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«Katastrophale» finanzielle Langzeitprognosen

Der Illnau-Effretiker Finanz-vorstand prognostiziert für das kommende Jahr ein leichtes Defizit. Längerfristig rechnet er aber mit hohen Schulden.

Illnau-Effretikon. - Finanzvorstand André Bättig (FDP) sprach gestern an einer Medienorientierung von «katastrophalen» Langzeitprognosen im Finanzhaushalt der Stadt. «Verheerend ist, dass die Schulden steigen werden und gleichzeitig das Eigenkapital sinkt», erläuterte Bättig. Ein Schuldenabbau sei mit der vorhandenen Finanzkraft kaum möglich. Er rechnet 2015 mit einem Eigenkapital von 20 Millionen Franken, während dieses Ende 2010 noch 34 Millionen Franken betragen soll. Der Schuldenberg von prognostizierten 100 Millionen Franken sei «nicht tragbar». Bättigs Aussichten zwischen 2011 und 2015 lauten: «Das kräftige Tief erreicht uns ab 2011 und bringt heftige Schauer und Gewitter mit lokalen Sturmböen. Die weitere Entwicklung ist ungewiss, es muss aber mit einer länger anhaltenden Schlechtwetterperiode gerechnet werden. Überschwemmungen sind nicht auszuschliessen.»

Schuld an den Gewitterwolken des Finanzhorizontes von Illnau-Effretikon sind die «markant ansteigenden» Investitionen. Dies zeigt der städtische Finanzplan. Den grossen Teil machen dabei das Alterszentrum Bruggwiesen und das Sportzentrum aus. Nach diesen beiden grossen Projekten sei derzeit keine grosse Investition absehbar. Die grossen stadteigenen Bauten seien damit beinahe alle saniert. «Und wir müssen uns dann einige Jahre erholen», sagt André Bättig.

Gleichbleibender Steuerfuss

Trotz Bättigs düsteren Langzeitprognosen hat sich der Stadtrat entschieden, den Steuerfuss im kommenden Jahr bei 115 Prozent zu belassen. «Das erlauben die guten Ertragsentwicklungen von 2008 und 2009», sagt der Illnau-Effretiker Finanzvorstand. Der Stadtrat habe beschlossen mit einer Anhebung des Steuerfusses zuzuwarten, um in einem Jahr die Entwicklung nochmals zu analysieren. Es sei nicht erstrebenswert, mit dem Steuerfuss von Jahr zu Jahr zu variieren, fuhr er fort. «Wir wollen aber auf keinen Fall den Steuerfussausgleich beanspruchen - damit würden wir unsere Unabhängigkeit verlieren», machte Bättig klar.

Für das kommende Jahr sieht der Finanzvorstand indessen noch nicht derart schwarz. So rechnet er im Voranschlag 2010 mit einem Defizit von rund 5,4 Millionen Franken. Dieses ergibt sich aus einem Gesamtaufwand von rund 105,7 Millionen Franken, der einem Gesamtertrag von 100,3 Millionen Franken gegenübersteht. Bättig relativiert indessen das Minus: 5 Millionen Franken seien zusätzliche Abschreibungen, also betrage das Defizit de facto rund 400 000 Franken.

Der Personalaufwand wird gegenüber dem Vorjahresbudget um 5 Prozent steigen. Dafür verantwortlich seien hauptsächlich Stellenaufstockungen im Bereich Polizei, Schule, Fürsorge und Kindertagesstätten, erläuterte Bättig. «Die Entwicklung im Schulamt ist besorgniserregend», führte der Finanzvorstand aus. So kommt die Umsetzung des Volksschulgesetzes die Stadt teuer zu stehen - kleinere Klassen und integrative Förderung bedeuteten mehr Lehrpersonen. Zudem hätten die zahlreichen Projekte in der Verwaltung eine zusätzliche Projektleiterstelle nötig gemacht. Aber auch das Sozialamt rechnet mit einem steigenden Nettoaufwand: Im Gegensatz zu 2008 stosse die Wirtschaft laufend Leute ab, die dann Sozialhilfe bedürften. «Diese Wirtschaftslage macht eine Prognose aber zu einem Traumdeuten.»

Ein Sportzentrum - zwei Fragen

Die Sanierung des Sportzentrums ist künftig einer der grossen Investitionsposten der Stadt. Während die Exekutive die Frage nach den Kosten umtreibt, steht für den Sportler im Vordergrund, wann die Sanierung an die Hand genommen wird. «Der Stadtrat ist sich der Bedeutung dieses Geschäfts bewusst», räumte gestern Bättig ein. Es gehe vorerst darum, das Projekt so zu optimieren, dass es nicht so teuer sei. «Wir wollen den Prozess nicht künstlich verzögern, denn in der längerfristigen Planung ist die Sanierung des Sportzentrums ohnehin vorgesehen.»

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