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Hundeerzieherin verwarnt

Vier Schäfer einer Züchterin verletzen einen Setter so schwer, dass er knapp überlebt. Das Veterinäramt empfiehlt der Besitzerin, nur mit zwei Hunden gleichzeitig spazieren zu gehen.

Von Christian Wüthrich Oberglatt – Ausgerechnet in Oberglatt geschieht es: Die 30-jährige Tochter einer Tierheimbetreiberin spaziert mit ihrem alten Setter, als diesen vier Deutsche Schäfer angreifen. In derselben Gemeinde wurde im Dezember 2005 ein Kindergärtner von mehreren Kampfhunden zu Tode gebissen. Bei der Schäfer-Attacke vom Januar dieses Jahres ist zwar «nur» ein Hund verletzt worden. Allerdings ziemlich schwer. Die Halterin des Schäferrudels brachte den verletzten Setter ins Tierspital, wo er mehrmals operiert werden musste. Schäfer aufgeschreckt Bei der Schäferhundehalterin handelt es sich um eine ortsansässige Züchterin. Diese wohnt auf einem Hof etwas ausserhalb des Dorfes, wo sie auch selber Hundekurse anbietet und eine Welpenschule betreibt. «Ich hatte meine Hunde an der Leine», sagt die Züchterin. Sie beteuert, in den 20 Jahren, in denen sie Deutsche Schäfer halte, hätten ihre Hunde noch nie zugebissen. Dass sich die Tiere überhaupt losreissen konnten, sei eine «Verkettung unglücklicher Umstände». Der freilaufende Setter sei ziemlich überraschend aus einem Gebüsch aufgetaucht und habe ihre Hunde aufgeschreckt. Die Leinen der vier Schäfer hätten sich um ihre Beine gewickelt, sie sei gestürzt und habe die Hunde deshalb ziehen lassen müssen. Es stellt sich die Frage, ob eine einzelne Person, selbst wenn es sich um eine ausgebildete Hundefachfrau handelt, überhaupt in der Lage ist, vier Schäferhunde gleichzeitig zu kontrollieren. Ja, sagt die Betroffene – Nein, meint die Halterin des Setters und suchte per Zeitungsinserat Zeugen des Vorfalls. Inzwischen kümmern sich Anwälte um den Fall. Jederzeit unter Kontrolle Kantonstierärztin Regula Vogel kennt den jüngsten Vorfall von Oberglatt. Die vier Schäferhunde werden vom Veterinäramt des Kantons Zürich (Veta) keinen Wesenstests unterzogen. Die Tiere gehören einer ausgewiesenen Hundefachfrau, die nun allerdings dicke Post erhielt. Sie wird durch die Amtsstelle «formell verwarnt», erklärt Vogel. Diese Verwarnung wurde der Hundekursleiterin schriftlich zugestellt. Zudem sei der Frau «dringlich empfohlen» worden, mit jeweils nur noch zwei ihrer grossen Hunde spazieren zu gehen. Für einen Wiederholungsfall seien der betroffenen Züchterin weitere Abklärungen und Massnahmen in Aussicht gestellt worden, so Vogel weiter. «Es gibt keine Limite im Gesetz, wie viele Hunde jemand spazieren führen kann», sagt Regula Vogel. Ganz allgemein meint sie, dass es immer von verschiedenen Punkten abhängt, ob und wie viele Hunde jemand gleichzeitig führen könne. «Wer einen Hund hält oder ausbildet, muss gewährleisten können, dass das Tier jederzeit unter Kontrolle ist.» Zudem seien durch den Halter alle Vorkehrungen zu treffen, damit die Hunde weder Mensch noch Tier gefährden.Hansruedi Weinmann, Präsident der Zürcher Sektion der Schweizerischen Kynologischen Gesellschaft (SKG), traut sich selber zu, zwei Hunde aufs Mal zu führen. «Meine Frau schafft es, mehr Hunde gleichzeitig zu kontrollieren, sie hat eine grössere Kontrollspanne als ich.» Die Kontrollspanne hat seiner Meinung nach denn auch nichts mit physischer Stärke eines Halters zu tun, sondern vielmehr mit der Autorität, die jemand ausstrahlt. Weinmann versteht, dass Passanten ein mulmiges Gefühl haben, wenn sie beim Spazierengehen jemanden mit vier oder gar mehr Hunden antreffen. Hundesitter ohne Ausbildung Allerdings beobachtet der Besitzer von vier Hunden, dass sich viele Leute oft falsch verhalten, wenn sie draussen einem Hund begegnen. Weinmann ist deshalb der Meinung, dass sich auch Nicht-Hundebesitzer gewisse Grundkompetenzen im Umgang mit Vierbeinern zulegen sollten. Denn die Hysterie in Hundefragen sei gross und nicht gerechtfertigt, findet der Regensdorfer. Eher unverständlich ist ihm allerdings, wie man eine ganze Meute fremder Hunde ausführen kann. «Es gibt keine Kurse für Hundesitter.» Diese sind beliebt auch im Unterland. Und je mehr Tiere, desto lukrativer wird ein Spaziergang für die Hundesitter. Aus Prinzip nur ein Hund Das weiss auch Vreni Surber aus Regensdorf, die seit 17 Jahren einen Haus- und Tierbetreuungsdienst anbietet. Sie habe im Furttal schon oft Hundesitter beobachtet, die mit vielen Hunden spazieren gingen. Selber hat sich die Kleinunternehmerin geschworen, nicht auf Masse zu setzen, und bietet daher nur einen Individualservice für Hundesitting an. «Meine Mitarbeiter und ich gehen aus Prinzip nur mit einem Hund aufs Mal spazieren.» «Es gibt keine Limite,wie viele Hundejemand aufs Mal spazieren führen kann.» Regula Vogel, Kantonstierärztin

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