Zum Hauptinhalt springen

Kämpfer gegen das Kopftuch

Stefan Kölliker?Der St. Galler Bildungsdirektor ist ein treuer Freund von SVP-Chef Toni Brunner. Von Dario Venutti Was macht eigentlich Stefan Kölliker? Die Frage stellen Politiker, Lehrer und Schulleiter auch noch fast zwei Jahre nach der Wahl des ersten SVP-Politikers in die St. Galler Regierung. Seit dessen Amtsantritt im Sommer 2008 haben sie vom neuen Bildungsdirektor wenig zu seinen Plänen gehört. Am Mittwoch nun hat Kölliker alle überrumpelt: In einem Kreisschreiben empfiehlt der von ihm geleitete kantonale Erziehungsrat den Schulen, Kopftücher zu verbieten. «Es ist das erste Mal, dass er sich exponiert», sagen auf Anfrage mehrere Lehrer und Schulleiter – und das in einer Frage, die im Kanton kein grosses Thema sei. Auslöser waren zwei Fälle, in denen muslimische Mädchen während des Unterrichts ein Kopftuch tragen wollten. Die Schulleitungen untersagten ihnen dies. Kölliker war am Donnerstag nicht für eine Stellungnahme erreichbar zur Frage, was das Gremium zu dieser Massnahme bewogen habe. Seine Kritiker, und von ihnen gibt es unter Lehrern und Schulleitern etliche, vermuten ein Ablenkungsmanöver: Das Kopftuchverbot sei ein medienwirksamer Schritt, der den dürftigen Leistungsausweis des Bildungsdirektors kaschieren solle. Nach der Ära des streitlustigen und forschen Hans Ulrich Stöckling waren zunächst viele froh, dass es sein Nachfolger mit Reformen nicht allzu eilig hatte. In der Zwischenzeit stören sich aber selbst Lehrkräfte an der Ruhe im Erziehungsdepartement. «Kölliker hat wenig Profil und ist in seinen Positionen nicht greifbar», sagte Ruedi Hofmänner, Co-Präsident des kantonalen Lehrerverbandes, kürzlich. Konkret erwartet man seit zwei Jahren Antworten des Bildungsdirektors auf drängende Fragen: Wie will er den Lehrerberuf aufwerten? Soll die Basisstufe im ganzen Kanton eingeführt werden? Nach welchem Modell sollen Sekundar- und Realschule durchlässiger gemacht werden? Kölliker verweist jeweils darauf, er habe dazu Arbeitsgruppen eingesetzt. Wer mit ihm schon näher zu tun hatte, beschreibt ihn als freundlich – und in der Materie nicht sattelfest. Die Schonzeit sei vorbei, und man müsse sich fragen, ob Kölliker das Rüstzeug zum Exekutivpolitiker habe, sagt Helga Klee. Die FDP-Kantonsrätin und Schulpräsidentin spielt damit auf die fehlende politische Erfahrung an: Der 40-Jährige sass vor seiner Wahl in den Regierungsrat einzig drei Jahre lang in der Geschäftsprüfungskommission einer Schulgemeinde. Ansonsten bekleidete er Parteiämter, und mit Bildungspolitik hatte er wenig zu tun.Kölliker war Inhaber eines Treuhandbüros in Wil und unterrichtete Rechnungswesen und Betriebswirtschaftslehre an einer Weiterbildungsschule. Für die SVP hingegen ist er der Mann, der sie erstmals in die Regierung brachte. Und Kölliker ist ein enger Vertrauter von Parteichef Toni Brunner, dessen Verfahren zum Parteiausschluss von Bundesrätin Eveline Widmer-Schlumpf er vorbehaltlos unterstützte. Nach seiner Wahl in den Regierungsrat stellte er Brunners Lebenspartnerin Esther Friedli als Generalsekretärin ein. Gemeinsam kauften die beiden Männer das Restaurant Sonne in Ebnat-Kappel. Heute trägt das Lokal den früheren Namen von Berlusconis Partei: Haus der Freiheit. Und so geht in St. Gallen das Bonmot: Ein Schelm, der behauptet, die Bildungspolitik werde in der Beiz gemacht.

Dieser Artikel wurde automatisch aus unserem alten Redaktionssystem auf unsere neue Website importiert. Falls Sie auf Darstellungsfehler stossen, bitten wir um Verständnis und einen Hinweis: community-feedback@tamedia.ch