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Kochen, schmausen und nebenbei noch etwas lernen

Früh übt sich, wer ein Meisterkoch werden will. Dieses Sprichwort zu Herzen genommen hat sich Simone Fürholzer: Sie organisiert Kochkurse für Kinder.

Von Marco Morosoli Adliswil – Nina (9), Nicola (8), Joey (8) und Yannick (4) stehen um den Tisch in der grossen Wohnküche einer Adliswiler Wohnung herum. Sie lassen sich von der Ernährungsberaterin Simone Fürholzer ins ABC der Kochkunst einführen. Das Quartett bereitet «Rüebliwaffeln mit Kräuterquark» und «Früchtespiesse mit Krokant» mit grossem Elan zu. «Du darfst mehr machen als ich», sagt Nicola zu Joey. Er schnappt sich eine Karotte, die er geschält hat. Nun muss er das orange Gemüse raffeln. Nicola und Joey machen daraus ein Wettrennen. Doch irgendwie füllt sich die Schüssel einfach nicht. Kein Wunder: Die Kinderköche lassen immer wieder ein Stück Rüebli im Mund verschwinden. Nur bei Yannick ist solches Treiben nicht zu beobachten. «Er ist ein schlechter Esser. Zurzeit isst er weder Früchte noch Gemüse», sagt seine Mutter. Sie hofft, dass ihr Kind durch den Kurs auf den Geschmack gesunder Nahrungsmittel kommt. Beim ersten Anlauf ist dieses Vorhaben aber noch nicht geglückt. Trotz der Essblockade trägt Yannick seinen Teil zu den Rüebli-Waffeln mit Kräuterquark bei. Die Kochkursleiterin lobt ihn dafür speziell: «Das hast du toll gemacht.» Genau abwägen Nach und nach nimmt der Waffelteig Gestalt an. Jede Zutat kommt im genau vorgegebenen Mass in die Schüssel. «Ich versuche die Kinder zu animieren, möglichst nach Gewicht zu kochen», sagt Fürholzer. Steht auf dem Rezept 100 Gramm Gries, dann sollte auch so viel in den Teig hinein. Die Kinder lernen im gleichen Arbeitsgang, wie ein Messbecher verwendet wird. Joey nimmt es dabei sehr genau. Um genau zu wägen, hält er den Messbecher gegen das Licht. Bis die richtige Dosis ermittelt ist, vergehen einige Minuten. Doch Zeit spielt bei diesem Kochkurs keine Rolle. Die verschiedenen Früchtesorten aufzuspiessen, macht den Jungköchen ebenfalls gehörig Spass. Zwischendurch streut Fürholzer Wissenswertes über die Ernährung ein, denn am Küchentisch wird nicht nur viel geredet, sondern auch gefragt. Was überrascht: Es wird hauptsächlich Hochdeutsch gesprochen. Auf die Idee für den Kochkurs ist die gebürtige Bayerin in ihrer Heimat gekommen. Dort gibt es dieses Angebot schon länger. Nach der Geburt ihrer Tochter habe sie etwas Neues machen wollen. Deshalb hat sie ihren Beruf in der Werbebranche aufgegeben und konzentriert sich jetzt aufs Kochen mit Kindern: «Es macht ihnen grossen Spass. Sie kriegen zudem einen Zugang zu vollwertigem Essen.» Mit ihrem Angebot habe sie eine Marktlücke entdeckt: Im Bezirk gibt es nichts Vergleichbares. Auch wenn Simone Fürholzer keine Kochausbildung hat, glaubt sie, dass sie für ihre neue Aufgabe gut vorbereitet ist: «Ich habe mich im Fernstudium zur Ernährungsberaterin ausbilden lassen und mehrere Seminare über Säuglings- und Kinderernährung besucht. Das hat mich schon lange interessiert.» So gehört denn auch ein Theorieteil zu jedem Kinderkochen. Dort lernen die Mädchen und Knaben, zwischen guten und schlechten Nahrungsmitteln zu unterscheiden. Ihr Kochwissen vermittelt Fürholzer auch Erwachsenen. Für diese bietet sie zudem Vorträge über Ernährung an. Nachdem der Waffelteig geruht hat, backen die Kinder ihn. Dann endlich darf das selber Kreierte gegessen werden. «Das Gefühl, mitgeholfen zu haben, macht das Essen schmackhafter», sagt Simone Fürholzer. Ein Hamburger ist in Ordnung Hungrig ist hinterher jedenfalls kein Kind mehr. «Ich muss heute zu Hause sicher nichts mehr essen», sagt Nina. Wie Joey und Nicola ist sie bereits zum dritten Mal mit dabei. Auch daheim stehen die Kinder seit ihren ersten Kochlektionen öfter als bisher in der Küche. «Ich mache mir am Wochenende oft einen Milchshake», sagt Nina. Das Rezept hat sie im Kurs bekommen. Auch die beiden Knaben sammeln die Rezepte. Stolz sagt Nicola: «Ich habe mir auch schon eine Pizza gebacken. Den Teig habe ich selber gemacht.» Simone Fürholzer sagt, dass ihr Kochkurs helfe, «gesundes Essen gut zu verpacken». Gegen Hamburger und dergleichen wettert sie nicht: «Die Mischung machts.» Kurz nachdem der letzte Essensrest auf dem Tisch in einem der Münder der Teilnehmer verschwunden ist, löst sich die Kochgruppe auf. Die Kinder fragen artig, ob sie beim Aufräumen helfen sollen. Simone Fürholzer verneint. Bereits am Mittwoch stehen wieder drei der vier Kinder aus dieser Gruppe in ihrer Küche. Was es dann zu essen gibt, weiss Simone Fürholzer noch nicht. Der Favorit der Kinder sind Spaghetti. Für diese Kochlektion muss sich Simone Fürholzer wohl nicht speziell vorbereiten. Die Kinderküche Adliswil befindet sich an der Wachtgasse 5 in Adliswil. Eine Kurslektion für Kinder kostet 55 Franken. Bei fünfmaligem Erscheinen kostet eine Lektion 50 Franken. Mehr zur Kinderküche auf http://diekinderküche.ch und über die E-Mail-Adresse: kinderkueche@bluewin.ch (mor) Spass sollen die Kinder im Kurs haben. Sie sollen aber auch lernen, was gute und was schlechte Ernährung ist. Foto: P. Gutenberg

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