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«Ich komme ohne Tunnelblick»

Sascha Brendler löst bei den Schweizer Unihockeyanerinnen den Zürcher Felix Coray als Teamchef ab. Für den 37-Jährigen ist es die erste Anstellung bei den Frauen.

Mit Sascha Brendler sprach Jean-Pierre Costa, Bern Er war sehr erfreulich. Es gab viele positive Reaktionen, vor allem ehemalige Weggefährten und Spieler gratulierten zum neuen Amt. Was mir aber auffiel: Auf mich kamen vor allem Männer zu. Ich habe im Unihockey bisher ausschliesslich im Männerbereich gearbeitet. Zudem verliessen die Spielerinnen meiner ersten Beobachtungspartie die Wankdorfhalle sehr zügig. Für eine vertiefte Kontaktaufnahme bleibt in Zukunft noch genügend Zeit. Klar! Ich war von Mittwoch bis Sonntag in St. Gallen. Und ich darf getrost behaupten, am Finaltag einer der letzten Zuschauer gewesen zu sein, der die Halle verlassen hat (lacht verschmitzt). Im Gegenteil! Der Turnierabschluss war frustrierend. Auch ich hatte gehofft, bei der Heim-WM feiern zu können. Stattdessen war die grosse Enttäuschung überall spürbar. Es war einfach traurig. Eine grosse Leere machte sich breit. Es war in der Tat ein Déjà-vu. Erinnerungen an die Heim-WM 2004 der Männer in Kloten kamen wieder auf. Ich stand zwar auf der anderen Seite (Anmerkung der Red.: Brendler betreute im Final Tschechien, welches im Halbfinal die Schweiz geschlagen hatte), doch auch damals wurden die grossen Erwartungen der Veranstalter nicht erfüllt. Am Schluss stand die Schweiz mit leeren Händen da. Nein, da war ich lediglich ein enttäuschter Zuschauer. Ich habe aber schon damals gemerkt, wie aufgewühlt ich innerlich war. Als die Anfrage vom Verband kam, stellte ich mich für ein persönliches Gespräch sofort zur Verfügung. Cornelia ist das Bindeglied zwischen der Frauen- und Männerwelt. Sie verfügt über mehrjährige Erfahrungen als Trainerin in der obersten Spielklasse und wurde vergangene Saison zur besten Trainerin der Frauen-SML erkoren. Ich glaube, die Mischung stimmt. Das hat keinen Einfluss. Ich glaube, es ist kein Unterschied, ob ich Männer oder Frauen trainiere. Für mich ist es wichtiger, meine Sache durchziehen zu können. Ich will mich nicht ändern. Vielleicht rede ich in einigen Jahren anders und stelle doch noch sportliche Unterschiede zwischen den beiden Geschlechtern fest. Wichtiger sind aber die neuen Impulse, die wir den Spielerinnen vermitteln wollen. Wir arbeiten mit Spitzensportlerinnen, die alle etwas erreichen wollen. Und wir möchten das Team wieder auf Kurs bringen, wieder ganz vorne mitspielen. Alle müssen dabei am gleichen Strick ziehen. Ich habe genaue Vorstellungen. Sowohl im physischen und spielerischen Bereich wie auch bei der Einstellung müssen wir uns verbessern. Zuerst gilt es Umfeld und Spielerinnen kennen zu lernen. Bis zum Ende der Qualifikation werde ich jedes SML-Team besuchen und Gespräche führen. Danach sind bereits während der Playoff-Halbfinals Stützpunkttrainings mit den ausgeschiedenen Spielerinnen vorgesehen. Dies ermöglicht eine breitere Sichtung. Mein Ziel ist, im April bei der Euro-Floorball-Tour in Schweden mit dem besten Team antreten zu können. Bereits an der Arbeit: Der neue Frauenchef Sascha Brendler am Sonntag bei den Triple-Games in Bern. Foto: Hans Ulrich Mülchi

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