Zum Hauptinhalt springen

Kaum Konkurrenz für Kompogas im Unterland

Landwirte, die Biogasanlagen bauen möchten, haben es im Kanton Zürich schwer. Dabei wären auch die Unterländer Gemeinden für mehr Wettbewerb in der Grüngutverwertung.

Unterland. - Biogasanlagen könnten für Landwirte ein willkommenes Nebengeschäft darstellen. Mist und Gülle vom eigenen Hof werden zusammen mit Grünabfällen vergärt; mit dem entstandenen Gas wird Strom erzeugt. Seit neuestem verhilft die kostendeckende Einspeisevergütung des Bundes Biogasanlagen zu Wirtschaftlichkeit. Im Zürcher Unterland sind jedoch noch sehr wenige landwirtschaftliche Biogasanlagen zu finden. Dafür gibt es zwei Hauptgründe: Zum einen bedeutet die Kompogas AG mit gleich drei Standorten im Unterland (Glattbrugg, Otelfingen und Rümlang) eine grosse Konkurrenz. Zum anderen legt der Kanton Zürich mit einer restriktiven Bewilligungspraxis Bauern, die eine Anlage ins Auge fassen, Steine in den Weg, wie der Bülacher Mathias Spicher sagt, der mit seiner Firma Swiss Ecosystems Biogasanlagen projektiert. Denn: Anders als etwa im Kanton Thurgau braucht es im Kanton Zürich einen Gestaltungsplan für solche Anlagen. Und aus hygienischen Gründen schreibt der Kanton Zürich den Gemeinden vor, Grüngutabfälle aus den Haushaltungen in Grossanlagen wie jenen der Kompogas zu verwerten. Diese verfügen über ein Hygienisierungsverfahren, das bei landwirtschaftlichen Anlagen teuer zu stehen kommt. Hier gehe der Kanton mit seinen Vorschriften über die Auflagen des Bundes hinaus, beklagt Spicher. «Monopol ist ein Ärgernis» Dies bestätigt Rolf Wagner vom Amt für Abfallwirtschaft: «Biogasanlagen sind nicht geeignet für kommunales Grüngut, weil die meisten keinen Hygienisierungsprozess aufweisen.» Ausserdem sei bei vielen der Wirkungsgrad zu wenig hoch. Etwas mehr Konkurrenz zur allmächtigen Kompogas AG, die seit gut drei Jahren zu 49 Prozent der Axpo Holding gehört, wünschten sich aber auch die Gemeinden im Zürcher Unterland. «Es ist ein Ärgernis, dass die Kompogas AG fast ein Monopol hat und die Preise diktieren kann», sagt die Bülacher Stadträtin Hanni Guyer. Zusammen mit Vertretern aus Rümlang und Opfikon hat sie sich kürzlich mit der Kompogas AG für Preisverhandlungen an einen Tisch gesetzt. Zurzeit bezahlt Bülach mit Mehrwertsteuer fast 160 Franken pro Tonne Grüngut. Fremdstoffe im Haushalts-Grüngut Die Preise findet man auch in Bassersdorf hoch, das zurzeit noch die Hälfte des Grünguts zu knapp 130 Franken pro Tonne in die Biogasanlage Lindau liefert. Aufgrund der Vorgaben des Kantons müsse man in Zukunft wohl das gesamte Grüngut von einem Abnehmer mit einer Hygienisierungsanlage verwerten lassen, sagt Daniel Baer, Bereichsleiter Tiefbau, Unterhalt und Entsorgung. Der einzige Abnehmer, der diese Vorgaben zurzeit erfüllen kann, ist die Kompogas AG. Jedoch könnten dort nur Grossanbieter von Grüngut durch tiefere Tarife seitens der Kompogas profitieren. Gemäss Marcel Leibacher, Mediensprecher der Kompogas AG, bestimmt jedoch nicht die Menge, sondern die Zusammensetzung des Grünguts den Preis. Das kommunale Grüngut ist im Unterschied zum Grüngut vom Gärtner mit Fremdstoffen durchsetzt, die weder kompostiert noch vergärt werden könnten. Deshalb muss dieses aufbereitet werden, weshalb die Annahmepreise von Grüngut aus den Gemeinden höher sind. Ein Pionier in Sachen Biogasanlage und einer der wenigen Betreiber im Unterland ist Kaspar Günthardt aus Dällikon. Seit 1993 vergärt er seinen Hofdünger zusammen mit Grüngut von Gemüserüsterfirmen aus der Region. Für ihn persönlich stellt die Kompogas AG kaum eine Konkurrenz dar: «Wir kommen uns nicht ins Gehege.» Er räumt aber ein, dass die Kompogas teilweise auch Material verwertet, das Bauern mit einer Biogasanlage brauchen könnten und findet: «Die Kompogas AG sollte sich aus Hygienegründen auf Gastro- und Kommunalmüll spezialisieren.»

In seiner Biogasanlage erzeugt Kaspar Günthardt bereits seit 1993 Strom.

Dieser Artikel wurde automatisch aus unserem alten Redaktionssystem auf unsere neue Website importiert. Falls Sie auf Darstellungsfehler stossen, bitten wir um Verständnis und einen Hinweis: community-feedback@tamedia.ch