Zum Hauptinhalt springen

«Ich würde meine Tochter nie mit einer Kerze gehen lassen»

Am nächtlichen Umzug durch Herrliberg trugen viele eine LED-Räbe. Die einen wegen der Sicherheit, andere aus Bequemlichkeit.

Herrliberger Räbeliechtliumzug Von Ueli Zoss Herrliberg &endash Plötzliche Dunkelheit legt sich am Samstagabend über die Schulhausstrasse in Herrliberg. Die Beleuchtung ist für eine Stunde abgeschaltet worden. Weder Mond noch Sterne sind durch den wolkenverhangenen Himmel zu erkennen. Es herrscht eine gespenstische Atmosphäre, die einem Furcht einjagen könnte. Doch wenig später beginnt ein spezieller Lichterzauber: Der Räbeliechtliumzug nähert sich dem Treffpunkt beim Schulhaus Rebacker. Aus der Ferne sind erst nur winzige Leuchtpunkte zu sehen. Ein paar Augenblicke später erhellen aber Hunderte von Laternen die nächtliche Stunde. Ein aufgeregtes Wirrwarr von Stimmen, Rufen und Kinderlachen erklingt. Einige Fackelträger führen die Gruppe an. In den Häusern entlang der Route sind viele Fenster beleuchtet: Die Anwohner befolgen das Anliegen der Gemeinde, mit Licht die festliche Stimmung zu unterstreichen. Der Anregung, selbst geschnitzte Räben ans Fenster zu stellen, sind sie allerdings nicht nachgekommen. Vorbei sind die Zeiten, als man beim Eindunkeln Laternen aufs Fensterbrett stellte, um böse Geister zu vertreiben.Die Vorboten der Adventszeit treffen am Ende des Umzugs auf dem Pausenplatz ein. In der dicht gedrängten Menge sind die einzelnen Gesichter nun gut auszumachen. Das Leuchten der Räben übt auf Gross und Klein eine faszinierende Wirkung aus. Glänzende Augen haben viele der Eltern, die ihre Kinder begleiten; schon fast andächtig grosse Augen machen ihre Sprösslinge. Kerze wäre längst ausgelöscht Als ein paar Räbeliechtli-Lieder angestimmt werden, zieht es die zweieinhalbjährige Charlotte vor, mit ihrem Gspändli ein wenig Fangis zu spielen. Ihre Laterne schwenkt die Kleine dabei munter hin und her. Eine Kerze würde wohl schon lange nicht mehr brennen, aber das Licht in der Räbe stammt von einer LED-Lampe. Dass die Laterne von etwas erleuchtet wird, was in der Fachsprache Licht emittierende Diode heisst, weiss das kleine Mädchen nicht &endash dafür kennt sich Vater Michael Hagmann mit der Materie aus. «Ich würde meine Tochter nie mit einer Kerze mitlaufen lassen», sagt er. Aus Sicherheitsgründen habe er sich für eine LED-Räbe entschieden. Flämmchen sind romantischer Ähnlich sieht es Elsa Bobay, deren Enkelkind Skye ebenfalls eine LED-Räbe hochstreckt. «So kann nichts passieren», sagt die Grossmutter. Viel wichtiger als die Art der Beleuchtung ist für das Mädchen ohnehin, dass ihr Vater ein Abbild ihrer heiss geliebten Schildkröten Kaspar und Walter in die Räbe geschnitzt hat. Dass der Zweitklässler Sandro Egli mit batteriebetriebenem Licht unterwegs ist, hat praktische Gründe. Letztes Jahr sei ihm die Kerze immer ausgegangen, erklärt er. Seine Schulkollegin Lina Bürge zieht trotzdem das Herkömmliche vor. «Eine Kerze brennt heller und flackert auch schön &endash das ist romantisch.» Wo sie recht hat, hat sie recht: Ein Dinner bei Kerzenlicht erwärmt das Herz schliesslich auch mehr als ein Essen unter Neonlicht.

Dieser Artikel wurde automatisch aus unserem alten Redaktionssystem auf unsere neue Website importiert. Falls Sie auf Darstellungsfehler stossen, bitten wir um Verständnis und einen Hinweis: community-feedback@tamedia.ch