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«Ich werde sicher wieder mit dieser Reederei reisen»

Costa Concordia Diverse Artikel zur Schiffskatastrophe vor der italienischen Insel Giglio, TA vom 16. Januar Professionelle Crew. Mit grossem Bedauern habe ich vom Unglück eines der Schiffe der Reederei Costa Crociere Kenntnis genommen. Wir haben schon acht Kreuzfahrten mit dieser Gesellschaft unternommen und waren jedes Mal restlos begeistert, von der Professionalität der Crew, der Gesamtorganisation etc. Die Notfallübung hat immer am ersten oder zweiten Tag stattgefunden, und ich hatte nie irgendwelche Zweifel daran, dass das Personal alles im Griff gehabt hätte. Ich hoffe sehr, dass der ganze Unfall aufgeklärt wird. Danach werde ich sicher wieder mit dieser Reederei reisen. Ursula Küng, Zürich Schöne Kreuzfahrten. Wir haben schon fünf schöne Kreuzfahrten mit der Reederei Costa Crociere erlebt. Auf einer barst in der Nachbarkabine das Bullauge. Gott sei Dank wurde niemand schwer verletzt. Als Zimmernachbarn erlebten wir eine Schreckensnacht, wurden aber in keiner Weise von der Crew oder über Lautsprecher informiert. Auf der andern Seite haben wir, kaum an Bord, jedes Mal eine gut organisierte Rettungsübung mitgemacht. Viele Anweisungen der Crew – unter anderem das Handy auszuschalten oder nicht zu fotografieren – wurden von den Passagieren als lästig, lächerlich und unnötig abgetan. Edith Kaufmann, Zürich Sicherheitsübung vor dem Ablegen. Bei meiner letzten Kreuzfahrt im Oktober 2011 mit dem italienischen Schiff MSC Lirica von Genua nach Dubai (wie bei allen fünf früheren) wurden wir bereits eine Stunde nach Ankunft an Bord für eine Sicherheitsübung aufgeboten. Mit angelegten Schwimmwesten musste wir am Sammelplatz – dieser steht auch auf der Bordkarte und an der Rückseite der Kabinentür – erscheinen. Wir erhielten Instruktion über die Handhabung der Westen, über die Nummer des Rettungsboots und wo sich dieses befindet. Erst nach der Übung durfte das Schiff den Hafen verlassen. Dieses Ritual wurde nach acht Tagen auf hoher See wiederholt. Wolfgang Kraus, Winterthur Nicht alle nehmen an Übungen teil. Mein Mann und ich machten vor kurzem auf der Costa Magica eine Transatlantik-Überquerung, insgesamt neunzehn Nächte waren wir bestens aufgehoben. Gleich am Abreisetag, spätnachmittags noch vor dem Ablegen in Savona, war die erste Sicherheitsübung an Bord zu absolvieren. Es ging um das Anziehen der Schwimmwesten und darum, wo man sich bei einem Unglück einzufinden hätte. Die Teilnahme an der Übung wurde mit Kärtchen überprüft, welche alle Passagiere abgeben mussten. Eine zweite Übung fand dann in der zweiten Woche statt, an der aber nicht alle Passagiere teilnahmen. Eine dritte Übung fand dann in der dritten Woche auf dem Schiff statt, als wir wiederum auf hoher See waren. Da fanden noch weniger Passagiere den Weg zur Übung. Rund ein Drittel der 2800 Passagiere fanden diese Übung überflüssig. Wahrscheinlich, weil sie das Gefühl hatten, ihre Schwimmwesten mit links zu finden und anziehen zu können. Wer schon die zwei ersten Übungen absolviert hatte, für den war es auch nicht besonders schwer, den Weg zum vorgeschriebenen Ort zu finden und die Schwimmwesten anzuziehen. Vor ein paar Jahren machten wir auch mit der Costa Crociere eine kleinere Mittelmeerkreuzfahrt, welche mit einer Sicherheitsübung begann. Warum also auf der Concordia offenbar keine Übung stattfand, ist rätselhaft, oder entscheidet darüber der Kapitän? Aber es gibt, wie wir feststellen mussten, Passagiere, die solche Übungen als Schikane empfinden. Vielleicht sind es gerade diejenigen, die, wenns ernst wird, über die Crewmitglieder und andere schimpfen. Araceli Patricia Atz-Breslaw, Amriswil Geringer Tiefgang. Als passionierter Wassersportler muss man sich wirklich fragen, wann der Grössenwahnsinn beim Bau von Kreuzfahrtschiffen ein Ende findet. Die Passagiere der Costa Concordia können von grossem Glück reden, dass sich der Unfall nahe dem Ufer, nämlich bei der Insel Giglio, zwischen Elba und Civitavecchia, ereignet hat. Einige Kilometer weiter auf