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Im Oberland fehlen die kleinen Wohnungen

Die hohe Scheidungsrate wirkt sich auf den Oberländer Immobilienmarkt aus. Immer mehr 4-Zimmer-Wohnungen stehen leer, während es an kleinen Wohnungen mangelt.

Oberland. - Wer im Oberland eine kleine Wohnung sucht, muss sich gegen zahlreiche Mitbewerber behaupten. Dies bestätigt die kürzlich vom Statistischen Amt des Kantons Zürich veröffentlichte Leerwohnungsstatistik. Im Bezirk Hinwil standen am 1. Juni 271 Wohnungen leer. 109 davon waren 4-Zimmer-, 71 waren 3-Zimmer- und 31 waren 2-Zimmer-Wohnungen. Lediglich 11 Wohnungen verfügten über einen einzigen Raum. Im Bezirk Pfäffikon waren 315 Leerwohnungen registriert, davon 112 mit 4 Wohnräumen. Im Bezirk Uster waren es 594 Leerwohnungen, davon 226 mit 4 Wohnräumen (siehe Grafik). Sinkende Haushaltsgrössen Dies war nicht immer so. Vor neun Jahren zählte das Statistische Amt im Kanton 4186 leerstehende Appartemente (heute 4310). 1160 waren unbewohnte 4-ZimmerWohnungen (heute 1504). Umgekehrt hatten damals jene Mieter die Wahl, welche auf der Suche nach Kleinwohnungen waren. 548 von den 4186 verwaisten Wohnstätten waren leere 1-Zimmer-Wohnungen. Heute sind es im Kanton Zürich von 431o leeren Wohnungen noch deren 229. Dies widerspiegelt den gesellschaftlichen Wandel: Nach den Schätzungen des Bundesamts für Statistik wird die durchschnittliche Haushaltsgrösse in der Schweiz bis 2030 auf 2,02 Personen sinken (2005 betrug sie noch 2,23 Personen). Dies ist einerseits auf die zunehmende Alterung der Gesellschaft zurückzuführen, andererseits ist dieser Trend auch von der hohen Scheidungsrate beeinflusst. «Weil es mehr alleinstehende Personen, Alleinerziehende und kleine Familien gibt, sinkt die Haushaltsgrösse», weiss Urs Rey vom Statistischen Amt des Kantons Zürich. Kleinere Haushalte seien aber gerade in der Agglomeration auch eine Folge der Urbanisierung. Helga Weissenhorn ist Immobilienbewirtschafterin bei der BDO Visura in Wetzikon. «Mit der steigenden Scheidungsrate müssen immer mehr Personen ihr Einkommen teilen und wählen darum kleinere Wohnungen.» In die grösseren Wohnungen würden heute zudem oft nicht mehr nur Paare, sondern auch Wohngemeinschaften einziehen. Weissenhorn macht aber auch die Konjunkturkrise für den Mangel an kleineren Wohnungen verantwortlich: «Die Leute geben ihr Geld nicht mehr so gerne aus wie früher, und das merken wir ebenfalls.» Die Immobiliennachfrage stagniere. Der Inhaber der Näniker Immobilienverwaltung Greifensee-Treuhand, Martin Kündig, ist überzeugt, dass auch das Haushaltsbudget von Paaren ohne Kinder die Wohnungswahl beeinflusst. So gelte oft das Motto: Weniger ist manchmal mehr. «Konkubinatspaare und Jungverheiratete bevorzugen ein kleineres Zuhause, um sparen zu können und leisten sich wenn der Nachwuchs da ist eine Bleibe mit fünf Zimmern.» Kündig hat zudem beobachtet, dass im Oberland die Preise für 3- und 4-ZimmerWohnungen im Verhältnis hoch seien. «Eine Bleibe mit 5 Räumen ist oftmals nur wenig teurer.» Die Knappheit von kleinen Wohneinheiten im Oberland hat aber auch bauliche Gründe. Laut Urs Rey kann sie auf die Sanierung der Bauten zurückgeführt werden. «Entweder reissen die Hauseigentümer ihre Altbauten ab, um die Grundrisse der Wohnungen zu vergrössern, oder sie legen Wohneinheiten zusammen.» Auf diese Weise würden sie zwar zeitgemässere Grundrisse schaffen, aber auch die Wohnungen vergrössern. Die Neubauten leeren die Altbauten In der Leerwohnungszählung des Kantons fällt zudem auf, dass im Bezirk Hinwil die Anzahl unbewohnter Appartemente verglichen mit den letzten zwei Jahren beinahe um die Hälfte zurückging. Standen 2007 insgesamt 466 und 2008 total 432 Wohnungen leer, sind es heuer noch 271. Dies führt Rey auf die rege Bautätigkeit in den vergangenen Jahren zurück. 1333 neue Wohnungen wurden vom 1. Januar 2007 bis zum 1. Juni 2009 in den zehn Hinwiler Gemeinden erstellt. «In ländlichen Gebieten geht es in der Regel länger, bis Neubauten bezogen werden», erklärt Rey. Dort sei die Nachfrage tiefer. «Die hohe Bautätigkeit der letzten Jahre hat aber zu keinen nennenswerten Absatzproblemen geführt», sagt Rey. In einigen Gemeinden des Kantons hat der Baueifer zur Folge, dass Mieter in derselben Ortschaft aus einem Altbau in eine neue Wohnung ziehen. Als Beispiel dafür nennt Rey die Stadt Illnau-Effretikon. Am 1. Juni waren dort 137 Wohnungen verwaist, nur 31 davon sind zwei Jahre alt oder jünger. Ein Jahr zuvor zählten die kantonalen Statistiker in Illnau-Effretikon 68, im 2007 88 Leerwohnungen.

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