar nicht um eine Werbekampagne der Spar-Gruppe handelt, sondern um eine Einzelaktion.» Das Plakat sei jetzt entfernt, die Sache damit für ihn erledigt. Die Rechte fehlen Radio Zürisee befragte neben dem Blauen Kreuz auch den Geschäftsführer der Spar-Gruppe Schweiz, Thomas Weilenmann. Demnach existiert bei Spar eine Weisung, wonach alkoholhaltiges Bier nicht mit Kinderfiguren beworben werden darf. Die Aktion in Männedorf, sagt Spar-Sprecherin Silvia Manser, sei obendrein ohne die notwendigen Rechte für die Verwendung von «Simpsons»-Figuren erfolgt. Trotzdem habe man damit geworben, «weil es naheliegend ist», wie Manser findet. Konsequenzen müsse die Filialleiterin in Männedorf aber keine befürchten.

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