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Im Kreis der Schönen und Reichen

Der Egger Reto Caviezel hat Art on Ice erfunden. Er organisiert die grösste Eislaufgala der Welt zum 17. Mal.

Von Christian Müller Egg – Eiskunstlauf kombiniert mit Livemusik, das könnte Anklang finden beim Publikum. Das sagten sich Reto Caviezel und Oliver Höner vor 17 Jahren bei einem Glas Whisky. Sie legten ihr bisschen Geld und all ihren Mut zusammen und erfanden das Art on Ice. Aus der einstigen Schnapsidee ist die grösste Eislaufgala der Welt geworden. Reto Caviezel steht vor der Fensterfront im Wohnraum seines neuen Hauses ob Egg. Das Panorama ist umwerfend. Das Zürcher Oberland liegt einem hier zu Füssen. Sein Blick schweift in die Ferne. Er nippt an einem Glas Rotwein. «Fantastisch, dieser Ausblick!», schwärmt der 42-Jährige. «Ich hoffe, dass ich mich nie daran gewöhne.» Teure Autos, noble Anzüge Eine Momentaufnahme mit Sinnbildcharakter. Da steht ein Mann, der seinen Erfolg geniesst. Ein Selfmademillionär, der ein Leben im Kreise der Schönen und Reichen führt. Vieles passt in dieses Bild. Caviezel ist Gründer, Mitinhaber und Gesamtleiter der Carré Event AG, einer florierenden Veranstaltungsagentur mit 15 Mitarbeitern. Er verkehrt mit wichtigen Leuten, fährt teure Autos, trägt noble Anzüge und spielt in der Freizeit gerne Golf. Sein Haus gehört in die Kategorie Traumwohnsitz; eine modern eingerichtete Villa mit allerlei Luxus wie Schwimmbad, begehbarem Kleiderschrank, Einlegerwohnung oder beheizte Zufahrt. Vor einem Jahr ist er mit seiner Frau Denise und dem zweieinhalbjährigen Sohn Céderic eingezogen. Caviezel schmunzelt. «Ja, ich stehe auf der Sonnenseite des Lebens. Aber nicht des materiellen Luxus’ wegen.» Lebensqualität definiert der 42-Jährige anders: Zeit mit der Familie verbringen, Gesundheit, echte Freunde. Er hat viel getan für seinen Erfolg, war lange Jahre ein Workaholic. Dass er heute sehr viel Geld hat, ist die Belohnung für eine besondere Gabe: sein Gespür für Publikumswirksames. «Ich bin ein Newsjunkie, beobachte alles um mich herum – und frage mich permanent, was man daraus machen könnte.» Caviezel verfolgte auch beruflich nie einen konkreten Plan, sondern liess sich stets von seinen Instinkten leiten – manchmal wider alle Logik. So auch 1994, als er im zarten Alter von 26 Jahren die Unverfrorenheit besass, sich mit dem mehrfachen Eiskunstlaufmeister Oliver Höner zusammenzutun, eine Eventfirma zu gründen und im grossen Hallenstadion anzuklopfen, um die Vision von Art on Ice anzupreisen. Der Beginn einer Erfolgsgeschichte, die ihresgleichen sucht. Art on Ice findet vom 2. bis zum 5. Februar zum 17. Mal statt. Sechs Shows an vier Tagen mit einem Budget von 9 Millionen Franken. Erwartet werden 65 000 Zuschauer. Bemerkenswert ist, dass ihre beiden Erfinder trotz des überwältigenden Erfolgs harmonieren wie eh und je. «Wir ergänzen uns ideal», sagt Caviezel. «Oliver ist der Frontmann, der Kreative. Er übernimmt den künstlerischen Part, plant die Show. Ich organisiere alles drum herum. Das passt perfekt.» «Ich denke konservativ» Das Motto «Wer nichts wagt, gewinnt nichts» steht nur vermeintlich hinter der Karriere von Caviezel. Er selber sieht das anders. «Ich bin kein Risikomensch. Im Gegenteil. Ich denke und handle konservativ.» Was also ist sein Erfolgsrezept? «Disziplin und Realitätssinn», sagt er. Erstere habe ihm der ehemalige Grüninger Gemeindeschreiber Emil Gehri während der Lehrzeit beigebracht, Letzteren der Journalist und Unternehmer Roger Schawinski. «Diese beiden haben mich beruflich geprägt.» Bei Schawinskis Radio 24 war Caviezel zuerst Redaktor und Moderator, später Werbe- und Marketingleiter. Art on Ice hat Caviezel nie geahnte berufliche Möglichkeiten eröffnet. So organisiert er mit seiner Firma und Partnern seit zwölf Jahren auch den CSI Zürich, das bestdotierte Hallenspringturnier der Welt. Und obendrein weitere, prestigeträchtige Events. Jedoch: Nicht alles, was Caviezel anpackt, wird zu Gold. Seine Beteiligung am ehemaligen Landhotel Seerose in Pfäffikon war ein Misserfolg. Zusammen mit Partnern hatte er den Betrieb übernommen, ihm ein kühnes Konzept und einen neuen Namen (L’Aq) verpasst. Caviezels Carré Event AG ist zwar heute noch Besitzerin der Liegenschaft, doch soll auch sie so bald wie möglich dem neuen Pächter verkauft werden. Was ihn ärgert, ist nicht das viele Geld, das er in den Sand gesetzt hat. «Vielmehr stört mich, dass ein Konzept, von dem ich überzeugt war, nicht gegriffen hat – und ich bis heute nicht herausgefunden habe, weshalb.» Viel wichtiger aber sei, dass der Pächter den Turnaround geschafft habe. «Er kann eindeutig Dinge, die ich nicht kann – zum Beispiel ein Restaurant erfolgreich führen.» Verrückte Ideen Es gibt sie also auch in seinem Leben, die Misserfolge. Was ihn nicht davon abhält, neue Visionen zu kreieren. Seine Augen funkeln, wenn er vom Art on Ice am Strand von Dubai erzählt. Oder vom Schwingfest im Hallenstadion. Die Ideen tönen verrückt. Aber man muss sie ernst nehmen. Denn sie entspringen Caviezels Gespür. Der Selfmademillionär Reto Caviezel träumt in seinem Haus ob Egg von einem Art on Ice am Strand von Dubai. Foto: David Kündig

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