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Immer mehr bezahlen

Ernst Tschanz

Haben Sie unlängst auch eine Steuerrechnung erhalten und dabei gedacht «was tun die mit dem vielen Geld?» Früher hat man uns nur einmal pro Jahr die Steuerrechnung ins Haus geschickt. Weil jedoch der zu bezahlende Betrag immer unverschämter wurde, sind die Schlaumeier in den Behörden auf die Idee gekommen, Kantons- und Gemeindesteuern in drei Raten pro Jahr zu erheben. Das war ein ganz raffinierter Trick. Heute stellen wir nämlich belämmert fest, dass wir dem Fiskus ungefähr drei Mal so viel Geld abliefern wie früher einmal. Für was bezahlen wir eigentlich so viele direkte Steuern? Etwa für konkrete Dienstleistungen des Staates gegenüber den Bürgerinnen und Bürgern? Weit gefehlt! Wir leisten uns den seltsamen Luxus, einen gigantischen Parlaments-, Regierungs-, Verwaltungs- und Büroapparat zu finanzieren. Dabei geht man uns aber für praktisch alles, was dieser Monsterapparat leistet, mit zusätzlichen Abgaben und Gebühren an den Geldsäckel. Das sind die immer mehr ins Kraut schiessenden «indirekten» Steuern. Die bisherigen Gebühren werden dauernd diskret angehoben, und neue kommen hinzu. Wenn das so weitergeht mit den indirekten Steuern, ist es bald lukrativer, wenn wir uns statt des Lohnes oder der Rente die Abzüge auszahlen lassen. Aufzählungen in einem Text sind zwar langweilig, aber ich muss hier doch ein paar wenige Stichworte erwähnen: Kehricht-, Wasser- und Abfallgebühren; Gebühren für die Ausstellung einer Identitätskarte, eines Passes oder einer Niederlassungsbewilligung, eines Heimatscheins und überhaupt für alle übrigen vom Staat verlangten offiziellen Dokumente. Auch für den Hund bezahlen wir eine Steuer (aber das ist wenigstens nicht so schlimm wie jene vielen Steuern, die für die Katz bezahlen). Was uns Autofahrer anbelangt gibt es eine Autobahnvignette, einen Benzinzoll, einen Benzinzollzuschlag und bald noch eine ominöse CO2-Abgabe; in Aussicht steht sodann eine weitere Strassengebühr mit dem echt schweizerischen Namen Road Pricing; nicht zu reden von den Parkgebühren für das Abstellen des Autos auf öffentlichem Grund. Ferner gibt es noch die Mehrwertsteuer. Wer glaubt, meine Aufzählung sei vollständig, ist auf dem Holzweg. Die Ideen der Politiker und Politikerinnen für weitere Sondeschröpfungen sind unermesslich. Bald wird es sogar etwas kosten, wenn man mit jemandem «Duzis» macht, wenn man auf der Strasse einem eidgenössischen Parlamentarier begegnet oder wenn man mit dem Auto am Gemeinde- respektive am Rathaus oder gar am Bundeshaus vorbeifährt. Irgendwie kommt mir der Spruch in den Sinn, «würde heute der Gessler noch leben, wir müssten ihm bloss den Zehnten geben». Unsere Behörden hätten auf jeden Fall für das obligatorische Grüssen eines Hutes auf der Stange gleich auch noch eine Gebühr verlangt. Nehmen wir zum Trost wieder einmal die Bibel zur Hand. Dort steht in den Sprüchen Salomons, Kapitel 29, Vers 4, in der alten von Piscator übersetzten Berner Bibel folgendes: «Ein König richtet das Land auf durchs Recht, ein Geiziger aber verdirbt es.» Etwas deutlicher wurde dieser tiefsinnige Text in der Zürcher Zwinglibibel übersetzt: «Durch Recht gibt der König dem Lande Bestand, wer aber viel Steuern erhebt, richtet es zugrunde.» Und dann gibt es schliesslich noch die Bibelübersetzung von einem gelehrten Herrn Hermann Menge aus Deutschland. Auch er hat sich offenbar über die vielen Sondersteuern geärgert und setzte noch einen obendrauf, indem er den Vers 4 im Kapitel 29 so übersetzte: «Ein König verleiht durch Gerechtigkeit dem Land Bestand, aber einer, der immer neue Abgaben erhebt, richtet es zugrunde.» Noch Fragen? Nun haben wir in der Schweiz zum Glück keinen König, aber dafür vier Bundesräte, drei Bundesrätinnen und unzählige Regierungs- und Gemeinderäte. Sie alle wollen uns ans Bankkonto. Wir können uns also auf etwas gefasst machen. Vor allem, wenn sich diese zahlreichen Behörden; ich zitiere nochmals die Bibel; auf Matthäus, Kapitel 22, Vers 21 berufen, wo es unter anderem heisst: «...so gebetet dem Kaiser, was des Kaisers ist.» Hey, ihr Steuereintreiber, einen Kaiser haben wir bitte sehr auch nicht... Ernst Tschanz (75) war Redaktor der «Schweizerischen Gewerbezeitung» und lebt in Kirchlindach. Liebe Leserin, lieber Leser, möchten Sie etwas schreiben zu einem aktuellen Thema, das Ihnen wichtig ist und von dem Sie annehmen, dass es eine breitere Öffentlichkeit interessiert? Überraschen Sie uns mit Ihrer originellen Betrachtung, schicken Sie uns Ihren Text per Post oder E-Mail mit einigen persönlichen Angaben und einem Passbild. >

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