offenem Meer wären höchstwahrscheinlich Hunderte oder Tausende Menschen umgekommen. Warum werden in den Hochglanzprospekten der Kreuzfahrtreisen nur immer Länge, Tonnage und Tiefgang, aber nie die Höhe über der Wasserlinie angegeben? Passagiere könnte der geringe Tiefgang einerseits und die enorme Höhe anderseits halt doch abschrecken. Die Costa Concordia hat eine Länge von 290 Metern, eine Tonnage von 114 000 Tonnen, einen Tiefgang von 8 Metern und eine Höhe von 62 Metern über Wasser. Das sind nicht unbedingt vertrauenserweckende Angaben, wenn man in der Schule ein wenig Physik gehabt hat. Rund 90 Prozent des Schiffs befindet sich also über Wasser, was bezüglich Stabilität einige Fragen aufwirft. Obwohl die Stabilität durch verschiedene Einrichtungen wie Flossen-Stabilitatoren und computergesteuerte Ballast-Kontrollen hergestellt wird, lässt eine Havarie mit Felsen, verbunden mit dem Eindringen von Wasser, die schlimmsten Befürchtungen aufkommen, da die Schiffe sich in relativ kurzer Zeit auf die Seite legen. Auch eine grosse Zahl von Rettungsbooten nützt da oft nicht mehr viel. Hans Hacker, Zug Murphys Gesetz. Der Hergang der Havarie ist ja an sich schon sehr mysteriös und kaum nachvollziehbar, da solche moderne Schiffe mit modernsten Navigationsinstrumenten und sicher auch mehrfach redundanten Systemen ausgerüstet sind. Darüber hinaus ist es ja auch für einen Berufsnautiker sicher nicht verboten, zusätzlich terrestrisch, das heisst nach Sicht, zu navigieren bzw. ganz einfach hinauszuschauen, vor allem wenn man so nah am Ufer vorbeifährt. Oder ist dies unter der Würde eines Kapitäns eines solch gigantischen Kreuzfahrtschiffs? Die Untersuchungen werden die Ursachen sicher ans Licht bringen. So oder so gilt aber auch hier einmal mehr Murphys Gesetz: Alles, was auch nur im Entferntesten möglich ist, tritt irgendwann einmal ein. Befremdet hat mich aber die anscheinend chaotische und völlig unprofessionelle Abwicklung der Rettung durch die Schiffsbesatzung, wobei natürlich die immense Zahl der Menschen an Bord die Aufgabe sehr schwierig machte. Dazu kommen noch die ungenügenden Kommunikationsmöglichkeiten der offenbar kaum eine Fremdsprache sprechenden und wahrscheinlich auch rettungstechnisch schlecht ausgebildeten und sicher auch schlecht bezahlten Besatzungsmitglieder aus asiatischen Ländern. Für mich als Freizeit-Hochseesegler ist es wichtig, die Notmassnahmen, soweit übungshalber möglich, in Echtzeit zu proben. Es sollte daher auch auf einem so grossen Schiff selbstverständlich sein, dass eine ausgedehnte und realistische Evakuationsübung zu jeder Kreuzfahrt gehört: Stoppen des Schiffs, Abgabe der vorgeschriebenen Notfallsignale, der Gang aller Passagiere (auch wenn es mehrere Tausend sind) mit der korrekt angezogenen Rettungsweste an die entsprechenden Sammelplätze auf dem Deck der Rettungsboote. Danach müssten ein oder besser mehrere Rettungsboote (optimal auch real mit Passagieren besetzt) zu Wasser gelassen werden. Mir ist aber auch klar, dass ein solches Vorhaben die Beschaulichkeit, den normalen Ablauf einer solche Kreuzfahrt und den Glauben an die störungsfreie Technik massiv stört und daher wohl nicht häufig durchgeführt wird, auch wenn dies meines Wissen aufgrund der internationalen Vorschriften der Berufsschifffahrt (Solas) vorgeschrieben ist. Dass bei dieser Havarie mit rascher und massiver Schräglage des Schiffes das Zuwasserlassen der Rettungsboote bald nicht mehr funktionierte, machte das Ganze leider noch komplizierter. Aber eben: Murphy lässt grüssen. Zu guter Letzt ist das angeblich frühe Verlassen des Schiffs durch den Kapitän und den ersten Offizier ein weiteres Zeichen unprofessionellen Verhaltens. Michael Steinbrecher, Rehetobel «Rund 90 Prozent des Schiffs befindet sich über Wasser, was bezüglich Stabilität Fragen aufwirft.» «Aber es gibt, wie wir feststellen mussten, Passagiere, die solche Übungen als reine Schikane empfinden.» Das havarierte Kreuzfahrtschiff Costa Concordia liegt an der Küste der Insel Giglio. Foto: Max Rossi (Reuters)

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