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Kosovare wird ausgewiesen

Zwei Kosovaren schockten 2006 Thun: Sie stachen vor dem «Mokka» einen Schweizer nieder. Einer der Täter ist nun beim Verwaltungsgericht abgeblitzt: Weil Rückfallgefahr droht, muss er die Schweiz noch dieses Jahr verlassen.

Vor einigen Jahren landeten zwei Brüder aus Thun in den Schlagzeilen: Die damals 20- und 18-jährigen Männer aus Kosovo verprügelten im «Mokka» einen jungen Schweizer und erstachen ihn beinahe mit einer abgebrochenen Bierflasche. Der jüngere der beiden, A., lieferte sich keine vier Monate später eine Schlägerei mit einer Gruppe Schweizer. Einen der Jungen verletzte er dabei mit acht Messerstichen. Das Kreisgericht verurteilte ihn deshalb im März 2008 zu einer Freiheitsstrafe von dreieinhalb Jahren unter Anrechnung von fast zwei Jahren U-Haft.Täter erhob BeschwerdeIm November 2008 wurde er bereits wieder bedingt aus dem Strafvollzug entlassen. Mittlerweile hatte die Einwohnergemeinde Thun jedoch seine Niederlassungsbewilligung widerrufen und ihn angewiesen, spätestens drei Tage nach der Entlassung aus dem Gefängnis die Schweiz zu verlassen. A., der mit elf Jahren im Rahmen des Familiennachzugs aus Kosovo in die Schweiz einreiste, wollte jedoch bleiben: Er erhob Beschwerde bei der Polizei- und Militärdirektion und nun auch beim Verwaltungsgericht.Dieses überprüfte deshalb, ob der Widerruf von A.s Aufenthaltsbewilligung wegen seiner Verurteilung eine verhältnismässige Reaktion darstellt oder nicht. Dafür nahm es die beiden Taten, A.s Verhalten während und nach dem Vollzug sowie seine sonstige Situation genauer unter die Lupe.«Brutal und skrupellos»Das Thuner Kreisgericht bezeichnete damals A.s Verhalten im Fall «Mokka» als eine «äusserst brutale und sinnlose Gewaltdemonstration gegen ein wehrloses Opfer». Insgesamt wiege A.s Verschulden sehr schwer, befand auch das Verwaltungsgericht. Negativ wirke sich auch aus, dass A. danach erneut mit dem Gesetz in Konflikt geraten sei. «Die damals abgesessene Haft und das hängige Verfahren haben ihn offenbar unbeeindruckt gelassen», bemerkt das Gericht. A. macht in seiner Beschwerde geltend, es bestehe keine Rückfallgefahr. Er habe aus eigener Initiative eine psychotherapeutische Behandlung aufgenommen und sich als Mensch entwickelt und verändert. Er habe sich seit seiner Entlassung nichts mehr zu Schulden kommen lassen. Dieser Ansicht konnte das Verwaltungsgericht nicht folgen: «A. hat sich bezüglich seiner Delikte nur wenig einsichtig gezeigt.» Die Gefahr sei gross, dass er wieder ähnliche Delikte verüben könnte.Noch dieses Jahr ausreisenDas Verwaltungsgericht kam zum Schluss, dass bei A. nicht von einer «gelungenen» Integration gesprochen werden könne. «Die Rückkehr und die Wiedereingliederung in sein Heimatland erscheinen zudem als möglich und zumutbar», so das Urteil des Gerichts. Der Widerruf der Niederlassungsbewilligung war dementsprechend rechtmässig, A. muss die Schweiz noch dieses Jahr verlassen. Der Weiterzug vors Bundesgericht ist möglich.Nora Scheidegger>

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