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Jeder zweite Zürcher hat ein Auto – und steht damit immer länger im Stau

Autodichte, Fahrzeuggewicht und Motorenstärke nehmen im Kanton Zürich nach langem wieder ab. Und trotzdem wachsen die Staus weiter. Der Grund dafür ist das Bevölkerungswachstum.

Von Ruedi Baumann Zürich – Die Zürcher jammern zwar gern über die Deutschen; wenn es ums Auto geht, schätzen sie jedoch deutsches Handwerk. Gemäss einer gestern veröffentlichten Untersuchung des Statistischen Amtes sieht das Durchschnittsauto eines Zürchers so aus: Hubraum 2,072 Liter, 143 PS stark, 1413 Kilo schwer und deutsch. Mit VW, Opel, BMW, Audi und Mercedes nehmen fünf deutsche Marken die Spitzenplätze ein, deutlich vor Toyota und Renault. Mit 82 000 Fahrzeugen ist jedes achte Auto mit ZH-Nummernschild ein VW. Und unter all den VW ist der Golf mit 23 000 Exemplaren wiederum der weitaus häufigste Wagen – zahlreicher zum Beispiel als alle Volvos zusammen. Kolonne von Zürich bis Madrid In seinem Bericht hat Statistiker Thomas Hofer die Datenbank des Zürcher Strassenverkehrsamts analysiert und ist zu brisanten Erkenntnissen gelangt. Seit 2002, dem Datum der ersten derartigen Untersuchung, hat die Zahl der im Kanton Zürich registrierten Personenwagen von 605 000 auf 649 000 zugenommen. Würden alle Zürcher Autos gleichzeitig im Stau stehen, ergäbe das eine zweispurige Blechschlange von Zürich nach Madrid. Der Zunahme um 7 Prozent steht ein Bevölkerungswachstum im Kanton um 9?Prozent gegenüber. Der Motorisierungsgrad im Kanton Zürich hat also leicht abgenommen. 2002 kamen auf 1000 Zürcher 495 Autos – im letzten Jahr waren es nur noch 489. Zürich ist damit der Kanton mit der viertgeringsten Autodichte in der Schweiz. Nur BS (335), GE (474) und LU (486) liegen noch vor Zürich. Von 1000 Tessinern dagegen haben 606 ein Auto. Enorme Unterschiede bei der Motorisierung gibt es auch innerhalb des Kantons Zürich (siehe Grafik). Am autoverrücktesten sind die Neeracher mit 694 Autos auf 1000 Einwohner, am autofeindlichsten die Stadtzürcher mit bloss 362. Mit 408 Autos kommt die Velostadt Winterthur auf den zweiten Platz. Die Schere zwischen Stadt und Land hat sich seit 2002 deutlich geöffnet. Im Weinland hat der Motorisierungsgrad um 6 und im Knonauer Amt um 4 Prozent zugenommen, in der Stadt Zürich dagegen ist er um 9 Prozent zurückgegangen. Grund: In den Ballungsräumen ist der öffentliche Verkehr besser ausgebaut als auf dem Land, während gleichzeitig die Parkplätze knapp und teuer sind. Auffallend ist auf den ersten Blick die Diskrepanz zwischen der leicht sinkenden Motorisierung und den trotzdem rasant wachsenden Staustunden auf der Zürcher Nordumfahrung. Die Staustunden zwischen Gubrist und Winterthur haben sich seit 2003 verdoppelt, 2009 herrschte vor dem Gubrist an 319 Tagen Stau (Grafik unten). Des Rätsels Lösung ist wiederum die Bevölkerungszunahme, in den letzten 20 Jahren um rund 18 Prozent von 1,15 Millionen auf 1,35 Millionen im Kanton Zürich. Rund ein Viertel der Zunahme geht auf den Geburtenüberschuss, drei Viertel auf die Zuwanderung zurück. Diesel auf dem Vormarsch Neben dem Trend zu kleineren und leistungsärmeren Motoren (Artikel auf Seite 1) fällt auch die markante Zunahme von Dieselmotoren und Hybridantrieben (Kombination von Benzin- und Elektromotor) auf. Heute fahren über 100 000 Zürcher Autos mit Diesel, 2002 waren es erst 30 000. Auch die Zahl der Hybridautos hat sich verdreifacht. Von 3000 Hybridfahrern haben sich 1800 für das Pionierfahrzeug Toyota Prius entschieden. Der Gasantrieb ist gemäss Bericht zahlenmässig praktisch bedeutungslos. Auch reine Elektromobile besetzen mit deutlich unter 100 Fahrzeugen nur eine kleine Nische. Über den Vormarsch des Dieselmotors sind sich die Fachleute nicht ganz einig. Für den Statistiker Thomas Hofer hat der Dieselmotor bezüglich Effizienz in den letzten Jahren kaum mehr Fortschritte gemacht und zehrt noch von seinem Ruf als Sparmotor. Der Benziner dagegen sei wesentlich sparsamer geworden und nähere sich dem Diesel an. Dieselmotoren würden zudem Russ und Feinstaub ausstossen. Rolf Grüninger, Chef des Strassenverkehrsamts, dagegen betont, dass Dieselfahrer mit Partikelfilter kein schlechtes Gewissen mehr zu haben brauchten. Dieselmotoren seien zwar effizienter, lohnten sich wegen des höheren Treibstoffpreises aber nur bei höheren Kilometerleistungen. Gehört immer mehr zum Zürcher Alltag: Im Stau stehen, wie hier an der Langstrasse. Foto: Reto Oeschger

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